LKR Coburg
Waldnaturschutz

In den Wäldern um Coburg leben uralte Bäume

Uralte und besonders knorrige Bäume dürfen stehenbleiben. Das gilt auch und ganz besonders im Forstbetrieb der Bayerischen Staatsforsten.
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Die "Drillingsbuche" steht im Häslichgrund im Mönchrödener Forst - und da bleibt sie auch.
Die "Drillingsbuche" steht im Häslichgrund im Mönchrödener Forst - und da bleibt sie auch.
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Wie eine mächtige Wand aus Holz, eine moosbewachsene Palisade, wirkt die "Drillingsbuche", wenn der Betrachter ihr zu nahe kommt. Mit etwas Abstand sind die einzelnen Stämme dann schon zu erkennen. Es sind eigentlich vier. Einer ist vor Jahren abgebrochen und liegt neben den Dreien, die im engen Schulterschluss nebeneinander im Häslichgrund hinter den Fischbacher Teichen stehen. Ein Monument sind sie, ein Denkmal, das sich die Natur selbst gesetzt hat.

"Wir kämen nie auf die Idee, so etwas umzusägen", sagt Albert Schrenker. Die "Drillingsbuche" ist die erste Station auf einer Tour zu sehr alten Bäumen, die der Leiter des Forstbetriebs Coburg der Bayerischen Staatsforsten einmal zeigen möchte. Nützen und schützen sind nebeneinander möglich. Ökonomie und Ökologie schließen sich auch im Staatswald nicht aus, das ist die Botschaft.

Tatsächlich gibt es sie noch, die alten Baumriesen, in den Coburger Wäldern. Anders als in Parks, wo uns die gewaltigen Kronen allein stehender Bäume beeindrucken, schaffen es selbst gewaltige Exemplare im Wald, den Förster zu überraschen. Eine starke Fichte etwa, die im Mönchrödener Forst steht, zieht bei der Exkursion den Blick des Betriebsleiters auf sich. "Die müssen wir uns doch mal anschauen", sagt er. Weil sie aus einer Senke aufragt, sticht sie gar nicht so sehr heraus aus dem übrigen Bestand. Erst am Fuß des Stammes offenbart sich die wahre Größe. Und auch hier steht für Albert Schrenker fest: "Die bleibt stehen."

Stehen geblieben sind auch andere Bäume. So lange stehen sie in diesem Wald, dass nur noch eine Stammruine aufragt. Totholz, nennt der Forstmann so etwas, und Schrenker weiß: "Totes Holz ist Leben." Pilze, die am Stamm als malerische Konsolen wachsen, Spechthöhlen, in denen oft ganz andere Bewohner eingezogen sind, zahllose Insekten als Nahrung für Vögel und Mikroorganismen in kaum zu schätzender Artenvielfalt, sie alle brauchen solche Baumreste zum Leben. Deshalb darf der Wald nie zu "aufgeräumt" aussehen, wenn er mit Leben erfüllt bleiben soll.

Albert Schrenker weiß, dass die Öffentlichkeit den Wald und was mit ihm geschieht aufmerksam beobachtet. Der Blick ist nicht immer der eines Försters. Den einen stört herumliegendes Holz (dessen Biomasse wieder dem Kreislauf zugeführt werden soll), der andere hat kein Verständnis für einen Einschlag (ohne den es aber kein Holz für die vielfältige Nutzung dieses nachwachsenden Rohstoffes gäbe). Förster und Privatwaldbesitzer müssen in diesem Spannungsfeld arbeiten.


Der besondere Bezug zum Baum

Der Wald hat eine soziale Funktion neben Ertrag und Naturschutz. Alte und markante Bäume spielen dabei eine Rolle. Bäume wie eine uralte Buche hinter Rüttmannsdorf, knorrig, voller Wunden und vom Alter gezeichnet, lassen Menschen in der Begegnung innehalten, aufblicken. Sie lassen uns heute verstehen, warum solche Bäume einst eine besondere Rolle im Leben der Menschen gespielt haben.

Heilige Haine, Gerichtslinden oder die Weltesche Yggdrasil, die in der nordischen Mythologie mit den Wurzeln die Erde und mit der Krone den Himmel hält, sind nur einige Beispiele. Und pflanzen nicht noch heute viele Eltern einen Baum, wenn ihnen ein Kind geboren wird? Empfinden nicht viele von uns diese besondere Kraft und Ruhe, die von so einem Methusalem unter den Bäumen ausgeht?


Integrierter Naturschutz

Der Wald ist ein Ort der Ruhe, der Besinnung. Alte Baumriesen bilden besondere Orte in diesem Lebensraum. Daher hat Forstminister Helmut Brunner das Jahr des Waldnaturschutzes ausgerufen. Natürlich ist ein Jahr für einen Wald kein Zeitraum. Doch es geht ihm darum, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass es im Wald viel Schützenswertes gibt. Brunner erklärte vor kurzem bei einem Besuch in Bad Rodach seine Vorstellung von integriertem Waldnaturschutz. Schützenswertes innerhalb der genutzten Bestände erhalten, ist das Ziel. Der Minister setzt nicht auf immer größere Schutzgebiete, in denen der Wald nicht mehr angetastet wird, neben Nutzgebieten mit intensiver Bewirtschaftung. "Wir müssen den Waldnaturschutz in die Fläche bringen", betonte er.
Dass er da schon ist, zeigt Albert Schrenker mit Beispielen quer durch die Flächen des Coburger Forstbetriebs, der in der Nachfolge des einstigen Forst-und Domänenamtes steht. Eine uralte Eiche am Hertasee bei Sesslach, bemerkenswerte Bergahorne bei Gereuth und Eschen auf der Hohen Schwenge über dem Fornbachgrund kann er vorweisen. Es sind nur Beispiele, die im wahrsten Wortsinn herausragen. Es gibt aber auch einen Trend. "Die regelmäßige Waldinventur zeigt, dass die Bestände insgesamt älter werden", erklärt Albert Schrenker.

Heute beträgt der Anteil der Bäume mit einem Stammdurchmesser auf Brusthöhe (etwa 1,3 Meter über dem Boden) mit mehr als 48 Zentimetern rund 20 Prozent am Gesamtvorrat des Betriebes. Bei der Untersuchung 1998 lag dieser Wert noch deutlich niedriger.

Herausragend bleiben aber immer die knorrigen, die nicht nach Idealmaß gewachsenen und die uralten Bäume. Sie markieren für uns besondere Seelenorte und lassen uns erkennen, dass es Größeres und Älteres gibt als uns.
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