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Coburg
Experiment

Handy-Verzicht: Coburger Schüler jubeln

Handy gut, alles gut! Während die Schüler am Montag doch sehr erleichtert waren über das Ende der "Funkstille", bedauert es die Schulleiterin, jetzt wieder ständig erreichbar zu sein. Das nächste Gemeinschaftserlebnis gibt's am Samstag.
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Der herbeigesehnte Augenblick: Thomas Apfel verteilt in der Klasse 8b die eine Woche zuvor eingesammelten Handys. Fotos: Oliver Schmidt
Der herbeigesehnte Augenblick: Thomas Apfel verteilt in der Klasse 8b die eine Woche zuvor eingesammelten Handys. Fotos: Oliver Schmidt
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"6.45 Uhr - noch vermisse ich mein Handy nicht. Meine Schwester hat mich heute geweckt."

"Das nervt! Meine Mutter blockiert die ganze Zeit das Festnetz - und ich kann nicht telefonieren."

"Mittags ist es ohne Handy nicht so schlimm, denn es gibt ja Ablenkung: Fernsehen, Hausaufgaben machen, mit Freunden quatschen."

(aus den Tagebüchern der Schüler der Klasse 8b)

Aus, vorbei und überstanden! Das Experiment "Eine Woche ohne Handy" ist am Montag zu Ende gegangen. Thomas Apfel von Radio Eins war es vorbehalten, den Schülern der Klasse 8b der Realschule CO   I ihre zum Teil schmerzlich vermissten Mobiltelefone wieder zurückzugeben. "Ich bin stolz auf Euch", sagte Schulleiterin Susanne Carl - doch möglicherweise haben das viele der Mädchen und Jungs gar nicht gehört. Schließlich mussten (und durften!) sie ihre Handys sofort einschalten, um nachzuschauen, was da alles so an Nachrichten und Anrufen seit dem vergangenen Montag aufgelaufen ist.

Den Vogel schoss Ben ab: 471 neue Mitteilungen! Bei Susanne Carl hingegen piepste gar nichts auf: null! Die Schulleiterin nahm's mit Humor und bedauerte augenzwinkernd nur etwas ganz anderes: "Eigentlich schade, wieder ständig erreichbar zu sein... jetzt habe ich keine Ausreden mehr!"

Dass die Schüler tapfer durchgehalten haben, findet Susanne Carl ebenso toll wie die Klassenlehrerin der 8b, Ulrike Wentker. Gerne hat Ulrike Wentker auch bereits in den Tagebüchern geschmökert, die von den Mädchen und Jungs mit kurzen Erfahrungsberichten zur Projektwoche gestaltet wurden. Zudem schwärmt die Klassenlehrerin von dem "Gemeinschaftserlebnis", das nicht zuletzt auch den Zusammenhalt gestärkt habe.

Das Fazit der meisten Schüler fällt freilich nicht ganz so euphorisch aus: "Ich habe mein Handy total vermisst", sagt zum Beispiel Lea und gibt ganz offen zu: "Ich habe schon gemerkt, wie abhängig ich bin." Aber: Grundlegend etwas an ihrem Nutzungsverhalten ändern könne und wolle sie nicht.

Susanne Carl wiederum hofft, dass die Mädchen und Jungs zumindest die eine oder andere Lehre aus dem Projekt ziehen. "Ein direktes Ohr und der Blick in zwei Augen machen das Leben doch reicher als eine SMS!"

Neue Telefonier-Erfahrung

Interessant in diesem Zusammenhang auch folgender Tagebuch-Eintrag eines Schülers: "Ich habe gemerkt, dass Telefonieren viel persönlicher ist!" Dazu muss man wissen, dass die meisten Jugendlichen ihre Handys heutzutage weniger zum Telefonieren benutzen als vielmehr zum Surfen und Chatten im Internet sowie zum Verschicken von Kurznachrichten. Sprich: Geredet wird relativ wenig. Doch ohne Handy oder Smartphone mussten viele in der vergangenen Woche eben aufs gute alte Festnetz umsteigen.

Nicht nur reden, sondern sogar richtig kräftig schreien und hoffentlich auch jubeln können die Schüler der Klasse 8b übrigens am kommenden Samstag: Denn als kleine Überraschung gab's für die Schüler gestern Freikarten für das nächste Heimspiel des HSC 2000 Coburg gegen Münden.

HINTERGRUND

Das Projekt Eine Woche lang haben die Mädchen und Jungs der Klasse 8b der Realschule Coburg I auf ihre Handys verzichtet. Überwiegend handelte es sich dabei aber nicht um klassische Mobiltelefone, sondern um Smartphones. Mit diesen können die Schüler nicht nur telefonieren, sondern vor allem auch im Internet surfen und chatten sowie Kurznachrichten (SMS, WhatsApp) verschicken.

Die Partner Begleitet wurde das Experiment vom Tageblatt und von Radio Eins. Die Schüler gaben Interviews; einige waren live zu Gast in der Morgensendung "Hellwach". Dort gibt's am Dienstag (26. Februar) auch den Abschlussbericht - gegen 7.30 Uhr.

Der Unterricht Die Schüler schrieben ihre Erfahrungen auch nieder; dies wird im Rahmen des Deutsch-Unterrichts bewertet und ersetzt eine Stegreifaufgabe.

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