Coburg
Stadtrat

Globe oder ein "Glöbchen" für Coburg?

Es gab im Vorfeld viele Workshops und Besprechungen. Trotzdem stritt der Stadtrat am Donnerstag ausgiebig über die Interimsspielstätte.
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Für den Schlossplatz gedacht, nun für den Anger vorgesehen: Der Theaterentwurf der beiden Studierenden Isabell Stengel und Anders Macht. Parallel dazu wird die Ertüchtigung der Angersporthalle ausgeschrieben - für alle Fälle. Foto: Hochschule Coburg
Für den Schlossplatz gedacht, nun für den Anger vorgesehen: Der Theaterentwurf der beiden Studierenden Isabell Stengel und Anders Macht. Parallel dazu wird die Ertüchtigung der Angersporthalle ausgeschrieben - für alle Fälle. Foto: Hochschule Coburg
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"Es war eine schwere Geburt", seufzte hinterher nicht nur Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD). Einige Stadträte waren über den Beschluss am Ende sogar so erleichtert, dass sie sich selbst Beifall klatschten: Das Landestheater soll eine Interimsspielstätte auf dem Anger erhalten, wie sie aussehen wird, entscheidet der Stadtrat, wenn das Generalübernehmerverfahren gelaufen ist. Denn diese Generalübernehmer sollen schon möglichst genaue Pläne erarbeiten und Preise nennen, so dass der Stadtrat weiß, was der temporäre Theaterbau am Ende kosten wird.

Erst dann wird sich auch entscheiden, ob die Dreifachsporthalle am Anger wirklich abgerissen wird oder ob ihr noch mal neues Leben eingehaucht wird als Behelfstheater. Denn sowohl die Ertüchtigung der Angersporthalle als auch ein Rundbau in - vorzugsweise - Holzbauweise werden für einen Generalübernehmer ausgeschrieben. Für die Zweigleisigkeit nannte Hochbauamtsleiter Peter Cosack praktische Gründe: Für den Fall, dass sich keiner findet, der das ambitionierte "Globe" (den Rundbau) bauen will, findet man vielleicht jemanden, der den Ausbau der Dreifachhalle übernimmt.


Alte Halle ist ein Problem

Dass dieser möglich wäre, zeigte Cosack dem Stadtrat anhand von Skizzen eines renommierten Bühnenplanungsbüros aus Bayreuth. Demzufolge wären Bühne, Nebenräume und 430 Zuschauer problemlos in der Angerhalle unterzubringen; sogar 65 mehr, wenn der Orchestergraben bestuhlt werden kann. Wenn das Dach der Halle eine neue niedrige Kuppel erhält, lässt sich dort sogar noch ein Umgang für die Lichttechniker unterbringen. Das Dach müsste ohnehin geöffnet werden, um die Tragekonstruktion für die Bühnenteile ins Gebäude zu bringen, erläuterte Cosack.

Das alles zusammen würde schätzungsweise 5,2 Millionen Euro kosten und wäre damit ziemlich nahe an der Obergrenze von fünf Millionen Euro, die der Stadtrat im Januar 2015 gesetzt hatte.
Doch in diesen Schätzungen ist nicht die Halle selbst enthalten, deren Haustechnik und Sanitärbereiche auch ertüchtigt werden müssten. Da dürften noch einmal rund 1,1 Millionen Euro zusammenkommen, schätzt Cosack - und bei Gesamtkosten von 6,3 Millionen Euro wäre die gesetzte Obergrenze überschritten.

Der Freistaat hatte zugesagt, sich an den Kosten für die Interimsspielstätte zu beteiligen - so war die Obergrenze zustandegekommen. 75 Prozent will er geben, wenn die Interimsspielstätte hinterher platt gemacht wird; 25 Prozent, wenn die Stadt das Gebäude hinterher weiternutzt. Aber viel Geld ausgeben, um ein Gebäude hinterher abzureißen? Das war einer der Gründe, warum seit Jahresanfang im In- und Ausland nach Alternativen gesucht wurde: Eine Arbeitsgruppe aus Stadtrat und Verwaltung besichtigte Zelte und Holzbauten in Karlsruhe und Genf; die Hochschule sagte zu, bis zum Sommer Studentenentwürfe zu liefern.


Rundbau enthält viel Platz

Von Isabell Stengel und Anders Macht stammt der Entwurf für den Rundbau nach Shakespear'schem Vorbild, das "Coburg Globe". Die grobe Kostenschätzung rein anhand des Baukörpervolumens lautet auf 6,8 Millionen Euro. Cosack und Professor Holger Falter priesen die Form des Baukörpers als sehr ökonomisch - und er sei auch leicht in Modulbauweise zu bewerkstelligen, sagte Falter.

