Coburg
Designtage

In Coburg sprießen Kräuter und Ideen

Der ehemalige Güterbahnhof hat mehr zu bieten als die alte Pakethalle: Studierende zeigen, was am Rand der Gleisanlagen wächst.
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Urban Gardening: Die Hochbeete sind vermietet und können das ganze Jahr genutzt werden. Foto: Simone Bastian
Urban Gardening: Die Hochbeete sind vermietet und können das ganze Jahr genutzt werden. Foto: Simone Bastian
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Gleisanlagen und Kleingärten gehörten zusammen. Noch heute schmiegen sich kleine Gärten an längst stillgelegte Gleise in Richtung Coburger Lokschuppen. Auch am Güterbahnhof gab es solche Gartenteile, etwas tiefer gelegen, direkt am Itzufer.

Von Garten ist nicht mehr viel zu sehen, wohl aber Grün. Eine Oase eröffnet sich da überm Wasser, unter Kastanien und Erlen. Für die Designtage haben die Macher von "WirGestalten" rohe Stufen in die Böschung gezimmert, die hinunter führen zur schmalen früheren Gartenterrasse. Ein Podest schafft einen kleinen Ruhebereich unter Bäumen, frische Hackschnitzel markieren die Wege, ein geflochtenes Tipi duckt sich ins Grün. "Das ist das erste Mal, dass hier die Itz erlebbar gemacht wird", sagt Dominique Dupont, Projektmanagerin beim Coburger Designforum Oberfranken (CDO), das die Designtage heuer zum 28. Mal veranstaltet.

Wobei die Designtage älter sind als das CDO, begannen sie doch als eine Art Werkschau der Studiengänge Integriertes Produktdesign und Innenarchitektur. Irgendwann sprengten sie den Hochschulrahmen, war externes Geld notwendig, um all das zu finanzieren, was die Studierenden schufen, auf die Beine stellten, inszenierten. Und irgendwann waren die Designtage losgelöst von der Hochschule Coburg. Die Fakultät Design am Hofbrauhaus bittet zwar zeitgleich mit den Designtagen zum "Designcampus open", aber offiziell ist die Hochschule am Güterbahnhof nicht mit am Start.


"Für uns ein Glücksfall"

Die Studierenden schon, eingebunden über die Vereine "WirGestalten" oder "Making Culture". Dank der Stadt Coburg stehen für die Designtage größere Flächen auf dem Güterbahnhof zur Verfügung als allein die ehemalige Stückguthalle, die der Einfachheit halber nur noch "Pakethalle" heißt. Denn Michael Böhm vom Stadtmarketing weiß, dass die Designtage längst über Coburg hinausstrahlen. "Die Designtage sind für uns ein Glücksfall! Für das Stadtmarketing sind sie eins der wichtigsten Coburger Events. Sie sprechen junge Leute und die Wirtschaft an, sie zeigen unsere Innovationsfähigkeit."

Die Attraktivität für die "jungen Leute" rühre auch daher, "dass wir Spielwiesen zur Verfügung stellen", wie Böhm sagt. In diesem Jahr das Itzufer und die Lagerhalle daneben. Hier gewinnen die Designtage etwas von dem Charme ihrer früheren Jahre zurück, als ein großer Teil des Geländes hinterm Hofbrauhaus noch Brache war und von den Studierenden für die Designtage jedes Mal neu ausgestattet und illuminiert wurde.


Neues aus alten Möbelteilen

Alina Dziedzitz vom Verein "WirGestalten" ist für die Konzeption des Itzstrandes zuständig, der zwar kein Sandstrand wird, aber ein begehbares Ufer, wo Besucher im Schatten relaxen können. Die daneben gelegene alte Scheune, bislang kaum sichtbar und zugänglich hinter anderen alten Gebäuden (abgebrochen) und wucherndem Grün (gerodet), dient als Ausstellungsfläche. Zum Beispiel sind Möbel aus unverkäuflichen Ikea-Teilen zu sehen, zur Verfügung gestellt von der Ikea-Stiftung. In Workshops von "WirGestalten" entstanden daraus neue Möbel, sagt Nina Renth, die auch für das Workshop-Programm während der Designtage zuständig ist. Der Verein wird hauptsächlich von Studierenden getragen, ist aber unabhängig von der Hochschule.

Neben der Lagerhalle am Itzufer haben Sabrina Hafner und Matthias Haagen zwölf Hochbeete angelegt. Eine Europalette als Basis, ein Käfig aus Baustahl, ein Sack aus Hanfvlies, Erde rein, fertig. Materialien, die fast überall zur Verfügung stehen, recycle- oder kompostierbar, und notfalls lassen sich die Beete auch noch versetzen. Alle Pflanzstätten sind schon vergeben - das Urban-Gardening-Projekt soll über die Designtage hinaus Bestand haben.

Sabrina Hafner, die Floristin gelernt hat und nun Produktdesign studiert, ist auch für das Grün an der Pakethalle zuständig, von den Salatkästen in den Tischen auf der Außenterrasse bis zu den Bohnenranken im Riesenmikado und den Rhododendren unter dem alten Bahnsteig. Daneben ist eine Holzterrasse entstanden, "mit Kissen, wo man sich fläzen kann", sagt Sabrina Hafner und lächelt freudig. Unter dem alten Fahrradständer werden während der Designtage 40 verschiedene Tomatensorten präsentiert.


Organisatorisches

Ort Ehemaliger Güterbahnhof Coburg (erreichbar über Schlachthofstraße); Ausstellung in der Alten Pakethalle (Am Güterbahnhof 15a); Urban Gardening, weitere Ausstellungsfläche am Itzufer gegenüber.

Dauer
Ausstellung Alte Pakethalle Mittwoch, 1. Juni, bis Sonntag, 5. Juni. Geöffnet Mittwoch bis Freitag sowie Sonntag von 12 bis 24 Uhr, Samstag von 11 bis 24 Uhr.

Termine (Auswahl) Eröffnungsfeier am Dienstag um 19 Uhr. Mittwoch, 1. Juni, 19.30 Uhr, Verleihung Designpreis und Erfinderpreis des oberfränkischen Handwerks. Sonntag, 5. Juni, 13 bis 16 Uhr, Workshop und Gründung der Cradle-to-Cradle Regionalgruppe Coburg.

Workshops Flakons gestalten, in Zusammenarbeit mit Heinz Glas. Mittwoch und Donnerstag,jeweils 14 bis 18 Uhr. Glasworkshop in der Glaserei Späth (Am Güterbahnhof 6). Freitag 14 bis 16 und 16.30 bis 18.30 Uhr; Samstag 13 bis 15 und 15.30 bis 17.30 Uhr. Für beide Workshops ist Anmeldung erforderlich unter unter workshops@c-d-o.de; Nini Amici (Holzspielzeug). Samstag 13 bis 19 Uhr, Sonntag, 12 bis 18 Uhr, individuelle Arbeitszeit etwa zwei Stunden; Kosten für Material: 20 Euro. Weitere Informationen und Termine unter www.coburger-designtage.de.


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