Dörfles-Esbach
Halloween

Halloween und Familie: Von einem fränkischen Gruselhaus bis zu echter Angst

Familie Türcke feiert Halloween im Gruselhaus in Dörfles-Esbach. Auch die Raabs aus Burgebrach und die Jürgens aus Bamberg berichten, wie sie dazu stehen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Als Mitarbeiterin der Jugendpflege Dörfles-Esbach bereitet Angelina Latzel die Halloweenfeier mit vor. Fotos: Ronald Rinklef
Als Mitarbeiterin der Jugendpflege Dörfles-Esbach bereitet Angelina Latzel die Halloweenfeier mit vor. Fotos: Ronald Rinklef
+13 Bilder
Hinter der Tür zum Jugendtreff Zap in Dörfles-Esbach bei Coburg haben sich ein paar Jugendliche versteckt. Als der Fotograf und die Reporterin hereinkommen, springen sie aus der Hocke nach oben, rufen "Buh!" - und kichern minutenlang über ihren Scherz. Erschrecken gehört zu Halloween dazu. Nur ein bisschen, so dass alle zusammen darüber lachen können.
Dass bei Halloween-Scherzen die Grenzen zu Vandalismus und Kriminalität manchmal überschritten werden, ist einer der Gründe, warum Familie Raab aus Burgebrach im Kreis Bamberg kein Halloween feiert. "Es handelt sich hierbei eigentlich um einen irisch-amerikanischen Brauch, der sich nun bei uns immer mehr ausbreitet", sagt Ute Raab. "Dass dabei dann oft auch Sachen beschädigt werden, finden wir nicht gut und unterstützen dies daher nicht." Wichtiger für die katholische Familie ist Allerheiligen.


Fratzenschnitzen

Für Ricarda Jürgens aus Bamberg spielen die christlichen Feiertage keine Rolle - sie ist aus der Kirche ausgetreten. "Halloween fand ich am Anfang auch blöd." Aber sie will am Wochenende noch einen Kürbis kaufen und mit ihrem Sohn Lian eine Fratze hineinschnitzen. Über den Jungen fand auch die Mutter ein bisschen einen Zugang zum Gruselfest: "Es geht darum, gemeinsam etwas zu machen." Mama Ricarda ist am Montag bei einer Freundin zu einer kleinen Halloween-Party eingeladen. Lian wird mit einem Freund losziehen und auch bei ihm übernachten. "Dieses Jahr hat er Angst, einem Horrorc lown zu begegnen", sagt Ricarda Jürgens. Das Thema beschäftigt die Kinder - auch, weil es so viele Gerüchte darüber gibt, wo angeblich ein solcher Clown gesehen wurde. In der Realität gab es in Franken nur vereinzelte Vorfälle.


Horror und Familie

"Horrorclowns!" Sandra Türcke schnaubt entnervt. Auch in Dörfles-Esbach bei Coburg ängstigen sich die Kinder - besonders seit im Nachbarort Rödental am Mittwoch tatsächlich ein als Horrorclown verkleideter Mann zwei Jugendliche attackiert hat. Die Mutter ärgert das maßlos. In ihrem Heimatort ist Halloween ein schönes Familienfest.


Ehrenamtlich gegen den Grusel-Kommerz

Vor zehn Jahren entstand hier aus der ehrenamtlichen Initiative "Eltern für Eltern" die Idee, Halloween am Kasernenplatz zu feiern. "Es sollte eine Aktion sein, die sich etwas vom kommerziell ausgerichteten Halloween abhebt und die Bewohner in Kontakt bringt", erklärt Torsten Dohnalek. Der Sozialpädagoge gehört zu denjenigen, die die Veranstaltung mit ins Leben gerufen haben. Essen und Getränke werden von den Anwohnern gestiftet. Wer etwas konsumiert, spendet freiwillig ein bisschen Geld. "Wer viel geben kann, darf dies gerne tun, wer über wenig finanzielle Mittel verfügt, soll sich satt essen ohne dafür Geld zu geben", sagt Dohnalek. Ein paar Hundert Euro kommen auf diese Weise jedes Jahr der Jugendpflege oder der Gemeindebücherei zugute.


