Coburg
Verbundenheit

In der Küche riecht es afghanisch

Die Frauen vom Coburger Serviceclub Soroptimist International (SI) haben diesmal mit Afghaninnen ein typisches Gericht aus deren Heimat zubereitet.
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Interessant, wie so ein persisches Gericht zubereitet wird (von links): Sima Abasi, Herwig Freund, Anette Angermüller, Zeinab Karimi, Hubertus Hofmann und Razia Barati
Interessant, wie so ein persisches Gericht zubereitet wird (von links): Sima Abasi, Herwig Freund, Anette Angermüller, Zeinab Karimi, Hubertus Hofmann und Razia Barati
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Als sie im Januar zum ersten Mal miteinander gekocht haben, gab es typisch Deutsches mit Zutaten aus der Region: Forelle, Rinderroulade mit Serviettenkloß, Rotkohl, Karottensalat und Pfannkuchen mit Apfelmus. Diesmal steht ein typisch persisches Gericht auf dem Koch- und Speiseplan. Die Soroptimistinnen und die Afghaninnen aus der Flüchtlingsunterkunft in Weidach bereiten gemeinsam ein Ghormeh Sabzi zu, eine Art Kräutergulasch.

"Heute sind wir die Schülerinnen", sagt Helga Brachmann vom Serviceclub und lacht. Die deutschen Frauen haben keine Ahnung, was auf sie zukommt. Die afghanischen Köchinnen tun sich indes mit der Anleitung ein wenig schwer. Und das hat nicht nur mit der Sprachbarriere zu tun - die meisten verstehen zwar die deutsche Sprache ein wenig, können aber selbst kaum ganze Sätze sagen -, sondern damit, dass es die Frauen aus der islamischen Republik nicht gewohnt sind, anderen Anweisungen zu geben.

Doch irgendwann sind alle mit Gemüse schnippeln, rühren und Topfgucken beschäftigt. Gekocht wird diesmal in einem Küchenstudio. Möglich gemacht hat das Hubertus Hofmann vom gleichnamigen Möbelhaus in Rödental mit Unterstützung von Anette Angermüller, der Abteilungsleiterin des Küchenstudios.

Wie es dazu kam, erläutert Herwig Freund, der mit seiner Frau Rosely die Geflüchteten in Weidach ehrenamtlich betreut. "Ich habe gelesen, dass das Möbelhaus immer mal wieder ein Kochen mit Politikern und anderen Prominenten anbietet. Ich dachte mir, da kann ich einfach mal fragen, ob wir auch mit den Frauen kommen können." Hubertus Hofmann habe sofort zugesagt. "Ich dachte gleich, dass das genau das Richtige für uns ist", ergänzt der Chef des Möbelhauses.


Gemeinsame Basis

Nach kurzer Anlaufzeit klappt es mit der Zusammenarbeit. Denn es gibt viel zu tun. Für das Ghormeh Sabzi müssen Möhren gerieben, Zwiebeln, Tomaten, Gurken, Kraut und anderes Gemüse geschnitten, Reis und Lammfleisch gekocht werden. Dazu kommen Gewürze wie getrocknete Limetten, Bockshornklee, Koriander und Co.. Im Vorfeld haben die afghanischen Frauen schon einen Kuchen gebacken zum Nachtisch.

"Für die Zutaten haben Soroptimist und wir Geld gespendet. Davon konnten sie einkaufen, was sie brauchen", erzählt Herwig Freund. An der Situation der Geflüchteten, die schon bald zwei Jahre in einer ehemaligen Gaststätte in Weidach untergebracht sind, hat sich indes kaum etwas geändert. Ihr Aufenthaltsrecht sei weiterhin befristet, erläutert Rosely Freund.

Dass es nach den schweren Anschlägen in Kabul einen vorübergehenden Abschiebestopp gebe, verschaffe den Menschen aber erst einmal eine Verschnaufpause. Die Frauen im Küchenstudio denken an diesem Nachmittag und frühen Abend vor allem ans Essen, das auf dem Herd vor sich hin kocht. Es soll alles gut werden, das ist im Moment ihr größter Wunsch.

Und sie freuen sich darauf, ihre Gäste mit einem landestypischen Gericht zu bewirten. Wie soll es nun weitergehen nach dem zweimaligen gemeinsamen Kochen?


Kontakte pflegen

Werden die Kontakte weiter gepflegt? "Ja, das haben wir vor", sagt dazu Gabriele Ketteler, die Präsidentin des Serviceclubs. Am 24. Juli wird in der Alten Schäferei in Ahorn gefilzt und wenn Ende September der Coburger Serviceclub sein 20-jähriges Bestehen feiert, möchte die Präsidentin die afghanischen Frauen auch dabei haben.
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