Coburg
Konzert

Hubert von Goisern in Coburg: Krachender Blues mit Jodler

Vor rund 4500 Fans präsentiert Hubert von Goisern auf dem Coburger Schlossplatz sein neues Album "Federn" und hatte auch ein paar seiner alten Hits im Gepäck.
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Für sein neues Album "Federn", verknüpfte Hubert von Goisern (links) Blues, Country, Cajun und Hillbilly mit der Musik seiner oberösterreichischen Heimat.  Foto: Matthias Hoch
Für sein neues Album "Federn", verknüpfte Hubert von Goisern (links) Blues, Country, Cajun und Hillbilly mit der Musik seiner oberösterreichischen Heimat. Foto: Matthias Hoch
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Das war ja klar: Bei "Brenna tuats guat" springt das Publikum auf. Vergessen ist der Nieselregen, der noch zu Beginn des Konzerts niederging. Vergessen auch die Bitte der Band, die Smartphones steckenzulassen. Beim Nummer-Eins-Hit der österreichischen Charts aus dem Jahr 2012 gibt es kein Halten mehr. Es ist der letzte Titel des offiziellen Programms, da kommt's auch nicht mehr so drauf an. Es folgt noch eine lockere Reihe von Zugaben - alles Titel der vergangenen Jahre und zum Mitsingen geeignet. Weit interessanter aber ist, was Hubert von Goisern (eigentlich heißt er ja Achleitner und stammt aus Goisern) und seine Band davor präsentieren: die Titel der neuen CD "Federn". Sie ist das musikalische Mitbringsel einer Tour durch die Südstaaten der USA.
Nashville/Tennessee, Louisiana, New Orleans - der Musiker war dorthin gegangen, "wo es wehtut" und fand alle seine Vorurteile bestätigt, wie er sagt. Aber er entdeckte auch, dass sich Blues, Country, Cajun und Hillbilly wunderbar mit der Musik seiner oberösterreichischen Heimat verknüpfen lassen. Und es entstand etwas sehr Reizvolles - etwa gejodelter Blues. Nun hat HvG, wie er auch gern genannt wird, die Musik seiner Heimat noch nie auf romantisierende almdudlerische Weise interpretiert, sondern war von Anfang an der Alpenrocker. Und hatten seine frühen Titel auch eher Hütten-Gaudi-Charakter, waren sie doch nie schmalzig und heimatverduselt. "I tua ma hart mit dera Lederhosen-Musi" singt HvG selbst in seinem Titel "Stoansteirisch". Doch nun das.
Mit "Alle 100 Jahr" gibt die Band zu Beginn des Konzerts schon einmal vor, was von ihr zu erwarten ist. Das rockt schon ordentlich. Wuchtig und laut wird es bei "Snowdown", eine Hymne auf den Whistleblower Edward Snowden. Hier zeigt Hubert von Goisern, wo sein Herz schlägt. Mit Liedzeilen wie "De Wahrheit de suacht um Asyl, aber kriag'n tuat si's nia, weil ma z'feig san dafür? Oder was oder wia ...?".
Ganz unbekümmert geht Hubert von Goisern mit den Traditionals um, die er aus den USA mitgebracht hat. Er nimmt sie, wie sie sind, arrangiert sie etwas um und macht einen eigenen Text drauf. So wird aus Hank Williams' "Jambalaya" eben mal "Es ist wahr" oder aus "Amazing Grace" die Balade "So a Segen". Um es authentisch klingen zu lassen, hat sich der Bandchef Robert Bernstein aus den USA mit ins Boot geholt. Er spielt Pedal-Steel- und Hawaii-Gitarre. Neben Severin Trogbacher (Gitarre), Helmut Schartlmüller (Bass) und Alexander Pohn (Schlagzeug) gehört er zu der grandiosen Band, die am Donnerstag den Schlossplatz rockt.
Hubert von Goisern selbst erweist sich als Multi-Instrumentalist, spielt nicht nur seine Ziehharmonika, sondern ebenso gut Gitarre, E-Piano, Mundharmonika und Alphorn. Auch wenn es zwischendrin mal still wird, der Blues seine dunkle Seite über den Platz legt - für Hubert von Goisern hat er auch immer eine blaue Seite, die der Hoffnung. Und der will er "in die Augen schaun".
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