Glend
Modellflug

High-Tech-Helikopter kreisten am Coburger Himmel

Zum 2. Drehflüglertreffen hatte der Modellflugclub Coburg hatte nach Glend eingeladen. Bei dieser Veranstaltung durfte alles in die Lüfte steigen, was sich dreht und maximal 25 Kilogramm auf die Waage brachte.
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Marc Bräuner mit seiner "Logo 700"Foto: Wolfgang Desombre
Marc Bräuner mit seiner "Logo 700"Foto: Wolfgang Desombre
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Vor einem Jahr hatte auf dem Fluggelände des Modellflugclub Coburg in Glend das 1. Drehflüglertreffen für alle Fluggeräte mit einem Rotor stattgefunden. Zu sehen waren Hubschrauber, Multicopter oder Gyrocopter. Das Spektakel löste den legendären Helifantencup 180+ ab.

Und auch bei der Neuauflage am Wochenende waren alle Modelle mit einem Rotor willkommen, egal ob Scale-Hubschrauber, 3-D-Maschinen, Multicopter für verschiedenste Einsätze oder auch Experimentalmodelle, so Vorsitzender Frank Metterle.


Auch einmal ein Blick von oben


Die Zuschauer erhielten einen interessanten Einblick in die faszinierende Welt der Drehflügler. Wie Metterle betonte, würden die Piloten das einzigartige Fluggelände in exponierter Lage mit einer fast 200 Meter langen Hangkante sehr schätzen.
"Hier kann ich mein Modell im Flug auch einmal von oben beobachten", so der Vorsitzende.

Im Gegensatz zum Flächenflugzeug brauchen Drehflügler wenig Platz zum Starten und Landen und können senkrecht in die Luft gehen. Die Fluggeräte müssen über alle Achsen gesteuert werden, der Pilot muss also ständig steuern und ausgleichen. Es gebe Jahre, in denen die Hubschrauberpiloten die Mehrheit im Verein darstellen, manchmal seien aber auch die Flächflugzeugpiloten in der Überzahl, erläuterte Metterle.


Viel Lehrgeld bezahlt


Mit 18 Jahren hat Michael Schwesinger mit dem Modellfliegen begonnen. Der heute 50-jährige Stukateurmeister kennt die Entwicklung von der Anfangszeit mit nur wenig Elektronik und viel Mechanik über einen langen Zeitraum hinweg. Heute könnten die Nachwuchspiloten mittels Computersimulation lernen, ein Flugzeug zu steuern, sagte er. Er habe damals auf Feldern das Fliegen gelernt und viel Lehrgeld bezahlen müssen, erzählte Michael Schwesinger.

Den Rumpf seines Drehflüglers hat er selbst geformt und viel Zeit und Material investiert. Ein Modellpilot müsse löten, lackieren und kleben können und vor allem ein Interesse für die Technik mitbringen, sagte Schwesinger. Er selbst habe bereits als Kind gerne getüftelt und sich für die technischen Dinge interessiert. "Auf Fertigflugzeuge verlasse ich mich nicht."

Seit fast 40 Jahren hat sich Bruno Ziegler dem Modellflugsport verschrieben und beherrscht das Steuern von Flächenflugzeugen und Drehflüglern wie kein anderer. Er wollte eigentlich nur Hubschrauber fliegen, aber im Verein musste er auch den Umgang Flugzeugen erlernen. Es fasziniere ihn, so Bruno Ziegler, Modelle zum Fliegen zu bringen, die wie die Originalmaschinen aufgebaut seien. Die "Bell 429", mit der er zum Drehflüglertreffen nach Glend gekommen war, hat einen Wert von gut 20,000 Euro.


Sogar Loopings sind möglich


Mit der 24 Kilogramm schweren "Bell" mit Turbinenantrieb seien sogar Loopings möglich, erklärte Ziegler. Drei Liter Cerosin fasse der Tankinhalt. Keine Frage, die Maschine war schon ein Blickfang. Elegant schwebte die "Bell" auch bei einer Windgeschwindigkeit von 30 bis 40 Stundenkilometern dahin. Ziegler hat es verstanden, seinen Drehflügler den Besuchern mit einem einzigartigen Fingerspitzengefühl zu präsentieren, was mit reichlich Beifall belohnt wurde.

Marco Bräuer aus Ebersdorf bei Coburg fliegt in letzter Zeit nur noch Helikopter und ließ für das Drehflüglertreffen seinen "Logo 700" abheben. Mit einem Rotordurchmesser von exakt 163 Zentimetern und dem Elektromotor ist die Maschine auch für den Kunstflug geeignet. Die "Logo 700" sei für den 3D-Kunstflug ausgelegt, mit ihr fliege er auch bei Wettbewerben, berichtete der Student für Elektrotechnik. Ihn reize die Technik. Beim "Tailslide" ließ der Pilot die Maschine senkrecht nach unten fallen und zog sie dann knapp über dem Boden wieder nach oben. Beim "Piroflip" ließ er den Heli über alle Achsen gleichzeitig rotieren.


Marke Eigenbau


In Eigenbau hat Frank Schelhorn den Rahmen des Copters mit Glasfaser verstärkt und mit einer Multi-Wii-Steuerung ausgerüstet. Loopings und Rollen seien mit dem Copter möglich. Das Steuern sei vergleichbar mit dem eines Hubschraubers und deshalb nicht so einfach. Vom Motorsegler über den Segler und Hubschrauber sei er zum Copter gekommen und dem Modellflugsport schon seit 46 Jahren treu verbunden, erzählte Schelhorn. Das 900 Gramm leichte Profifluggerät ist mit Leuchtdioden versehen, die eine gute Orientierung ermöglichen. Der Multi-Wii-Copter fliegt nach allen vier Seiten, nur ein Überkopfflug ist nicht möglich, da Propeller nach unten blasen.

Hubschrauberfliegen sei gut für die Rechts-Links Koordination im Kopf, erklärte der erfahrene Modellflugpilot Peter Leicht. Beim Steuern müsse man mit der linken Hand etwas anderes machen als mit der rechten Hand. Der Drehflügler müsse immer gesteuert werden, um vor allem bei Wind gerade Linien hinzubekommen. Es mache ihm auch viel Spaß, Hubschrauber zusammenzubauen, alles zu verdrahten und zu installieren, um dann die Maschine einzustellen und einzufliegen, sagte Leicht. Der Herzschlag sei dann schon etwas erhöht, wenn es an den Start gehe. "Fliegt er oder fliegt er nicht?", das sei letztendlich die Frage.

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