Großheirath
Präsentation

Großheirath hat seine Geschichte jetzt in Buchform

328 Seiten stark ist die jetzt neu erschienene Chronik der Gemeinde Großheirath (Landkreis Coburg). Treibende Kraft bei der Verwirklichung des Projektes war Gemeindekämmerer Helmut Schöttner, der viel Freizeit in die Chronik investierte.
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Helmut Schöttner mit der Großheirather Chronik.
Helmut Schöttner mit der Großheirather Chronik.
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96 Euro und einen Punkt in Flensburg hat Bürgermeister Udo Siegel (CSU) die Gemeindechronik gekostet. Zusammen mit Kämmerer Helmut Schöttner, dem Fotografen Ludwig Schmidt und dem Archäologen Dr. Matthias Sopp war Siegel, so erzählt er bei der Vorstellung des Buches in der Großheirather Schule, zum Archäologischen Museum Forchheim unterwegs. Im Auto ging es um den Plan, eine umfassende Großheirather Chronik zu erstellen. Im Museum entstanden die Fotos zu Sopps Artikel "Die ersten Bauern" über frühe Ansiedlungen in der Großheirather/Zilgendorfer Flur. "Wir haben uns so intensiv über Langhäuser und Bandkeramik unterhalten, dass der Bürgermeister auf der Autobahn vergaß, einen angemessenen Abstand zum Vordermann zu halten", erzählt Helmut Schöttner, der die Idee zur Chronik hatte.

Seit der Selbständigkeit der Gemeinde im Jahr 1990 hält Schöttner das gemeindliche Geschehen fest und sammelt Unterlagen zur Heimatgeschichte. Vor zehn Jahren kam eine historische Bildersammlung dazu. Auch das Gemeindearchiv ist reichhaltig bestückt. "Es hatte sich so viel Material angesammelt, dass ich auf die Idee kam, daraus ein Buch zu machen", sagt Schöttner.

Die konkrete Umsetzung begann vor zwei Jahren. Dabei holte sich die Gemeinde Ratschläge von Fachmännern: Horst Gehringer, der ehemalige Leiter des Staatsachives in Coburg, riet, sich nach guten Fotografen umzusehen. "Ludwig Schmidt war ein Glücksfall", erzählt Schöttner, der fast seine gesamte Freizeit für die Chronik geopfert hat. Siegel erzählt von den aufwändigen Vorbereitungen: "Im Coburger Naturkundemuseum waren wir stundenlang zu Gange, in Forchheim drei Personen mit Tüchern in der Hand nur mit der Beschattung beschäftigt, während Schmidt seine Bilder machte." Die seien teilweise unter sehr miserablen Bedingungen entstanden. "Viele Objekte waren unter dickem Acrylglas platziert." Hobbyfotograf Schmidt aus Rossach erzählt: "Viele Fotos habe ich auch bei den Gemeinderäten zusammen gesucht."

Schmidts beeindruckendes Bild eines Schäfers auf den Itzwiesen, das den Rückumschlag des Buches ziert, ist noch in der vordigitalen Zeit entstanden. Zusammen mit seinem Sohn Thilo, der für die Bildbearbeitung verantwortlich zeichnete und dem Buch den Feinschliff verpasste, hat Schmidt das Foto farblich passend zum Einband gestaltet.

"Alleine konnte ich diese Aufgabe nicht schultern", sagt Schöttner. Über 30 Autoren, darunter viele Gemeindebürger wie Architekt und Bauforscher Reiner Wessels und der ehemalige Lehrer Gerd Ackermann arbeiteten an dem 328 Seiten starken Buch mit. Zahlreiche Fachleute wie Museumswissenschaftler Hubertus Habel und Bezirksheimatpfleger Günter Dippold verfassten Beiträge. Dabei ließen sie auch die Nationalsozialistische Vergangenheit nicht aus. Auf 17 Seiten wird das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte auch in Großheirath beleuchtet.

Mitautor Rolf Metzner kam per Zufall über seine Frau Iris, viele Jahre Rektorin der Grundschule, mit ins Boot. Sie schrieb einen Beitrag über die Schule. "Ich befasse mich seit meinem Ruhestand vor drei Jahren im Coburger Magazin-Forum, einem Internetforum, intensiv mit Geschichte", erzählt der ehemalige Diplom-Psychologe.
Mit dem Untersiemauer Gerd Bieler erforschte er die Ursprünge einer Radarstellung namens "Stachelschwein" zwischen Neuses und Watzendorf und befragte zahlreiche Zeitzeugen. Bis kurz vor Ende des zweiten Weltkrieges war die Stellung noch in Betrieb. "Beim ältesten Interviewpartner, der 94 Jahre alt ist und aus Großheirath stammt, steht die Bedieneinheit noch im Garten. Er hat eine Schreinereiwerkstatt daraus gemacht." Klar, dass diese Geschichte unbedingt mit in die Chronik musste.

Ulrike Gunsenheimer hat als SPD-Gemeinderätin ohnehin ein Freiexemplar. Soeben hat sie sich eine zweite Chronik gekauft. Sie lobt die "Glanzleistung" des Kämmeres. Das zweite Buch bekam übrigens Gunseheimers Vater - zum 81. Geburtstag, als "schönes Geschenk".

Der Vorrat schrumpft

Die Gesamtkosten beliefen sich auf 30.000 Euro. Alleine konnte die Gemeinde die Finanzierung nicht stemmen: Sponsoren wie die Oberfranken- und die Niederfüllbacher Stiftung halfen bei der Finanzierung. Die Auflage liegt bei 570 Stück. "210 Chroniken sind bereits vergriffen", sagt Schöttner. Hörst man die Worte von Udo Siegel könnte die Chronik nicht alles gewesen sein: "Wir haben genug Material, um ein zweites Buch zu schreiben."

Hintergrund: Die Chronik

Das Buch Die Chronik mit dem Titel "Gemeinde Großheirath - aus Vergangenheit und Gegenwart" umfasst auf 328 Seiten die Kapitel Geologie und Natur, Gemeindegrenzen und Hoheitszeichen, Zeittafeln, Frühgeschichte, Mittelalter und Neuzeit, Zeit- und Baugeschichte, Gärten, Themenwanderwege, Sagen und Brauchtum, Einrichtungen sowie Menschen und Persönlichkeiten. Erhältlich ist es in der Gemeindeverwaltung und ab sofort auch in der der Buchhandlung Riemann in Coburg. Es kostet 29,80 Euro.


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