Coburg
Grenzwerte

Hohlmeier: Die Coburger Bratwurst ist gerettet

Der Streit um die traditionelle Zubereitung auf Kiefernzapfen kann mit Hilfe der Europäischen Kommission beigelegt werden - das versprach die Europaabgeordnete Monika Hohlmeier (CSU) bei einem Besuch in Coburg.
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Die Europaabgeordnete Monika Hohlmeier und der Landtagsabgeordnete Jürgen W. Heike haben sich auf dem im Aufbau befindlichen Weihnachtsmarkt eine Coburger Bratwurst bestellt. Hans Brettschneider überreicht sie ihnen lachend. Foto: Helke Renner
Die Europaabgeordnete Monika Hohlmeier und der Landtagsabgeordnete Jürgen W. Heike haben sich auf dem im Aufbau befindlichen Weihnachtsmarkt eine Coburger Bratwurst bestellt. Hans Brettschneider überreicht sie ihnen lachend. Foto: Helke Renner
"Nur wer jeden Tag elf Bratwürste isst, die völlig schwarz sind, schädigt seine Gesundheit", sagt Monika Hohlmeier. Ansonsten seien die Grenzwerte bei der traditionell gebratenen Bratwurst so niedrig, dass man sie vernachlässigen könnte, ergänzt sie. Nun ist es ausgerechnet die Europäische Kommission, mit deren Hilfe die Rettung kommt. Dabei waren es die von ihr für Grillwürste vorgegebenen Grenzwerte für polycyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) oder Benzo[a]pyren - beides entsteht, wenn Fett vom Grillgut in die Flamme gelangt -, die überhaupt erst zum Debakel um die Bratwurst geführt hatten. Zur Erinnerung: Im Auftrag des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit waren bei den Coburger Bratwurstbratern Proben genommen und laut EU-Vorgabe erhöhte Werte festgestellt worden. Daraufhin hatte die Stadt die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.
"Ich habe mich mit den Kollegen aus anderen europäischen Ländern in Verbindung gesetzt. Dort werden ebenfalls geräucherte Fleisch- und Wurstwaren gegessen. Und über Rauch gegarte Würste sind ja auch irgendwie geräuchert", stellt Monika Hohlmeier fest.

Geänderte Verordnung

Schließlich stieß sie auf eine "Änderung der Verordnung in Bezug auf die Höchstwerte an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) in Fleisch, Fleischerzeugnissen, Fisch und Fischerzeugnissen, die traditionell geräuchert werden" aus dem Jahr 2006. Auf dieser Grundlage dürfen Länder wie Irland, Spanien, Kroatien, Zypern, Polen, Schweden, Großbritannien und andere gestatten, dass traditionell auf ihrem Hoheitsgebiet geräucherte und für den Verzehr in diesem Bereich vorgesehene Fleischerzeugnisse höhere Gehalte an PAK haben. Auf die Coburger Bratwurst trifft das zu - genau wie auf die Nürnberger oder die Thüringer. Der Rest ist leicht gemacht. "Deutschland muss nur einen Antrag stellen, in diese Gruppe von Ländern aufgenommen zu werden." Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) habe zugesagt, einen solchen Antrag zu stellen. Und was passiert bis dahin? "Eine entsprechende Durchführungsverordnung gilt seit September. Darauf können sich die Aufsichtsbehörden berufen", erläutert der CSU-Landtagsabgeordnete Jürgen W. Heike.

Sachgerecht braten

E rleichterung beim Obermeister der Fleischerinnung, Ralf Luther. Er weist aber auch darauf hin, dass für die Brater weiterhin das Minimierungsgebot gilt. "Es muss sachgerecht gebraten werden, und es dürfen keine großen Mengen vorgebraten werden", sagt er. Und er wünscht sich, dass zukünftig Proben mit Maß und Ziel genommen werden. "Die Beurteilung einer Probe ist nicht aussagekräftig."
Nirgendwo sei nach dem Einschalten der Staatsanwaltschaft so viel Aufwand um die Überprüfung der Bratwürste getrieben worden wie in Coburg. "Um die 100 Proben wurden untersucht." Derzeit laufen noch immer Ermittlungsverfahren gegen Coburger Brater. Was wird daraus? "Wenn nicht vorsätzlich falsch gebraten wurde, dann werden sie vermutlich eingestellt", gibt sich Jürgen W. Heike zuversichtlich.
Joachim Grosch, Sprecher der Coburger Marktleute, ist die Erleichterung anzusehen. "Die Bratwurstbrater waren sehr verunsichert. Seit 500 Jahren wird bei uns auf traditionelle Weise gebraten und plötzlich soll das strafbewehrt sein", sagt er. "Wir schaffen jetzt eine gemeinsame Grillkultur. Das ist ein tolles Weihnachtsgeschenk."

Demonstratives Bratwurstessen

Zum Beweis, dass alle von der guten Qualität der Coburger Bratwürste überzeugt sind, lassen sich Monika Hohlmeier, Jürgen W. Heike, Ralf Luther und Joachim Grosch auf dem im Aufbau befindlichen Weihnachtsmarkt eine Bratwurst schmecken. Auch die Zweite Bürgermeisterin Birgit Weber (CSU) gesellt sich dazu. Sie versichert, dass auch die Stadtspitze nichts auf den Weg bringen werde, was sich im Zusammenhang mit der Coburger Bratwurst als kontraproduktiv erweisen würde.


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