"Abgerissene Finger" als Vorspeise

Der Jugendtreff wird an Halloween zur Versorgungsstation, in der es schon auch mal "abgerissene Finger" zu Futtern gibt: Durchgebrochene Wiener mit Ketchup und einem Mandelblättchen als Fingernagel. "Die Leute sind da sehr kreativ!" Gemeindejugendpfleger Matthias Maur lacht. Persönlich sei er ein Faschings- und Halloweenmuffel, aber es mache Spaß, zu sehen, wie die Kinder zusammen etwas tun. Bei Maur geht"s am Montag schon früh mit einer Kürbisschnitzaktion im Ferienprogramm los. Die Veranstaltung auf dem Kasernengelände startet erst um 17. 30 Uhr. Es muss ja schon ein wenig dunkel sein, damit"s auch ein wenig gruselig ist.


Kunstblut und echte Angst

Unter den riesigen Bäumen im Hof treffen sich dann die Erwachsenen zu Glühwein und Chili con Carne. Die Kinder backen Stockbrot überm Lagerfeuer. Das gefällt Hannah Türcke - so richtig Gruseln mag sich die Neunjährige noch nicht. Ein leerstehendes ehemaliges Kasernengebäude wird in Dörfles-Esbach zu Halloween zum schaurig-schön dekorierten Spukhaus gestaltet. Künstliche Spinnweben, Kunstblut, hier und da hängt etwas von der Decke - solche Dinge.


Keine Angst vorm Gruselkeller

Im ersten Stock liest Elke Bauer von der Gemeindebücherei im Hexenkostüm Gruselgeschichten. Das ist was für Hannah. In den Keller will sie nicht - darf sie auch nicht, denn dort können Jugendliche ab zwölf Jahren in kleinen Gruppen das fürchten lernen. Vergangenes Jahr mussten sie Gruselaufgaben lösen, um ein Rezept für die Gruselmixtur (aus Fruchtsäften) zu erhalten. "Ich finde wichtig, dass Kinder lernen, mit Angst umzugehen", sagt Angelina Latzel von der Jugendpflege. Sie, Gemeindejugendpfleger Maur und unzählige ehrenamtliche Helfer aus dem Kreis der Anwohner bereiten die Veranstaltung vor. Aber was im Keller passieren wird, welche Gruselspiele heuer anstehen, das wissen sie nicht. Das ist geheim. Organisator Torsten Dohnalek ist auch Dozent an der Hochschule Coburg; den Keller gestalten Studenten aus dem Bereich Soziale Arbeit. "Sie bereiten wahrlich schauerliche Geschichten und Aktionen vor."
Die Veranstaltung hat Kult-Charakter. "Da ist immer für jeden was dabei" , sagt Mama Sandra Türcke. "Es ist ein großes Familienfest." Und für Kinder und Jugendliche gibt es eine ganze Menge Möglichkeiten, sich auf altersgemäße Weise zu gruseln.


Altersgemäß Gruseln

Ob Horrorclown oder nur Halloween-Grusel - Jörg Wolstein, Professur für Pathopsychologie an der Universität Bamberg sagt, dass Eltern Ängste grundsätzlich ernst nehmen sollen. Also nicht sagen: "Da passiert nichts, da brauchst Du keine Angst zu haben." Stattdessen sollte man das Kind fragen, was es meint, wie es am besten auf die Angst reagieren könnte. "Da kommen oft sehr originelle Lösungen heraus. Angst ist ein normales Phänomen. Und auch lebenswichtig!" Angst gehört zum Leben und Kinder möchten sich auch mal gruseln. "Sie erproben sich dabei."

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren