Laden...
Coburg
Maikundgebung

Gewerkschaften fordern höhere Renten

Der Mindestlohn sei besser als nichts, sagt IG-Metall-Sekretär Matthias Kirchner. Aber viele, die nur einen Niedriglohn erhalten, müssen aufstocken.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Mitglieder der Arbeitnehmerpastoral im Bereich Obefranken-West demonstrierten am Rand der Maikundgebung gegen die Auswirkungen und den Umgang mit der Hartz IV (Verun-)Sicherung im Niedriglohnsektor. Links Betriebsseelsorger Norbert Jungkunz.  Foto: Edwin Meißinger
Die Mitglieder der Arbeitnehmerpastoral im Bereich Obefranken-West demonstrierten am Rand der Maikundgebung gegen die Auswirkungen und den Umgang mit der Hartz IV (Verun-)Sicherung im Niedriglohnsektor. Links Betriebsseelsorger Norbert Jungkunz. Foto: Edwin Meißinger
+1 Bild
"Wir sind viele. Wir sind eins", lautete das Motto des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zum diesjährigen Tag der der Arbeit am 1. Mai. Die Kundgebung fand am Montagvormittag im "Prinzengarten" am Theaterplatz statt.

Coburgs Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) hob in seiner kurzen Rede die Notwendigkeit der Arbeit hervor. "Arbeit schafft Sinn. Wir brauchen sie um glücklich zu sein. Keine Arbeit belastet die Psyche." Auch Norbert Jungkunz von der Katholischen Betriebsseelsorge wies darauf hin, dass sich der Arbeitsmarkt in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert habe. "Es ist ein Fürsorgearbeitnehmer entstanden, trotz Arbeit ist dieser auf Fürsorgeaufwendungen angewiesen. Aus der Gesellschaft des Aufstiegs ist die Gesellschaft des Abstiegs geworden." Die so genannte Grundsicherung durch Hartz IV sei zu einer Grundverunsicherung geworden. "Von einer Grundsicherung, die eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht, sind wir weit entfernt", betonte Jungkunz und forderte mehr Gerechtigkeit, da diese die Würde des Menschen erhalte und ausdrücke.


Demokratie stärken

Hauptredner am Montagvormittag war Matthias Kirchner, als Gewerkschaftssekretär tätig beim Vorstand der IG Metall. Anhand des Beispiels Großbritanniens, wo nach Kirchner, viele junge Wähler bei der Abstimmung über den Brexit nicht zur Wahl gegangen seien und sich jetzt fragten, wie es in England weitergehen solle, rief er die Gäste der Kundgebung auf "Geht wählen. Wählt nicht die Vergangenheit. Wählt nicht Abgrenzung ... wählt nicht Ausgrenzung ... wählt nicht Hass!" Der Gewerkschaftssekretär forderte mehr und bessere Bildung, da Bildung zugleich auch die Verteidigung der Demokratie bedeute. Kirchner wandte sich gegen jede Form des Rassismus. Mit markigen Sprüchen wandte er sich an Gewerkschafsmitglieder, die die AFD wählen. "Ihr seid wie Leute, die aus der Kloschüssel das Wasser saufen, weil ihnen das Bier nicht schmeckt!"

Lobend hob er die Betriebsräte hervor, die den Kopf nicht einzögen, wenn zum Beispiel in der Coburger Firma Waldrich viele Arbeitnehmer entlassen würden, sondern die sich für die Arbeitnehmer einsetzten und nach Erleichterungen und gangbaren Wegen suchten. Auch die Themen Mindestlohn und Tarifrunde blieben nicht ausgespart.


Vom Lohn leben können

"Viel zu viele haben ein Einkommen, mit dem sie nicht auskommen: Armut trotz Arbeit", bemängelte Kirchner. Das wirke sich später auch auf die Renten aus. In diesem Zusammenhang kritisierte Kirchner auch die Pläne, das Rentenniveau generell weiter abzusenken. Auch die Arbeitnehmerpastoral des Erzbistums Bamberg machte den Niedriglohnsektor zum Thema: Viele Menschen, die im Niedriglohnsektor beschäftigt seien, würden teilweise von ihren Arbeitgebern gedrängt, Ausgleichzahlungen von den Arbeitsämtern und Jobcentern in Anspruch zu nehmen, anstatt einen Lohn zu erhalten, von dem man leben könne, kritisierte Bernd Schackig aus Breitengüßbach, der sich ehrenamtlich in der Arbeitnehmerpastoral engagiert. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von der Coburger Stef White Band.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren