Autenhausen
Bürgerversammlungen

In Autenhausen und Dietersdorf sorgt man sich um den Verbleib der Ärzte

Das Thema ärztliche Versorgung wurde in den Bürgerversammlungen in Autenhausen und Dietersdorf angesprochen und diskutiert.
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Die Zukunft der Dorflinde in Autenhausen, hier ein Archivbild, bleibt offen.  Foto: Bettina Knauth
Die Zukunft der Dorflinde in Autenhausen, hier ein Archivbild, bleibt offen. Foto: Bettina Knauth
Über den Fortgang der Bauarbeiten an der Kreisstraße im Ort informierte Bürgermeister Martin Mittag (CSU) am Mittwochabend die Bürger von Autenhausen bei der Bürgerversammlung im Pfarrzentrum. Derzeit werde im ersten Bauabschnitt der Kanal fertiggestellt, bis Ende des Jahres soll die Decke aufgetragen werden. 2017 wird dann der zweite Abschnitt mit Vollsperrung der Straße folgen. "Alles läuft nach Plan, wir haben prima Lösungen gefunden, und die Firma arbeitet gut", sagte Mittag.

Die Zukunft der Dorflinde bleibt offen. Sie sollte zunächst gefällt werden, dann hatten sich Bürger für ihren Erhalt starkgemacht. "Ortsbildend ist der Baum nicht", äußerte Mittag offen seine Meinung. Ulrich Hofmann entgegnete: "Das war er bis vor drei Jahren!" Sollte sich im Frühjahr herausstellen, dass die Linde zu retten ist, soll sie eine Gnadenfrist bekommen.
Eine Bürgerversammlung wird 2017 über die genaue Gestaltung des Abschnitts entscheiden. Auch der Platz um das Kriegerdenkmal soll schön gestaltet werden. Frank Leutheußer bestätigte, dass auch die Bürger die jetzt ins Auge gefasste Lösung für die bestmögliche halten.


Kosten machen zu schaffen

Für das Großprojekt "Autilus" würden gerade die Fördermöglichkeiten geprüft, zudem wurde ein Wasserwirt mit der Planung der Umgestaltung des Freibads in ein Naturschwimmbad beauftragt, informierte Mittag. "Wir haben angesichts der Kosten alle ein wenig geschluckt", gestand er. Alle geplanten Maßnahmen seien nicht zu schaffen, "auch nicht mit viel Eigenleistungen und einer Förderung im sechsstelligen Bereich", dämpfte der Bürgermeister die Erwartungen. Weiterhelfen könnten Mittel aus dem Eler-Programm (Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums). Auch diese Möglichkeit werde abgeklopft.

Probleme bereitet das in Autenhausen "praktisch nicht vorhandene" Handynetz. "Ich kann euch leider derzeit keinen besseren Empfang in Aussicht stellen", bedauerte Mittag. Für die Telekom sei der Ort angesichts seiner geringen Einwohnerzahl wirtschaftlich nicht interessant. Immerhin, darauf wies er hin, werde in der Freizeitanlage ein WLAN-Hotspot eingerichtet, der einzige im Stadtgebiet neben dem am Rathausvorplatz. Dort könne dann übers Internet auch telefoniert werden.

Damit die an der Haltestelle vor dem Backhaus wartenden Fahrschüler gegen Wind und Wetter geschützt sind, wurde dort vorübergehend eine Bude aufgebaut.

Hitzige Auseinandersetzungen gab es um das weitere Vorgehen in Sachen Arztpraxis in Gemünda. Mit Hinweis auf die voll eingerichteten und funktionsfähigen Räumlichkeiten forderte Leutheuser den Bürgermeister zum Kauf der Immobilie auf, um sie kostenfrei Interessenten zur Verfügung zu stellen. Dafür erntete er einigen Applaus von den rund 70 Anwesenden. Mittag widersprach seiner Rechnung, wie die Stadt an das notwendige Geld kommen könne, ebenso wie einer kostenlosen Vermietung, da sie der Subvention eines Geschäftsmannes entspräche.

Auch Leutheußers These, einem Arzt sei es egal, ob er in Gemünda oder Seßlach praktiziere, trat er entgegen: "Entweder gehen sie in die Kernstadt oder sie kommen nicht!" Diesen Eindruck habe er nach Gesprächen mit über 15 Ärzten gewonnen. Diese dächten auch nicht daran herzuziehen. Und ohne einen ernsthaften Interessenten in Aussicht zu haben, werde die Stadt nicht über einen Kauf nachdenken, machte Mittag deutlich. "Sonst gebe ich vielleicht 400 000 Euro aus und habe dann Probleme mit der Rechtsaufsicht."


Kommt Stadt vor den Ortsteilen?

Mit Fortschreiten der Diskussion musste sich Mittag immer wieder des Vorwurfs erwehren, er ziehe Seßlach den Ortsteilen vor. "Dass nicht genug für die Ortschaften gemacht wird, muss ich mir häufig anhören", hielt er dagegen, "aber ist es demokratisch, wenn ich in Gemünda investiere, aber nicht hier, in Heilgersdorf oder Hattersdorf?"

