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LKR Coburg
Kommentar

Groß-Demo gegen Stromtrasse: Alle waren da - nur die Coburger nicht

Rund 4000 Teilnehmer verzeichnete die Groß-Demo am Sonntag gegen die geplante weitere Stromtrasse. Komisch, dass die Stadt Coburg keinen offiziellen Vertreter geschickt hatte. Warum nur?
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Vereint im Protest: die Bürgermeister der Landkreise Coburg und Lichtenfels. Nur die Stadt Coburg war nicht mit einem offiziellen Vertreter dabei.Foto: Berthold Köhler
Vereint im Protest: die Bürgermeister der Landkreise Coburg und Lichtenfels. Nur die Stadt Coburg war nicht mit einem offiziellen Vertreter dabei.Foto: Berthold Köhler
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Respekt vor den Menschen im Coburger Land! Sie haben am Sonntag in Rödental "denen da oben" - also dem Bund, dem Land, der Bundesnetzagentur - gezeigt, dass sie nicht gewillt sind, ihre Heimat zur Energie-Transitstrecke verkommen zu lassen.


Respekt vor den beteiligten Bürgermeistern, die mit ihrem Engagement die Demo und damit ein starkes Signal möglich gemacht haben. Klar, in gewisser Weise ist das auch ihr Job. Aber sie, die ja auch nur um ihre einzelnen Gemeinden denken könnten, haben das gesamte Coburger Land aufgeweckt. Ob das Signal von der Demo gehört wird, wird freilich erst der fortgeschriebene Netzentwicklungsplan zeigen.


Aber wie immer, wenn die Sonne scheint: dann gibt es auch Schatten. Die Stadt Coburg, das hat die Nachfrage bei den Organisatoren ergeben, war mit keinem offiziellen Vertreten bei der Großdemonstration zugegen. Das ist, da braucht man gar nicht nach einer vorsichtigen Umschreibung suchen, einfach schwach.

Natürlich könnte (oder wird) man jetzt im Coburger Rathaus eifrig nach Möglichkeiten zur Rechtfertigung suchen. Terminüberschneidungen, persönliche Verpflichtungen oder was auch immer... Am Ende wird bleiben, dass aus Coburg niemand da war! Und das geht an einem Tag, an dem die Region Geschlossenheit im Kampf gegen ein umstrittenes Infrastrukturprojekt vermitteln muss, gar nicht.


Wobei: Dass niemand aus Coburg da war, stimmt ja gar nicht. Denn nicht wenige der 4000 Demonstranten kamen ja aus der Stadt Coburg, die - das sollte man in der Stadtspitze auch nicht vergessen - in ihrem Osten durchaus direkt von der Trassenvariante "P 44 mod." betroffen wäre. Das Volk hat erkannt, dass hier ein dickes Problem aufgetaucht ist. Bei der Politik drängt sich dieser Eindruck zumindest nicht zwingend auf.

Und natürlich gab es auch keine Einladung zur Demonstration - diese Ausrede greift nicht. Zu einer Demonstration wird aufgerufen, da kommt kein schmuckes Einladungsbriefchen mit Goldrand ins Rathaus. Zu einer Demonstration geht man hin, wenn man hinter der Sache steht. Oder man interessiert sich nicht dafür, dann braucht man natürlich auch nicht zu demonstrieren. Dann sollte man aber auch konsequenter Weise aufhören mit dem viel zu oft und viel zu krampfhaft vorgetragenen Spruch, dass Stadt und Land irgendwas Hand in Hand miteinander tun. Denn wenn eine Monster-Stromtrasse als Problem nicht groß genug ist, um Hand in Hand dagegen vorzugehen, was bitte dann?

Immerhin hat die Stadt die Chance, diese Scharte auszuwetzen. Am Donnerstag wird sich der Stadtrat mit "P 44 mod." befassen. Coburgs Pressesprecher Michael Selzer war (hoffentlich) deshalb vergangene Woche in der Kreistagssitzung als Zuhörer dabei, als einstimmig eine deutliche Resolution gegen sämtliche Trassenpläne verabschiedet wurde. Er wird dabei sicher mitbekommen haben, wie Ernst die Lage ist. Vielleicht sollte er das dem Stadtrat gegenüber sicherheitshalber noch einmal verdeutlichen.

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