Coburg
Güterbahnhof

Idylle am Itz-Ufer - jetzt ganz legal

Dank des Hochschul-Fördervereins darf die Holzplattform, die Studenten am Itz-Ufer gebaut hatten, nun ganzjährig genutzt werden.
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Bürgermeisterin Birgit Weber geht mit CDO-Vorsitzendem Auwi Stübbe (vorn, Mitte) und Spender Gehard Lepper (Vierter von links) das Gutachten durch, das Ingenieur Peter Würl (Zweiter von links) erstellt hat. Stühle und Tische auf der Plattform sind übrigens festgeschraubt. Foto: Ulrike Nauer
Bürgermeisterin Birgit Weber geht mit CDO-Vorsitzendem Auwi Stübbe (vorn, Mitte) und Spender Gehard Lepper (Vierter von links) das Gutachten durch, das Ingenieur Peter Würl (Zweiter von links) erstellt hat. Stühle und Tische auf der Plattform sind übrigens festgeschraubt. Foto: Ulrike Nauer
"So viele Leute... hält uns das denn auch aus?" Die Sorge, dass die Plattform am Itz-Ufer dem Ansturm beim Pressetermin am Donnerstagmorgen vielleicht nicht gewachsen sein könnte, ist unbegründet. Die Statik passt und nun darf die Plattform auch ganz offiziell - und behördlich genehmigt - genutzt werden. "Wir haben doch jetzt ein Gutachten", freut sich Bau-Bürgermeisterin Birgit Weber und hält das Dossier hoch.
Die Nutzung der Plattform, die die studentische Arbeitsgemeinschaft "Wirgestalten" 2016 gebaut hatte, stand bis kurz vor der Eröffnung der Designtage noch auf der Kippe. Das Wasserwirtschaftsamt Kronach, das für den Itz-Abschnitt zuständig ist, hatte bei der Premiere im vergangenen Jahr noch ein Auge zugedrückt. Jetzt aber forderte die Behörde ein Gutachten als Beleg, dass die Plattform selbst bei einem Jahrhunderthochwasser nicht von den Fluten weggerissen werden kann.


Zusage kam aus China

Das Coburger Designforum Oberfranken (CDO) als Ausrichter der Designtage konnte die Kosten von rund 1500 Euro nicht aus eigener Tasche aufbringen. In letzter Minute erklärte sich dann doch noch ein Spender bereit, das Gutachten zu bezahlen. Der Nutzung der Holzterrasse - auch außerhalb der Designtage - stand somit nichts mehr im Wege.
Die Identität des Spenders hatte CDO-Vorsitzender Auwi Stübbe zunächst nicht verraten. Am Donnerstag wurde das Geheimnis gelüftet - natürlich vor Ort auf der Plattform. Gerhard Lepper, Vorsitzender des Hochschul-Fördervereins, war seinerzeit gerade auf Geschäftsreise in China, als er online aus den Coburger Medien von den Problemen um die Holzterrasse erfuhr. Lepper, selbst Coburger und ehemaliger Student der Hochschule, setzte sich mit seinen Vereinsmitgliedern in Verbindung und schließlich einigte man sich, die Kosten für das Gutachten zu übernehmen. "Ich fand das Projekt toll, und wir unterstützen Studenten und deren Projekte, wenn es keine anderen Fördertöpfe gibt", erklärt Lepper, im Gespräch mit dem Tageblatt. "Ein paar Tausend Euro können wir dafür pro Jahr schon ausgeben."
Die Erstellung des Gutachtens hatte das Ingenieurbüro Peter Würl aus Weitramsdorf übernommen. Sein Büro bearbeite "zu 100 Prozent" Hochwasserprojekte, berichtet Peter Würl. Der gebürtige Coburger kennt sich nicht nur bestens in seiner Heimat aus, er hat mit seiner Firma hier auch schon diverse große Hochwasserprojekte betreut, unter anderem an der Lauter und am Rottenbach.
Auf Basis der Daten, die das Wasserwirtschaftsamt zur Verfügung stellte, schuf sein Team am PC ein zweidimensionales Modell der Plattform und ließ virtuell ein Jahrhunderthochwasser darüber laufen. Das Ergebnis: "Die Plattform ist so gebaut, dass sie zwar überflutet, aber nicht weggespült wird", sagt Würl. Bei kleineren Hochwasserereignissen bleibt die Itz sogar unter dem Niveau der Terrasse. Da sie allerdings aus unbehandeltem Holz besteht und der Uferbereich auch im Sommer feucht ist, sollte man die Konstruktion regelmäßig auf morsche Stellen kontrollieren, rät der Hochwasserexperte.
Laut Statiker kann die Holzplattform 200 Kilo pro Quadratmeter tragen. Bei 24 Quadratmetern Fläche passen also eine Menge Besucher drauf. Die Möbel sind übrigens hochwassersicher festgeschraubt.
"Die Studierenden können sich jetzt hier ganz legal entfalten", freute sich Auwi Stübbe. Und auch die kommunikativen Möglichkeiten der Plattform seien nicht zu unterschätzen: "Hier kann man abends in trauter Runde zusammensitzen - ohne die Nachbarn zu belästigen."


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