Alfons Keller wies darauf hin, dass es dereinst auch schwer sein werde, einen Nachfolger für die Dietersdorfer Arztpraxis zu finden. Der Bürgermeister betonte, er werde auch weiterhin gern Gemünda als Alternative ins Gespräch bringen. "Doch nicht jeder Lösungsvorschlag ist umsetzbar, nur weil man sich das so wünscht", sagte Mittag. Die Diskussion mündete in eine allgemeine Klage über die sinkende Attraktivität des ländlichen Raums, die Martina Leutheußer als "frustrierend" empfindet. "Alles wird weniger und immer geht es nur ums Geld", klagte sie. Mittag wünschte sich ebenfalls, dass viele Möglichkeiten in den Ortschaften erhalten blieben, plädierte aber dafür, "das Stadtgebiet insgesamt zu sehen".

Kindergartenkinder können weiterhin ohne Begleitperson mit dem Schulbus fahren und sind dabei auch versichert, teilte Mittag auf Nachfrage von Andreas Gsänger mit. Es bleibe jedoch ein "kleines Aber": Je nach Busroute seien die Kinder recht lang unterwegs.

Etliche Nachfragen und Kritik gab es zum Rufbus. Christof Vollkommer klagte: "Ältere Mitbürger kommen mit der Neuregelung nicht gut klar." Edwin Morgenroth und Klaus Hofmann monierten Straßenschäden am Berg zum Friedhof und im Weißen Weg. Würden diese zügig ausgebessert, könnten größere Maßnahmen verhindert werden, argumentierte Hofmann.


Bürgerversammlung in Dietersdorf

Erleichterung im Seßlacher Stadtgebiet: Bei der Bürgerversammlung in Dietersdorf konnte Bürgermeister Martin Mittag (CSU) am Montagabend verkünden, dass der Vertrag mit der Nachfolgerin für die Hausarztpraxis in der Altstadt am Nachmittag unterzeichnet wurde. Ab 7. Januar 2017 wird die bei Regiomed angestellte Ärztin dort praktizieren. Somit stehen mit dem in Dietersdorf ansässigen Dr. Radu Craciunean dann zwei Hausärzte im Stadtgebiet zur Verfügung. Dies sei als Übergangslösung zu werten, erläuterte Mittag: "Wir gewinnen ein wenig Zeit, aber auf lange Sicht brauchen wir mindestens drei Ärzte." Neben personeller Verstärkungen werden derzeit auch räumliche Alternativen gesucht. Er habe bereits mit Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) über Förderungsmöglichkeiten für die Erstellung eines Ärztehauses gesprochen, informierte der Bürgermeister die Anwesenden. Dr. Craciunean selbst bekräftigte seine Absicht, weiterhin in Dietersdorf tätig zu bleiben und trat so anderslautenden Gerüchten entgegen. Weiter bat der Hausarzt um Verständnis dafür, dass er nicht mehr Patienten aufnehmen könne, indem er die ihm ansonsten wegen der rigiden Vorgaben der KV entstehenden Nachteile erläuterte. "Mir stehen pauschal 37 Euro pro Patient zur Verfügung", schilderte Dr. Craciunean weiter.

"Wenn ich Patienten in Vertretung behandele, erhalte ich nur zwölf Euro." Den von der KV errechneten Patientenschnitt überschritten alle Landärzte, teilweise um das Doppelte. Der Mediziner: "Der Ärztemangel auf dem Land ist Fakt." Angesichts des großen Bedarfs schlug der praktische Arzt die Gründung einer Investorengruppe vor, um die inzwischen geschlossene Hauarztpraxis in Gemünda wiederzubeleben. Diese könne die Immobilie erwerben, in die dann mindestens ein Hausarzt und ein Facharzt einziehen könnten.


Schön, was aus dem "Haus der Bäuerin" Tolles geworden ist!

Als tolle Eigeninitiative lobte der Rathauschef die Wiederbelebung und Renovierung der Jugendräume im "Haus der Bäuerin": "Sie wurden wunderschön hergerichtet." Mittags Dank galt allen voran Manuel Brasch. Auch die Stadt profitiere von dem Engagement der Jugendlichen: Zum einen wüssten junge Menschen, wo sie sich aufhalten könnten, zum anderen werde das öffentliche Gebäude sinnvoll genutzt.

Der Bürgermeister teilte mit, dass derzeit alle Bauplätze in Dietersdorf vergeben sind. Beschlossen ist der Umzug der Diakoniestation Weitramsdorf-Seßlach in ein ehemaliges landwirtschaftliches Anwesen nahe dem "Haus der Bäuerin". Pläne, dort eine Demenz-WG einzurichten, hatten die Verantwortlichen aus finanziellen Gründen verworfen.

Ob denn nicht auch in Dietersdorf ein Urnenfeld, ähnlich denen in Heilgersdorf und Seßlach, errichtet werden könne, wollte Peter Rotter wissen. Nachdem Mittag darauf hingewiesen hatte, dass es dort - wie jetzt auch jetzt in Gemünda - "Kümmerer" gegeben habe, die sowohl Planung als auch Umsetzung vorangetrieben hätten, erklärte sich dazu in Dietersdorf Wolfgang Braasch bereit. Roland Fischer regte an, einen Spiegel an der schwer einzusehenden Kreuzung Hirtengasse/Dietersdorfer Straße anzubringen.

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