200 Arbeiter, Anwohner und Ehrengäste wohnten der traditionellen Feier bei. Erich Merkle wurde eine besondere Ehre zuteil: Mit einem Blumenstrauß für Tunnelpatin Barbara Stamm stieg er durch den frisch geöffneten Durchbruch des Rennberg-Tunnels und vollzog damit den symbolischen Akt. Wieder ist ein Tunnel an der ICE-Neubaustrecke zwischen Ebensfeld und Erfurt fertig. "Heute wird nur noch gefeiert", sagte der aus der Nähe von Schwäbisch Gmünd stammende Merkle. Die Ehre, den offiziellen Tunneldurchschlag zuerst zu durchschreiten, ermöglichte Merkle sein Job. Der 27-jährige Bauingenieur ist Bauleiter im Vortrieb und hat in den vergangenen neun Monaten mit an der 1073 Meter langen Röhre zwischen Coburg und Grub am Forst gearbeitet.

"Gute Arbeit", sagte Olaf Drescher (Projektleiter für die ICE-Strecke zwischen Nürnberg und Erfurt), haben Merkle und seine Kollegen unter Tage im Coburger Land geleistet. Denn der 25 Millionen Euro teure Tunnel "Rennberg" gehört zwar nicht zu den längsten, wohl aber zu den schwierigsten Baustellen entlang der künftigen ICE-Hochgeschwindigkeitsstrecke. "Dieser Berg war nicht der einfachste", erklärte Drescher. Das Gelände sei schwierig, weil es aus relativ altem Gestein besteht. Das heißt: Es ist brüchig und sandig, weshalb man einen "hohen Sicherungsaufwand" (Drescher) für eine stabile Tunnelröhre betreiben muss. Dennoch waren die Arbeiter bei den beiden Tunnel "Feuerfelsen" und "Rennberg" schneller als geplant. Weil sie mit 230 Vortriebstagen ausgekommen sind, konnte die Durchschlagsfeier um gut vier Wochen nach vorne verlegt werden.


Acht auf bayerischem Gebiet



Das freut Leute wie Klaus-Dieter Josel, den bayerischen Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn. "Wir sind hier in Rekordzeit fertig geworden", sagte Josel bei der offiziellen Durchschlagsfeier stolz vor rund 200 Gästen. Alleine schon deshalb gehört für Josel der Tunnel durch den 351 Meter hohen Rennberg zu den "herausragenden Ingenieurbauwerken der Neubaustrecke". 25 Tunnel sind es, die zwischen Erfurt und Ebensfeld derzeit gebaut werden, acht davon stehen auf bayerischem Grund. Fast alle sind zumindest im Rohbau fertig, nur bei zwei Röhren im Landkreis Coburg ist der Durchschlagspunkt noch nicht erreicht.

Werden die Verantwortlichen der Bahn auf den Zeitplan für die Neubaustrecke zwischen Erfurt und Ebensfeld angesprochen, versprühen sie Optimismus pur. "Wir liegen voll im Zeitplan", erklärte Klaus-Dieter Josel, der fest damit rechnet, dass mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2017 der ICE-Verkehr von München über Nürnberg und Erfurt nach Berlin aufgenommen wird. Schon einige Zeit vorher muss die Strecke fertig sein, damit ein Probebetrieb möglich ist. "Wir werden die erforderlichen Termine mit Sicherheit erreichen", bestätigte deshalb auch Olaf Drescher. Er geht davon aus, dass Mitte des Jahres 2016 der Neubauabschnitt fertiggestellt sein wird.


Noch viel zu tun bis Jahresende



Und der Ausbauabschnitt, zwischen Nürnberg und Zapfendorf? Da wird es schon spannender. Klaus-Dieter Josel gab sich auf diese Frage zurückhaltend. Freilich, gerne würde er sagen, dass die letzte Lücke bald geschlossen wird. Aber das kann der Konzernbeauftragte derzeit noch nicht. Er zuckte mit den Schultern und informierte: "Wir sind in intensiven Gesprächen mit dem Bund, um eine vernünftige Lösung zu finden." Was im Klartext heißt: Gebaut wird erst, wenn in Berlin die nötigen Mittel freigegeben werden. Und das wird so schnell nicht der Fall sein.

Mit der Durchschlagsfeier ist auf einer Tunnelbaustelle übrigens noch nicht aller Tage Abend. "Wir haben im Moment erst rund 65 Prozent unserer Arbeit erledigt", erklärte Albrecht Gunzenhauser, der bei der Firma Marti als Projektleiter für den Abschnitt im Coburger Osten zuständig ist. Jetzt geht es schließlich erst an den Innenausbau. Alleine dafür werden noch einmal rund 60.000 Kubikmeter Beton verbaut. Da wird dann auch Erich Merkle wieder gebraucht. Der Schwabe rechnet damit, dass er noch bis zum Ende des Jahres unter Tage im Rennberg tätig sein wird.

Einen weiteren Bericht über die ICE-Neubaustrecke finden Sie im Coburger Tageblatt, Ausgabe vom 19. April.