486 Sitzplätze hätte der Rundbau - das sind fast ebenso viele wie das Landestheater hat, und an dieser Zahl entzündete sich der erste Streit. Denn niemand konnte so recht sagen, wer diese Zahl festgelegt hatte oder ob es auch ein paar Stühle weniger sein dürfen. "Wir haben von Anfang an gesagt, dass es sich aufs Notwendige beschränken muss", betonte OB Tessmer.

Allerdings machen weniger Sitzplätze zumindest in der ertüchtigten Angersporthalle nicht viel bei den Kosten aus. "Dann bezahle ich halt 100 Sitzschalen weniger", sagte Cosack. Anders beim Rundbau, wo theoretisch eine ganze Etage weggelassen werden könnte. Allerdings fallen dann auch die dort vorgesehenen Funktionsräume weg. "Das ist dann ein ,Glöbchen‘", suchte Cosack zu scherzen. "Oder ein Globuli", murmelte eine Zuhörerin hinter der Pressebank.
Damit hatte das Feilschen begonnen. Vom Landestheater war kein offizieller Vertreter da, der die Zahl der Zuschauerplätze hätte begründen können. Pro-Coburg-Sprecher Peter Kammerscheid hätte am liebsten auch noch den Standort verlagert und das "Globe" am Ort des ehemaligen Schlachthofs errichtet. Das aber geht aus Zeit- und Verfahrensgründen gar nicht, sagte OB Tessmer: Die Interimsspielstätte muss bis 31. Dezember 2018 stehen.

Doch es gehe auch um die Akzeptanz bei den Theaterbesuchern, machten Peter Cosack und Gerhard Amend (CSB) deutlich. Da spielt der Standort eine Rolle, aber auch die Gestaltung des Theaters auf Zeit. "Das kann auch etwas werden, womit Coburg werben kann, was in Deutschland vorzeigbar ist", meinte Amend, der das Landestheater ausdrücklich als "Standortvorteil" für Coburg bezeichnete. Friedrich Herdan (CSU) setzte sich vehement dafür ein, dass die Kostenobergrenze nicht ganz aufgegeben wurde.

Die Grünen drängten darauf, dass "vorzugsweise Holzbauweise" in der Ausschreibung für das "Globe" stehen müsse - so sei es im Workshop besprochen worden. Außerdem diene ein Holzbau dem Klimaschutz. Nach so vielen Änderungsvorschlägen machte OB Tessmer schließlich am Ende der Diskussion eine Sitzungsunterbrechung, um einen neuen Beschlussvorschlag zu formulieren. Obwohl alle Fraktionsvorsitzenden beteiligt waren, gab es am Ende drei Gegenstimmen von Hans-Herbert Hartan (CSU), René Hähnlein und Matthias Langbein (beide SBC), die die Interimsspielstätte der Kosten wegen ablehnten.


Der Beschluss in Stichworten

Kosten Die Interimsspielstätte zu errichten soll maximal 7,5 Millionen Euro kosten. Sie soll ca. 350 Sitzplätze haben - weniger als bisher vorgesehen.

Verfahren Es wird ein Generalübernehmer gesucht, der die Spielstätte plant und bauen lässt. Dieses Bieterverfahren soll bis Ende Oktober abgeschlossen sein.

Varianten Ausgeschrieben werden sowohl der Rundbau ("Coburg Globe") als auch die Ertüchtigung der Angersporthalle mit umfangreichen Umbauten, um zu verhindern, dass gar kein Angebot kommt.

Anlass Das Landestheater am Schlossplatz muss dringend saniert werden; wegen technischer Mängel gilt die Betriebsgenehmigung nur bis 31. Dezember 2018. Bis dahin sollte der Interimsbau stehen. Die Sanierung des Theaters ist auf vier Jahre und rund 64 Millionen Euro Kosten veranschlagt. Das meiste davon (rund 44 Millionen Euro) übernimmt der Freistaat Bayern.


Sprüche

"Ich weiß nicht, wie wir das den Bürgern beibringen wollen, dass wir die Stadt für die nächsten Jahre verschulden." Matthias Langbein, SBC

"Ich kenne kein Verfahren, das so transparent lief. Und jetzt, kurz vor Schluss, kommen Sie und stellen alles in Frage." Oberbürgermeister Norbert Tessmer, SPD

"Ein "Globe" am Schlossplatz finde ich gut. Aber am Standort Anger hat das für mich den Charme eines Kult-Gasometers." Jürgen Oehm, CSU

"Den Leuten, die ins Theater wollen, müssen wir was bieten. Da kann man nicht nur nach den Kosten schauen." Petra Schneider, SPD
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