Coburg
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HSC Coburg geht auf dem Zahnfleisch

Herbe Niederlage im Abstiegskampf. Kirveliavicius und Lilienfelds früh angeschlagen. Lemgo nutzte mit seinem breiten Kader die Schwächen des HSC.
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In der Pressekonferenz wurde viel über das "Vier-Punkte-Spiel" zwischen dem HSC 2000 Coburg und dem TBV Lemgo gesprochen, aber für die Coburger war es eher ein "Vier-Spieler-Ausfall-Spiel". Das war auch einer der Hauptgründe, warum es für die Mannschaft von Jan Gorr am Ende nicht gereicht hatte und man eine verdiente 25:29-Niederlage kassierte. Musste man -immer noch- Tom Wetzel und Stefan Lex ersetzen, traf es den HSC erneut hart. Bereits nach drei Minuten musste Romas Kirveliavicius vom Feld. Nach einem Schlag auf den Arm konnte er diesen nicht mehr strecken und spielte nach der Pause phasenweise dennoch, allerdings dick bandagiert. Nach 20 Minuten war dann die Partie für Girts Lilienfelds vorbei. Nach einem Pferdekuss auf den Oberschenkel konnte er nicht mehr auftreten, Coburg ab da also ohne etatmäßigen Linkshänder im rechten Rückraum. "Da sind uns natürlich die Alternativen abhandengekommen und wir haben nicht mehr die Lösungen gefunden, die wir gebraucht hätten, um Lemgo zu schlagen", resümierte ein merkbar konsternierter Coach Jan Gorr, der fast flehend hinterherschickte: "Irgendwann muss das doch mal ein Ende haben." Coburg hielt die Partie trotzdem bis zur 50. Minute offen, musste dann aber dem taktischen Geschick von Lemgo den Vortritt lassen. TBV-Trainer Florian Kehrmann: "Wir haben den breiten Kader genutzt, sind am Ende einfach frischer gewesen."

Sehr lange spielte der HSC seine ersten Angriffe aus, fand keine Lücke in der Abwehr des TBV, die nach dem 1:0 mit drei schnellen Vorstößen davonzog. Sehenswert der Spielzug vor dem Siebenmetertreffer zum 2:3 durch Nico Büdel, für den es bei der Spielervorstellung vereinzelte Pfiffe gab. Nachdem der Ball schnell durchgelaufen war bediente Adnan Harmandic einen fast überraschten Markus Hagelin am Kreis mit einem Rückhandanspiel, dessen Abwehrspieler dann aber im Kreis stand. Aber in der Deckung kassierte die Mannschaft von Jan Gorr weiter viel zu einfache Gegentreffer. Wäre Jan Kulhanek nicht gewesen, dann hätte der HSC bereits nach 12 Minuten mit vier Toren in Rückstand gelegen. Vorne ging der Ball durch einen technischen Fehler verloren. Obwohl eigentlich genügend Zeit für eine konzentrierte Rückwärtsbewegung gewesen wäre, tauchte Patrick Zieker frei vor Jan Kulhanek auf, der diesen Wurf parierte.

Das war so etwas wie der Startschuss für einen Zwischenspurt der Coburger. Die waren nun schneller am eigenen Kreis und vorne wurde viel druckvoller agiert. Daraus resultierte der 7:7-Ausgleich und mit etwas weniger Pech wäre vielleicht sogar eine HSC-Führung möglich gewesen. Erst fand ein eigentlich schon eroberter Ball irgendwie noch den Weg zu Tim Hornke, im nächsten TBV-Angriff landete der Wurf von Donat Bartok abgefälscht im Coburger Tor. Doch die hatten sich jetzt besser festgebissen, die Abwehr war aufmerksamer und kam zu Balleroberungen. So gelang Philipp Barsties zum 10:11 auch ein sogenanntes "Empty-Net-Goal", da Lemgo nach einer Zeitstrafe gegen Tim Suton seinen Torwart vom Feld genommen hatte.

Anschließend sah sich Jan Kulhanek Aug-in-Aug Patrick Zieker gegenüber. Der lief nach einem Ballverlust im HSC-Angriff, den man aufgrund des Festhaltens von Markus Hagelin am Kreis auch zurückpfeifen hätte können, einen Konter, sprang weit in den Kreis und Kulhanek fast in die Arme, der sich den Ball fischte. Im Gegenzug gelang die erste Coburger Führung seit der Anfangsphase, die bis zum Pausenpfiff aber nicht verteidigt werden konnte.

Nach dem Wechsel kehrte Kirveliavicius den linken Arm dick bandagiert aufs Spielfeld zurück und erlebte einen Lauf seiner Mannschaft mit. Mit viel Übersicht setzten sich die Coburger auf zwei Tore ab, einen Drei-Tore-Vorsprung verhinderte die Latte. Nicht nur das, dieser "Alu-Treffer" führte zum direkten Gegenzugtor. Als im nächsten Angriff der Coburger nach einem vermeintlichen Foul an Florian Billek der Pfiff ausblieb, liefen die Gäste den nächsten Konter zum Ausgleich. Es war spätestens jetzt ein echter Abstiegsfight, in dem das spielerisch bei weitem nicht zu kurz kam. Nachdem die Tore im zweiten Durchgang zunächst wie reife Früchte fielen, blieb die Partie nach dem 19:19 über vier Minuten ohne Tore bis Lemgo in Unterzahl auf 19:20 erhöhte, so etwas wie der Knackpunkt in dieser Partie.

