Coburg
Buchvorstellung

Lesung an FOS Coburg: In die Wahrheit der Figuren

Bei der von Schülern organisierten Lesung an der Fachoberschule Coburg war Franziska Gerstenberg zu Gast.
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Franziska Gerstenberg war zu Gast an der Coburger Fachoberschule.  Foto: Carolin Herrmann
Franziska Gerstenberg war zu Gast an der Coburger Fachoberschule. Foto: Carolin Herrmann
Alle sehnen sich doch nach einer Familie. So lapidar fällt der Satz in einer Erzählung von Franziska Gerstenberg. Am Mittwoch stellte die in Coburg gar nicht mehr unbekannte Autorin ihr neues Buch an der Fachoberschule vor. Dort hatten Schüler wieder die fast schon traditionell zu nennende jährliche Lesung organisiert, mit schönem Drumherum und engagierter Fragerunde zum Schluss.

Die 1979 geborene Dresdnerin Franziska Gerstenberg hat schon viel Aufmerksamkeit erregt, hatte ein Aufenthaltsstipendium in der Villa Concordia in Bamberg, ist vielfach ausgezeichnet und war 2013 zu Gast bei "Coburg liest". Ihr erster Roman "Spiel mit ihr" zog durch sein tiefgründig psychologisches Gespür in den Bann.

Mit ihrem neuen Buch "So lange her, schon gar nicht mehr wahr" ist Franziska Gerstenberg zurückgekehrt zu "ihrer" literarischen Form, der Erzählung. Da muss sie sich nicht auf Jahre hin auf ein Thema festlegen, erklärte sie bei ihrer Coburger Lesung. Sie taucht gerne ein in die unterschiedlichsten Perspektiven und Menschen.
Wobei dieser neue Erzählband ein zentrales Thema hat: Zuhause. Dem geht sie in acht Varianten nach, zwei davon las sie in Teilen am Mittwoch an der Fachoberschule. Wie nicht anders zu erwarten, war die beklemmende Intensität sofort präsent, in die Gerstenberg knapp und wohlüberlegt, in intensiven Dialogen und gedanklich reflektierend auf direktem Weg führt.

Die 14-Jährige Karoline steht dem schrägen Freund des Hauses, Sven, misstrauisch gegenüber. Was will er von ihr? Die Mutter hört wieder einmal nicht zu, als sie die Spanienreise, die Sven mit ihr und ihrem sechsjährigen Bruder unternehmen will, verhindern will. Klar, alle sehnen sich doch nach einer Familie, was Karoline auch für Sven gelten lassen will. Doch was bedeutet es dann, dass er im Urlaub am Meer Karoline immer weiter isoliert, nur noch allein mit dem kleinen Friedel unterwegs ist und ihn dann in sein Schlafzimmer, in sein Bett lotst?


Lange Geschichten jetzt

Was bedeutet "Zuhause" heute? Familie, ein einzelner Mensch, ein Ort? Aus der Schreiberfahrung mit dem Roman, der ihr nicht leicht viel, wie sie berichtete, hat Franziska Gerstenberg größere Freiheit und Sicherheit für ihre Geschichten gewonnen. Die dürfen jetzt länger sein: "Auf 30 Seiten kann man alles machen, was man auch in einem Roman macht."

Das Wesentliche für sie ist, sich geduldig in ihre Figuren hinein zu spüren, um sie dann "psychologisch ehrlich" widerspiegeln zu können. Diese psychologische Wahrhaftigkeit zog auch bei dieser Coburger Lesung wieder in den Bann.

Franziska Gerstenberg: So lange her, schon gar nicht mehr wahr. Erzählungen, Schöffling-Verlag, Frankfurt am Main. 240 Seiten, 19,95 Euro.

Die Autorin Franziska Gerstenberg wurde 1979 in Dresden geboren. Sie studierte von 1998 bis 2002 am Deutschen Literaturinstitut Leipzig die Fächer Prosa, Lyrik und Dramatik/Neue Medien und war zwei Jahre Mitherausgeberin der Literaturzeitschrift EDIT. Sie erhielt unter anderem das Aufenthaltsstipendium in der Villa Concordia im Bamberg (2005) und das Heinrich-Heine-Stipendium 2007. Ihr erstes Buch, der Erzählband "Wie viel Vögel", erschien 2004. Ihrem Debüt gingen kleinere Veröffentlichungen in Zeitschriften und in einigen Anthologien voraus. 2012 erschien Gerstenbergs erster Roman mit dem Titel "Spiel mit ihr". Sie arbeitet als Dozentin einer Autorenschule und lebt heute wieder in Dresden.





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