Coburg
Reflexion

Gottesdienst für Einsatzkräfte des Coburger Lands

Nicht immer ist es möglich, anderen Menschen in Notsituationen zu helfen. Diese Erfahrung mussten einige der Notfall-Einsatzkräfte machen, die zum Gottesdienst eingeladen waren.
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Die Mitarbeiter von Feuerwehren, Rettungs- und Hilfsorganisationen füllten am Donnerstag die Bankreihen in der Heilig-Kreuz-Kirche beim Jahresgottesdienst der Notfallseelsorge. Foto: Martin Koch
Die Mitarbeiter von Feuerwehren, Rettungs- und Hilfsorganisationen füllten am Donnerstag die Bankreihen in der Heilig-Kreuz-Kirche beim Jahresgottesdienst der Notfallseelsorge. Foto: Martin Koch
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Die Notfallseelsorge im Coburger Land hat am vergangenen Donnerstag die Mitarbeiter von Feuerwehr und Rettungsdiensten, Polizei und Kriseninterventionsteams sowie Hilfsorganisationen im Technik- und Umweltbereich zu ihrem traditionellen Jahresgottesdienst in die Coburger Heilig-Kreuz-Kirche eingeladen. Thema war das Gebot der Nächstenliebe, wobei der zweite Teil dieses Gebotes besonders im Blickpunkt der Betrachtungen stand.

Es ging um die rechte Balance zwischen Nächstenliebe einerseits und Selbstliebe andererseits, so auch beschrieben im Gleichnis vom "barmherzigen Samariter" (Lukas 10, 25-37). "Wir gestehen uns keine Fehler zu und unseren Kollegen erst recht nicht, denn wir beurteilen unsere Kollegen nach dem Maßstab unseres Könnens und Vermögens", bekannte Pfarrer Arnold Kroll in seiner Begrüßung.
"Dabei übersehen wir oft unsere eigene Bedürftigkeit und unsere Fehler."

Der katholische Notfallseelsorger Diplom-Theologe Christian Beck beschrieb aus eigenem Erleben einen lang andauernden Einsatz. "Es kommt nicht nur darauf an, professionell im Einsatz zu arbeiten." Man könne im Einsatz nicht alles alleine stemmen.


Es gibt auch Lebenslagen, in denen man nicht einsatzfähig ist

Beck berichtete von persönlichen Lebensumständen und Lebenskrisen als mögliche Grenzen der Einsatzfähigkeit, etwa Sorgen um die Kinder, das Bangen um den Arbeitsplatz, Krisen in Ehe und Partnerschaft. "Ich kann mich nicht rund um die Uhr professionell für die Not anderer Menschen einsetzen, wenn ich selber nicht heil und ganz bin, sondern körperlich und seelisch angeschlagen", fuhr Beck fort.
Der evangelische Notfallseelsorger Pfarrer Klaus Göpfert gab zu bedenken, dass es gefährlich sein könne, eigene Schwächen ständig zu ignorieren. "Aber seien wir ehrlich, dann gibt es auch die Einsätze, die mir noch lange im Kopf herumgehen."

Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD), der selber gut drei Jahrzehnte im Polizeidienst tätig war, bedauerte es, dass es zu seiner Zeit als junger Polizist noch keine Angebote der Notfallseelsorge und der psychosozialen Notfallversorgung gegeben habe. "Man hat es den Führungskräften überlassen, sich um ihre Einsatzkräfte zu kümmern", sagte der Oberbürgermeister. "Aber wer hat sich um die Führungskräfte, um die Kümmerer der Gekümmerten gekümmert?" Tessmer berichtete von seinen Gefühlen, als er als Polizist mit einem Todesfall infolge einer Verfolgungsfahrt konfrontiert gewesen war.

Die musikalische Ausgestaltung des Gottesdienstes übernahm die Musikformation Soul Project. Die Grüße des Landkreises überbrachte stellvertretender Landrat Christian Gunsenheimer (FW).

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