Coburg
Mordprozess

Heimtücke, Habgier, Raubmord

Die Staatsanwaltschaft sieht eine besondere Schwere der Schuld und fordert lebenslänglich für die beiden Hauptangeklagten Paul K. und Peter G.
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Maria S. (Mitte) wird Anstiftung zum Raub mit Todesfolge vorgeworfen. Sie hätte den Tod von Wolfgang R. leichtfertig in Kauf genommen. Foto: nel
Maria S. (Mitte) wird Anstiftung zum Raub mit Todesfolge vorgeworfen. Sie hätte den Tod von Wolfgang R. leichtfertig in Kauf genommen. Foto: nel
"Es war Mord - ein klassischer Raubmord!" Für Oberstaatsanwalt Martin Dippold steht das jedenfalls fest. Wolfgang R. sei heimtückisch und aus Habgier in der Nacht zum 12. Dezember 2013 brutal umgebracht worden. Mindestens elf Tritte gegen den Kopf und zwei im Halsbereich führten dazu, dass er binnen kürzester Zeit an seinem Blut erstickte.
Regungslos folgten die vier Angeklagten den Ausführungen des Oberstaatsanwalts im großen Sitzungssaal des Landgerichts. Selbst bei seinen Forderungen nach einem wesentlich höheren Strafmaß zeigten sie keinerlei Emotionen: Lebenslänglich für die beiden Hauptangeklagten Peter G. und Paul K. und die Anerkennung einer besonderen Schwere der Schuld sowie 13,5 Jahre für die Auftraggeber Maria und Helmut S..


Massive Gewaltanwendung

120 Zeugenaussagen, 13 Sachverständigenvernehmungen und 31 Verhandlungstage allein in der zweiten
Hauptverhandlung brachten viele Details ans Tageslicht. Aus vagen Vermutungen wurden Fakten, undurchsichtige Behauptungen konnten widerlegt werden. So konnte beispielsweise mittels eines 3D-Scans von der linken Gesichtshälfte von Wolfgang R. eine Hautverfärbung in Form eines "N" festgestellt werden, das zum Turnschuh der Marke New Balance passt. Außerdem wurden am Turnschuh von Paul K., Marke New Balance, DNA-Spuren von Wolfgang R. sichergestellt. "Da muss es schon zu massiven Tritten gekommen sein", stellte Dippold fest. Denn die Schuhe waren nach der Tat gleich in die Waschmaschine gesteckt worden.
Fest steht, dass alle vier Angeklagten in schwierigen finanziellen Verhältnissen lebten. Sie waren auf das Geld von Wolfgang R. angewiesen.


Aufs Geld angewiesen

Der ehemalige Musiker am Landestheater hatte sich in Maria S. verliebt und wollte sie aus dem Prostituiertenmilieu herausholen. Deshalb kaufte er ihr die Bar "Clou" in der Ketschengasse und unterstützte sie monatlich mit 1000 Euro.
Das konnte er sich leisten, da er im Kanonenweg ein Bordell mit mehreren Zimmern betrieb. Als dort die Geschäfte allerdings nicht mehr so gut liefen und Maria S. sich von Wolfgang R. trennen wollte, drehte er den Geldhahn zu.
Maria und Helmut S. wollten dem 66-Jährigen daraufhin eine Abreibung verpassen lassen, damit Maria S. - so war es im Pachtvertrag geregelt - die Geschäfte im Kanonenweg übernehmen konnte. Arme und Beine sollten ihm gebrochen werden. Und weil man wusste, dass der Stammgast und das "Bad Seven"-Mitglied Peter G. "über die nötigen Techniken verfügte", beauftragte man ihn damit. Dessen Freund Paul K. wollte ihm dabei helfen.
Es sollte alles nach einem Raubüberfall aussehen, deshalb wählte man einen Mittwoch als Tattag aus. Denn da war Zahltag im Bordell. Paul K. und Peter G. wird deshalb Mord in Tateinheit mit Raub vorgeworfen. "Auch, wenn die beiden das Haus mit einem Körperverletzungsvorsatz betreten haben, mündete dieser doch in einen klaren Tötungsvorsatz", meinte Dippold. Die Täter mussten bei solch massiven Tritten und Schlägen damit rechnen, dass das Opfer stirbt. Während Wolfgang R. mit seinem Leben rang, entwendeten die Männer die Tageseinnahmen aus dem Geldbeutel.
Bei Maria S. und Helmut S. sah der Oberstaatsanwalt die Anstiftung zum Raub mit Todesfolge als erwiesen an. Ihr Handeln sei nahe am Mord. Beide hätten damit rechnen können, dass Wolfgang R. den Überfall nicht überlebt. Sie hätten seinen Tod leichtfertig in Kauf genommen.


Provokanter Satz als Anstoß

Den entscheidenden Anstoß zur Tat sieht Dippold tatsächlich in dem provokanten Satz von Helmuth S.: "Wenn ihr keine Eier in der Hose habt, dann ruf ich halt die Hells Angels." Paul K. und Peter G waren nach eigenen Angaben in ihrer Ehre gekränkt und entschlossen sich zur Tat.
Die Vertreterin der Nebenklage, Rechtsanwältin Elke Zipperer, stimmte im Wesentlichen der Darstellung der Staatsanwaltschaft zu, forderte allerdings für alle vier Angeklagten eine lebenslängliche Freiheitsstrafe wegen gemeinschaftlichen Mordes in einem besonders schweren Fall.

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