Coburg
Testfahrten

ICE-Strecke bei Coburg im Test: Brückentheorie und -praxis

Mit extra schweren Zügen misst die Bahn, ob die Brücken auf der Neubaustrecke auch die Belastungen aushalten, für die sie gebaut wurden.
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Die zwei Belastungszüge am Mittwoch auf der Itztalbrücke bei Rödental. Sie ist 869 Meter lang und maximal 30 Meter hoch. Es handelt sich um eine Stahlbetonverbundkonstruktion mit unten liegenden Stahlfachwerkträgern. Foto: Michael Resch
Die zwei Belastungszüge am Mittwoch auf der Itztalbrücke bei Rödental. Sie ist 869 Meter lang und maximal 30 Meter hoch. Es handelt sich um eine Stahlbetonverbundkonstruktion mit unten liegenden Stahlfachwerkträgern. Foto: Michael Resch
Die Messzüge sind nicht das erste Mal auf der Strecke. Im September 2016 testeten sie die Flutmulden- und die Mainbrücke bei Ebensfeld. Nun ist die 2005 fertiggestellte Itztalbrücke zwischen Dörfles-Esbach und Rödental an der Reihe. Die etwa 130 Meter langen Belastungszüge bestehen aus je zwei Lokomotiven BR 232 und sieben mit Schotter beladenen Waggons FAS 126 mit je 85 Tonnen Masse. Rund 1000 Tonnen Gewicht bringt jeder dieser Züge auf die Gleise.


"Wir vergleichen die Theorie mit der Praxis", sagt Frank Kniestedt, der als Bahnsprecher für alle Fragen rund um das Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8 zuständig ist, den Aus- und Neubau der Bahnstrecke zwischen Halle/Leipzig und Nürnberg. Die Itztalbrücke stand immerhin schon rund zehn Jahre "so da", bis die ersten Züge darauf rollten. Nun wird geprüft, ob sie den Belastungen standhalten kann, die auf sie zukommen: ICE-Züge, die mit bis zu 280 Stundenkilometern zwischen Erfurt und Bamberg dahinrasen.


Die Messzüge stellen für die Brücke die weitaus größere Belastung dar als später die ICE, sagt Kniestedt. Güterzüge, die die Neubaustrecke nutzen, würden weitaus langsamer fahren. Wie viele Güterzüge die 107 Kilometer lange Trasse eines Tages nutzen werden, lässt sich nach Auskunft der Bahnsprecher schwer abschätzen. In Deutschland gibt es rund 300 Güterverkehrsunternehmen, aber nicht alle verfügen über die Loks, die für die Strecke zugelassen werden, da es dort keine herkömmliche Signaltechnik geben wird. Die Zahl der Züge wird auch davon abhängen, was die Nutzung der Strecke kostet.

Aber der Faktor "Neubaustrecke" soll ab 2018 Trassenpreis-System keine Rolle mehr spielen, wie eine Sprecherin der DB Netz AG bestätigt: "Künftig wird nicht mehr die Ausstattung der Strecke maßgeblich für den Preis sein, sondern der jeweilige Verkehr, der die Strecke nutzt. Der Güterverkehr zahlt also generell Güterverkehrspreise, ganz egal davon, welche Strecke er nutzt. Man kann also nicht sagen, das Neubaustrecken generell günstiger würden, aber man kann sagen, dass es keinen Unterschied mehr für den Güterverkehr macht, ob er eine neue oder eine ältere Strecke nutzt."


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