Lemgo hatte nun erkannt, dass über die zentrale Position durch die HSC-Abwehr kaum ein Durchkommen war und verlegte das Spiel neben den vielen erfolgreichen Kontern auf die Außenpositionen. Das lösten sie auch geschickt und fortan lief der HSC einem Rückstand hinterher, auch bedingt durch zu viele eigene Fehler, die natürlich auch den ungewohnten Aufstellungen durch die Verletzungen geschuldet waren. Auf die dadurch entstehenden Ballverluste brauchte Lemgo zwischen der 48. und 54. Minute nur zu warten. Mit einer Auszeit versuchte Jan Gorr das Ruder noch einmal herumzureißen - vergeblich. Die Mannschaft schien nun nicht mehr, wie sonst über weite Strecken der Partie, an sich zu glauben, zwei weitere Aluminiumtreffer taten ihr Übriges und zweieinhalb Minuten vor dem Abpfiff skandierten die mitgereisten TBV-Fans: Auswärtssieg. Lemgo hat mit dem dritten Auswärtssieg in Folge im Abstiegskampf einen wichtigen Schritt nach vorne gemacht, während Coburg auf der Stelle tritt und deren Verletztenmisere fast schon groteske Züge annimmt.


STIMMEN
HSC-Trainer Jan Gorr: "Eigentlich wollten wir den restlichen Teams auf die Pelle rücken nun bin ich ziemlich enttäuscht. Wir haben in der Schlussphase keine Lösungen gefunden um das Ruder herumzureißen, hatten durch die Ausfälle auch zu wenig, das wir dagegen setzen konnten. Lemgo hat ausgenutzt, dass wir berechenbar waren."

HSC-Geschäftsführer Steffen Ramer: "Das war natürlich ein Tiefschlag im Abstiegskampf. Zudem ist unsere Verletztenmisere auch in dieser Partie weitergegangen. Nach der Zwei-Tore-Führung wollte das dritte einfach nicht fallen, aber wir haben uns trotzdem noch nicht abgeschrieben."

TBV-Trainer Florian Kehrmann: "Wir wussten, dass wir mit einer guten Leistung gewinnen werden und die haben wir gezeigt. Die Abwehr war auf die Coburgers ehr gut vorbereitet. Nach unserer Schwächephase nach der Pause, wo wir ein bisschen überdreht haben, wussten wir auch, dass wir uns selbst schlagen würden, wenn wir Coburg weiter Konter erlauben. Das haben wir schnell abgestellt und unseren breiten Kader zum Umschwung genutzt."

TBV-Geschäftsführung Jörg Zereike: "Anspannung und Druck waren selbstverständlich groß. Aber wir sind in jeder Phase der Partie ruhig geblieben, auch nach dem Rückstand zu Beginn der zweiten Halbzeit."
HSC-Vorstandssprecher Stefan Apfel: "Der Rest der Aufrechten hat sich wacker geschlagen, aber es ist natürlich eine Riesenenttäuschung für uns. Am Ende haben wir auch nicht gut gespielt, was einfach daran lag, dass uns die Alternativen ausgegangen sind. Da haben Leute auf Positionen gespielt, wo sie noch nie gespielt haben. "


STATISTIK
HSC 2000 Coburg - TBV Lemgo 25:29 (13:14)
HSC 2000 Coburg: Jan Kulhanek (29 Gegentore, 16 Paraden), Oliver Krechel (n.e.); Philipp Barsties (2), Markus Hagelin (3), Lukas Wucherpfennig, Dominic Kelm (1), Sebastian Weber, Steffen Coßbau, Florian Billek (9), Till Riehn, Nico Büdel (5/1), Adnan Harmandic (2), Girts Lilienfelds (1), Romas Kirveliavicius (2). Trainer: Jan Gorr.
TBV Lemgo: Mark van den Beucken (n.e.), Jonas Maier (25 Gegentore, 12 Paraden); Anton Mansson (1), Andrej Kogut (5), Christoph Theuerkauf (3), Tim Hornke (5/1), Jonathan Stenbäcken (2), Rolf Hermann (6), Tim Suton (1), Donat Bartok (2), Azat Valiullin, Christian Klimek (1), Patrick Zieker (3). Trainer: Florian Kehrmann.
SR: Lars Geipel / Marcus Helbig - Spielaufsicht: Berndt Dugall
Spielfilm: 1:0 (3.), 1:3 (6.), 4:6 (11.), 7:7 (16.), 8:10 (20.), 11:12 (26.), 13:12 (28.), 13:14 (HZ), 16:14 (33.), 18:16 (35.), 19:19 (41.), 20:20 (46.), 20:22 (48.), 21:23 (50.), 22:25 (53.), 23:25 (54.), 23:27 (56.), 25:29.
Zuschauer: 3.076 in der HUK Coburg arena
Strafminuten: 2 (Coßbau) - 6 (Suton, Hermann, Klimek)
Siebenmeter: 1/1 - 1/1
Beste Spieler: Billek, Barsties - Hermann, Hornke.

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