Coburg
Innenstadt

Idee für Coburg: Erste Stunde kostenlos parken?

Die IHK sowie CSU/JC und Pro Coburg finden das vorliegende Parkraumkonzept so schlecht, dass sie es am liebsten komplett neu erstellt haben wollen.
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Auf den Schranken der Coburger Parkhäuser steht ein Willkommensgruß - mehr als nur eine symbolische Geste könnte sich die IHK an den Kassenautomaten vorstellen. Foto: Jochen Berger
Auf den Schranken der Coburger Parkhäuser steht ein Willkommensgruß - mehr als nur eine symbolische Geste könnte sich die IHK an den Kassenautomaten vorstellen. Foto: Jochen Berger
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Drei Männer, eine Meinung: Das von Verkehrsplanern erstellte Parkraumkonzept ist "nicht akzeptabel". "Wir überlegen, den Antrag zu stellen, dass das Konzept zurückgenommen und komplett neu erstellt wird", sagte Jürgen Oehm im Namen der CSU/JC-Fraktion, die mit zwölf Sitzen immerhin die stärkste politische Kraft im Stadtrat ist. "Denn es müssen ja nicht nur Nuancen überarbeitet werden", so Oehm, "sondern sehr große Teile." Dem konnten bei einem gemeinsamen Pressegespräch am Dienstag Friedrich Herdan (IHK) und Jürgen Heeb (Wählergemeinschaft Pro Coburg) nur zustimmen.


"Autos sind Kaufbringer"

Dass mit dem Parkraumkonzept ein "Systemwechsel" hin zu weniger Individualverkehr beabsichtigt sei, ist für Oehm "ideologisch geprägt". Eine Innenstadt lebe nun mal vom Handel, und der müsse für Autos gut erreichbar sein. Das Konzept aber sei "einzelhandelsfeindlich".

In die gleiche Kerbe schlug Friedrich Herdan. Der Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Coburg (IHK), der auch Stadtratsmitglied der CSU/JC-Fraktion ist, bezeichnete den Autoverkehr als "Kaufbringer für den Einzelhandel". Deshalb brauche es sogar noch mehr Kurzzeitparkplätze als heute - und nicht weniger, wie es in dem Konzept vorgesehen ist.


Zusätzliche "Brötchentasten"

"Die Innenstadt wird den Wettbewerb gegen die grüne Wiese verlieren, wenn wir ihr nicht helfen", prophezeite Herdan und nannte ein paar mögliche Beispiele für eine solche Hilfe. So könnte generell in allen vier städtischen Parkhäusern die erste Stunde kostenfrei sein; im öffentlichen Raum hält es Herdan für denkbar, für die ersten 15 bis 30 Minuten nichts zu verlangen ("Brötchentaste"). Auch ein Park-and-Ride-Service wäre wichtig, um es Menschen aus dem Umland leichter zu machen, in die Coburger Innenstadt zu gelangen. "Auf jeden Fall sollten wir dem Handel nicht noch weitere Knüppel zwischen die Beine werfen, denn der Handel hat es zurzeit schon schwer genug", sagte der IHK-Präsident auch mit Blick auf die Online-Konkurrenz.

Um so mehr zeigte sich Friedrich Herdan entsetzt über die Aussage eines Mitarbeiter des Coburger Bauamts: "Der meinte zu mir: Wir kämpfen dafür, dass die Leute raus aus dem Auto und rauf aufs Fahrrad steigen." Für Herdan ist das "Wahnsinn" und "eine Katastrophe".


Kritik an der Stadtspitze

Der IHK-Präsident betonte ausdrücklich, dass es sich bei diesem Baumamtsmitarbeiter nicht um die Zweite Bürgermeisterin Birgit Weber (CSU) gehandelt habe. Aber er machte sehr wohl deutlich, dass er in Sachen Parkraum mit der derzeitigen Arbeit der Stadtspitze nicht zufrieden ist. Denn dass ein Konzept mit solchen Lösungsansätzen überhaupt erstellt wurde, sei "ein verheerendes Signal". Herdan wörtlich: "Das hätte der Stadtverwaltung nicht passieren dürfen."

Jürgen Oehm versuchte, Baubürgermeisterin Birgit Weber in Schutz zu nehmen. Den letzten Stadtratsworkshop zum Parkraumkonzept habe schließlich Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) geleitet - inklusive einer "teuren Moderatorin irgendwo aus Nordrhein-Westfalen". Deshalb steht für Oehm fest: "Das Konzept fällt zwar in den Zuständigkeitsbereich von Birgit Weber, aber der OB kommt aus der Nummer nicht mehr raus."


Einig waren sich Oehm, Herdan und Heeb, dass die noch freien Kapazitäten in allen vier städtischen Parkhäusern vor allem für Anwohnerparkplätze genutzt werden sollten. Gleichzeitig sollte aber noch eine neue Anlage erstellt werden - und zwar unter dem Schlossplatz.


"In Wolle gefärbte Grüne"

Und noch etwas musste Herdan loswerden. Besagter Workshop sei eine "Veranstaltung von in Wolle gefärbten grünen Parteipolitikern" gewesen. Mit dem Ergebnis, dass im Konzept die Elektromobilität stark gefördert wird. Für Herdan völlig unverständlich. "Wir dürfen uns nicht dem Diktat einer scharf argumentierenden Minderheit unterwerfen", warnte er. "Ja, wir brauchen andere Antriebssysteme. Aber die Elektrotechnik kann nur eine Übergangstechnologie sein. Beim Elektroauto beginnt die Umweltverschmutzung schon an der Steckdose."

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