Meeder
Abschluss

In Großwalbur zeigt sich, wer Landwirt werden kann.

Carola Rudingsdorfer ist eine von 36 Prüflingen zum Landwirt. Sie wollte nach dem Abi nichts anderes werden, musste aber eine Weile warten, ehe es mit der Lehrstelle geklappt hat. Zwischenzeitlich lernte sie schon Tierarzthelferin.
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Carola Rudingsdorfer zeigt den Prüfern Martin Albrecht und Oliver Truckenbrodt, wie der zu erwartende Ertrag eines Weizenfelds ermittelt wird.  Foto: Rainer Lutz
Carola Rudingsdorfer zeigt den Prüfern Martin Albrecht und Oliver Truckenbrodt, wie der zu erwartende Ertrag eines Weizenfelds ermittelt wird. Foto: Rainer Lutz
Landwirtin zu werden, war der Traum von Carola Rudingsdorfer. Weil die junge Weißenburgerin nach dem Abi aber keine Lehrstelle fand, absolvierte sie zuerst eine Ausbildung als Tierarzthelferin. Das war keineswegs Zeitverschwendung, wie sie heute weiß. Am Freitag legte sie nun doch die praktische Prüfung im Ausbildungsberuf Landwirt ab.

Es hat also doch noch geklappt mit dem Traumberuf. Dass die 23-Jährige schon eine Ausbildung hat, ermöglichte die Verkürzung der Lehrzeit auf zwei Jahre, erklärte Landwirtschaftsdirektor Hans Vetter. Er ist Bereichsleiter Landwirtschaft am Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten (Aelf) in Coburg. Die Landwirtschaftsschule gehört damit zu seinem Zuständigkeitsbereich. "Es werden immer mehr, die bereits eine Ausbildung haben, wenn sie sich für den Beruf des Landwirts entscheiden", sagt Vetter.

Carola Rudingsdorfer ist mit den Prüfern Martin Albrecht und Oliver Truckenbrodt bei einem Weizenfeld angelangt. Sie soll herausfinden, welchen Ertrag der Landwirt auf diesem Acker erwarten kann. Die junge Frau, weiß genau, was sie zu tun hat. Mit einem Zollstock formt sie ein Geviert und erklärt: "Das sind 0,16 Quadratmeter." Sie Zählt die Ähren auf dieser Fläche, und die Körner einer Ähre, die als Stichprobe dient. So kann sie die Zahl der Körner auf dem Quadratmeter errechnen. Weil sie weiß, dass Weizen ein 1000-Korn-Gewicht von 55 bis 60 Gramm hat, kann sie nun ermitteln, wie viele Dezitonnen Weizen auf der Fläche gedroschen werden können.
"Das werden heuer wohl rund ein Drittel weniger sein als in einem Durchschnittsjahr", fürchtet Hans Vetter. Die Trockenheit macht den Pflanzen zu schaffen. Allerdings ist das nicht nur in Großwalbur so. Weltweit wird heuer mit schlechten Ernten gerechnet. Das lässt die Weltmarktpreise steigen. So wird der Verlust bei der Ernte etwas kompensiert, wie Vetter hofft.

Langer Prüfungstag

Carola Rudingsdorfer ist unterdessen dabei eine Welle an einer Sämaschine abzubauen. "So kann ich sie von Hand abdrehen", erklärt sie. Auch der Umgang mit den Maschinen wird geprüft. Drei Stunden dauert die Prüfung im Fach Pflanzenproduktion etwa. Weitere drei Stunden geht es um Tierproduktion. Da macht sich dann wieder die Erfahrung als Tierarzthelferin bezahlt. Am Montag folgt dann der Theorieteil der Prüfung für die insgesamt 36 Prüflinge. Für viele ist das der schwierigere Teil, sagen die Prüfer.

Die meisten Teilnehmer kommen aus den Landkreisen Bamberg (9), Coburg (8), Forchheim (7) und Lichtenfels (5). Je ein Prüfungsteilnehmer kommt aus dem Raum Augsburg, Bayreuth, Kronach, Neustadt an der Saale, Torgau, Weißenburg und Wunsiedel. 25 von ihnen haben die klassische Ausbildung mit einem Berufsgrundschuljahr und zwei Jahren Berufsschule in Kombination mit der Ausbildung auf einem landwirtschaftlichen Betrieb durchlaufen. Elf Absolventen des Bildungsprogramms Landwirt (BiLa) haben nach einer außerlandwirtschaftlichen Ausbildung über drei Jahre Abendkurse am Aelf in Bamberg besucht, um sich das nötige Wissen anzueignen.

Carola Rudingsdorfer darf sich freuen. Hans Vetter informiert am Rande, dass sie wegen ihrer Vorbildung die Genehmigung bekommen hat, auf ein Praxisjahr zu verzichten und gleich weiter auf die Meisterprüfung zu büffeln.
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