Lautertal
Versorgung

Ingrid Scholz gibt zum 1. Februar in Unterlauter ihr Geschäft auf

Am 31. Januar schließt Ingrid Scholz ihr Geschäft in Unterlauter. Als Inhaberin der ehemaligen Quelle-Agentur machte sie Höhen und Tiefen mit.
Artikel drucken Artikel einbetten
Mit einem lachenden und einem weinenden Auge sieht Ingrid Scholz mit ihrem Mann Herbert dem 1. Februar entgegen. Nach 35 Jahren schließt sie ihr Geschäft in Unterlauter. Foto: Martin Rebhan
Mit einem lachenden und einem weinenden Auge sieht Ingrid Scholz mit ihrem Mann Herbert dem 1. Februar entgegen. Nach 35 Jahren schließt sie ihr Geschäft in Unterlauter. Foto: Martin Rebhan
Das Leben bringt mit sich, dass man hin und wieder von Liebgewonnenem Abschied nehmen muss. So werden viele Lautertaler Bürger am 31. Januar empfinden, wenn Ingrid Scholz ihr Geschäft in der Coburger Straße schließt.

"Auf den Tag genau sind es 35 Jahre, die ich mein kleines Geschäft geführt habe", erklärt Ingrid Scholz. Angefangen hat alles am 1. Februar 1982, als sie einen kleinen Raum im ehemaligen Gasthaus Maaser als "Quelle-Agentur" übernahm. Die Kundenzahl stieg rasch. Nachdem auch das Sortiment erweitert worden war, platzte der kleine Raum förmlich aus den Nähten. Umbauarbeiten wurden nötig, um den Anforderungen gerecht zu werden. "Wir haben alles selbst gemacht", erinnert sich die gelernte Einzelhandelskauffrau an ihre ersten Jahre als selbstständige Unternehmerin. "Wir", das war ihr Mann Herbert, der ihr immer zur Hand ging.

Ingrid Scholz musste Höhen und Tiefen durchleben. Ganz genau erinnert sie sich an die Zeit der Wende. "Quelle hat damals nichts nach Thüringen geliefert, also haben wir unser Auto mit Großgeräten bepackt und diese ausgefahren." Auch musste sie damals lernen, dass das Tankstellennetz in der ehemaligen DDR alles andere als engmaschig war. Herzhaft lachend erinnerte sich Ingrid Scholz: "Bei einer Tour sind wir jeden Berg hinuntergerollt, um jeden Tropfen Benzin zu sparen, wir wären sonst nicht mehr nach Hause gekommen."


Die Krise gemeistert

Fast den Boden unter den Füßen zog ihr dann die Insolvenz der Quelle-Gruppe weg. Aber Ingrid Scholz ließ sich nicht unterkriegen. Neue Geschäftsfelder wurden aufgetan und damit wurde auch diese Krise gemeistert. Vor allem als Annahmestelle für Lottoscheine ist das Geschäft von Ingrid Scholz auch seit 1982 eine viel genutzte und beliebte Anlaufstelle. "Eine Tippgemeinschaft hat einmal 100.000 Euro gewonnen", erinnerte sie sich. Auch seien mal ein BWM und ein Jaguar "über ihren Ladentisch" gegangen. Über die Gewinner darf sie keine Auskunft geben. "Da bin ich zur Verschwiegenheit verpflichtet", betont die zukünftige Ruheständlerin.

Keinen Hehl macht sie daraus, dass sich die Digitalisierung deutlich bemerkbar gemacht hat. "Das Internet stellte mich schon vor große Herausforderungen", sagt Scholz. Auch wenn es für sie der perfekte Zeitpunkt sei, ins Rentnerdasein zu wechseln, eine tüchtige Portion Wehmut komme bei ihr schon auf. "Die Menschen werden mir fehlen", gibt sie unumwunden zu und ergänzt: "Ich war halt immer dicht dran am Dorfgeschehen."
Ein "Markenzeichen" von Ingrid Scholz war und ist, dass sie sich Zeit für ihre Kunden genommen hat. So fanden oft am Montag intensive Gespräche über die Bundesligaergebnisse statt.

Angst, künftig "unterbeschäftigt" zu sein, hat sie nicht. Wichtig war ihr, dass sie ihre Lotto-Kunden nicht im Regen stehen lässt. Daher zeigte sie sich sehr zufrieden, dass die Tippscheine ab 1. Februar in der Postfiliale in Oberlauter abgegeben werden können.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren