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Coburg
Interview

In Coburg die "Entführung" aus dem Serail entführen

Was kann Mozarts Singspiel "Die Entführung aus dem Serail" dem Publikum heute noch sagen? Für ihre Neuinszenierung in Coburg haben Magdolna Parditka und Alexandra Szemerédy eine überraschende Antwort parat. Premiere feiert die "Entführung" am 21. März am Landestheater.
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Magdolna Parditka und Alexandra Szemerédy (rechts) bringen Mozarts "Entführung" auf die Bühne des Landestheaters. Foto: Jochen Berger
Magdolna Parditka und Alexandra Szemerédy (rechts) bringen Mozarts "Entführung" auf die Bühne des Landestheaters. Foto: Jochen Berger
Das junge Regie- und Ausstattungs-Duo Magdolna Parditka und Alexandra Szemerédy gastiert zum dritten Mal am Landestheater. Was sie an Mozarts "Entführung" besonders reizt, verraten sie im Gespräch.

"Die Entführung aus dem Serail" ist Ihre dritte Mozart-Inszenierung. Welche Bedeutung hat Mozart für Sie?
Alexandra Szemerédy: Mozart ist mein Zuhause. Man kann ihn nicht toppen. Gerade bei der "Entführung" ist es erstaunlich, wieviel später Mozart schon in der Musik steckt - auch an Konflikten, an Ausdruck, an Farben. Das ist unglaublich.

Was ist die besondere Herausforderung bei der "Entführung"?
A.S.: Das Problem hier ist die Diskrepanz zwischen der Musik und dem Text. Das musikalische Niveau wird unserer Meinung nach vom Text oft nicht erreicht. Mozart selbst war teilweise auch sehr unzufrieden mit dem Text, wünschte sich einige Änderungen.
Magdolna Parditka: Einige Änderungen hat er dann auch selbst geschrieben.

Ist die Qualität des Textes heute ein ernsthaftes Problem?
A.S.: Auf jeden Fall - besonders, was die Dialoge angeht. Die Dialoge hören sich für uns einfach nicht mehr geschickt an. Mit heutigen Ohren klingt das oft viel zu umständlich, nicht auf den Punkt gebracht. Es gibt ein paar sehr tolle Stellen, die haben wir auch beibehalten, aber der Großteil ist problematisch.

Wie gehen Sie mit der Text-Problematik um?
M.P.: Wir haben eine neue Textfassung erstellt.
A.S.: Auf der Grundlage des "West-östlichen Diwans". Das verweben wir mit einigen Originaltexten. Ich habe mich schon früher mit dem West-östlichen Diwan" von Goethe beschäftigt. Als ich die Gedichte zum ersten Mal gelesen habe, habe ich schon die "Entführung" dazu gehört. Wir haben uns natürlich sehr lange damit beschäftigt. Es war erstaunlich, dass sich viele der Motive aus der "Entführung" auch darin finden - Trennung, Vereinigung, Verdoppelung, Verschmelzung. Goethes Texte und Mozarts Musik korrespondieren wunderbar.
M.P.: Es ist wirklich so, als hätten diese zwei Werke aufeinander gewartet. Wenn man diese Gedichte liest, findet man ständig Parallelen zur Entführung - das ist wirklich unglaublich.

Wie sieht Ihr Regiekonzept aus?
A.S.: Wir haben uns sehr mit der Frage beschäftigt, mit welchem Alter man so empfindet wie Konstanze und Belmonte. In welchem Alter man sagt: Ich sehe jemanden, mir klopft mein Herz, so ängstlich, so feurig. Diese Gefühle - das muss die erste Liebe sein. Wie alt sind Belmonte und Konstanze? 15, 16? Wie Mozart über Gefühle spricht, das muss etwas sehr Junges sein.

Was ist aus Ihrer Sicht das zentrale Thema der Entführung?
M.P.: Das Erwachsen-Werden. Trennung und einander wieder finden.
A.S.: Und das Spiel mit Freiheit und der Frage, wie man damit umgeht. Konstanze und Belmonte sagen: Wir fliehen, und gleichzeitig haben sie Angst, in ein eigenständiges Leben hinaus zu gehen. Man erkennt, wie viele Möglichkeiten man in diesem Alter plötzlich hat, und gleichzeitig ist das auch wahnsinnig erschreckend.
M.P.: Wenn wir die politische Ebene des Stücks sehen: Was ist Freiheit? Was ist wirklich Freiheit? Wir müssen nochmal zurück in unsere Kindheit gehen, nochmal diese Freiheit, diese Unbeschwertheit finden.
A.S.: Die Entführung war auch für Mozart eine Grenze. 1782 - das war das Jahr, in dem er sich von seinem Vater befreit, wo er Konstanze aus dem Heim der Mutter entführt, wo er nach Wien geht und wirklich freier Musiker wird.

Welche Szenerie haben Sie gesucht?
M.P.: Wir entführen die Entführung aus dem Serail.
A.S.: Uns war das Serail nicht als Serail wichtig. Wir haben uns gefragt: Wo ist man eingesperrt, in welchem Alter fühlt man sich von allem eingegrenzt und eingesperrt? Klavierstunden, die Eltern, der Besuch von Gästen, dann die Schule, das alles führt bei Teenagern zu Einengungsgefühlen.

Das heißt: Die "Entführung" spielt bei Ihnen in der Schule?
M.P.: Ja, wir haben versucht, einen Kontext zu finden, wo alle musikalischen Nummern weiterhin gültig sind. Wir nennen unsere Schule west-östliches Kollegium - eine Art Internat, wo sich Schüler aus ganz verschiedenen Nationen begegnen.

Was ruft die Erinnerung an die Schule bei Ihnen wach?
A.S.: Ich war damals im Kinderchor - das war sehr diszipliniert. Ich muss allerdings beichten, dass ich gerne in die Schule gegangen bin.
M.P.: In den ersten Jahren habe ich die Schule wirklich gern gehabt. Aber ab dem Alter von 13 Jahren habe ich die Schule als Gefängnis empfunden. Ich wollte dann immer ausbrechen, kam mit den Regeln überhaupt nicht zurecht.

Wie sehen Sie die Figur des Pedrillo?
A.S.: Für uns war nicht wichtig, dass er der Diener ist. Das ist wirklich der beste Freund von Belmonte, der Coole, der immer weiß, was zu tun ist. Belmonte ist dagegen ein wenig ratlos. Pedrillo ist derjenige, der so nahe am Leben wie nur möglich ist.

Haben Sie eine Lieblingsfigur in der "Entführung"?
A.S.: Konstanze ist auf jeden Fall eine interessante Figur. Aber im Grunde würde ich die vier Freunde Konstanze, Blondchen, Belmonte und Pedrillo als Lieblingsfiguren sehen.



Sie bringen Mozarts "Entführung" auf die Bühne des Landestheaters


Premieren-Tipp Mozart "Die Entführung aus dem Serail" - Samstag, 21. März, 19.30 Uhr, Landestheater Coburg

Produktions-Team Musikalische Leitung: Anna-Sophie Brüning
Inszenierung, Bühnenbild und Kostüme: Alexandra Szemerédy, Magdolna Parditka
Dramaturgie: Renate Liedtke
Choreinstudierung: Lorenzo Da Rio

Besetzung
Selim, Bassa Frederik Leberle
Konstanze Ana Cvetkovic-Stojnic
Blonde Anna Gütter
Belmonte José Manuel/David Zimmer*
Pedrillo Dirk Mestmacher
Osmin Michael Lion/Tapani Plathan*
Chor des Landestheaters Coburg
Philharmonisches Orchester Landestheater Coburg


Termine

Matinee
So, 15.03.2015 - 11.00 (Theater in der Reithalle)
Premiere
Sa, 21.03.2015 - 19.30
Mi, 25.03.2015 - 19.30
Do, 02.04.2015 - 19.30
Fr, 10.04.2015 - 19.30
So, 12.04.2015 - 18.00
So, 19.04.2015 - 18.00
Do, 23.04.2015 - 19.30
So, 17.05.2015 - 15.00
Fr, 22.05.2015 - 19.30
Di, 26.05.2015 - 19.30
Mi, 17.06.2015 - 19.30


Das Regieteam Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka verbindet seit dem Studium am Béla-Bartók-Konservatorium in Budapest eine enge künstlerische Zusammenarbeit. Unter anderem inszenierte das Team auf Einladung des Dirigenten Adam Fischer in Budapest 2006 Wagners "Parsifal". Mit "Madama Butterfly" stellten sie sich 2013 erstmals dem Coburger Publikum vor. Diese Produktion wurde für den Theaterpreis "Faust" nominiert. Im Juni 2014 brachten sie in Coburg Glucks "Orpheus und Eurydike" und die Kammeroper "Savitri" von Gustav Holst auf die Bühne.

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