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Neustadt bei Coburg
Wirtschaft

Gesundheitskarten kommen künftig aus Neustadt

In Neustadt sollen jährlich 11 Millionen Datenträger produziert werden. Während in München Stellen abgebaut wurden, hat Neustadt 60 neue dazu gewonnen.
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Mit einem sichtbaren Symbol sagte Oberbürgermeister Frank Rebhan (rechts) Dank an Geschäftsführer Stefan Auerbach für das Bekenntnis zu Neustadt.  Foto: Martin Rebhahn
Mit einem sichtbaren Symbol sagte Oberbürgermeister Frank Rebhan (rechts) Dank an Geschäftsführer Stefan Auerbach für das Bekenntnis zu Neustadt. Foto: Martin Rebhahn
Eitel Freude herrschte bei Neustadts Oberbürgermeister Frank Rebhan (SPD) und der Wirtschaftsförderung, vertreten durch Sandra Franz, nachdem das Unternehmen Giesecke & Devrient Secure Data Management - eine der 59 Tochtergesellschaften der Giesecke & Devrient - seinen Sitz und die Produktionsstätte nach Neustadt verlagerte.

In einer nur achtmonatigen Vorbereitungsphase gelang es, die Produktion von Bank-, Gesundheits- und Sim-Karten von München in die Puppenstadt zu transferieren. Planungen zufolge sollen 11 Millionen dieser Datenträger zukünftig jährlich die Produktionsstätte verlassen.

Wie Stefan Sander, Projektmanager bei Giesecke & Devrient, wissen ließ, werden in Neustadt die Plastikrohlinge, die in Tschechien produziert werden, mit den sensiblen Benutzerdaten ausgestattet und direkt an die Endkunden versandt.

Dass es sich bei dem Betrieb in Neustadt schon um eine etwas außergewöhnliche Produktionsstätte handle, konnte auch daran ersehen werden, dass zu einer Führung durch den "Hochsicherheitstrakt" nur auserlesene Gäste eingeladen wurden - darunter zum Beispiel der Zauberer, der für die Kinderanimation zuständig war.


Geheimniskrämerei in Neustadt

Mitarbeitern der Tageszeitungen wurde der Rundgang deutlich versagt. Auch zeigte man sich auf Nachfrage zur technischen Ausrüstung und des Produktionsverfahrens bedeckt. Konzerngeschäftsführer Stefan Auerbach betonte, dass sich der Standort Neustadt gegen 30 andere mögliche Standorte durchgesetzt habe. Ausschlaggebend seien nicht allein das Gebäude und die logistische Lage gewesen, sondern vor allem, dass man hier bodenständige, loyale und ausgebildete Mitarbeiter zur Verfügung hätte.

"Der Standort Neustadt wurde mit vielen guten Ideen und auch viel Geld gefüllt", sagte Auerbach. Seit Frühjahr 2015 wurde Tag und Nacht daran gearbeitet, im Dezember mit den ersten Kleinproduktionen beginnen zu können. Dabei galt es, nicht irgendwelche Maschinen in München abzubauen und nach Neustadt zu schaffen, vielmehr musste das Gebäude erst so ertüchtigt werden, dass es den Zertifizierungsbestimmungen standhält. Das heißt: Zuerst hatten die Sicherheits- und Informationstechnikexperten das Sagen. Zwei Monate nahm allein die dieser Prozess in Anspruch.

Lob zollte Stefan Auerbacher all denen, die an dem Projekt mitgearbeitet hatten: "Dank eines tollen Einsatzes gelang es, den Produktionsablauf für 2016 sicherzustellen." Im Namen der Inhaberfamilie bedankte sich Gabriel von Mitschke-Collande für den reibungslosen Ablauf der Produktionsverlagerung. Wie er betonte, sei das Bekenntnis zum Standort Deutschland in dem Münchner Familienunternehmen keine leere Worthülse, sondern gelebte Unternehmenskultur.

Mit dafür verantwortlich sind auch die Kunden von Giesecke & Devrient, die sicherstellen wollen, dass sensible Personendaten in einem Staat verbleiben, in dem der Datenschutz mit einer hohen rechtlichen Norm ausgestattet ist. Dass die Produktionsstätte in München aufgeben wurde, lag nach Worten von Stefan Sander hauptsächlich an den Örtlichkeiten.

"Wie mussten über drei Etagen produzieren und wären im Wachstum eingeschränkt gewesen", erläuterte er die Unternehmensentscheidung. "In Neustadt fanden wir ideale Bedingungen vor und können jetzt in einer Linie unsere Aufträge abarbeiten."

Auf den ersten Blick kann positiv bewertet werden, dass in Neustadt 60 neue Arbeitsplätze entstanden sind. Auf Nachfrage musste Sander einräumen, dass in München die gleiche Zahl an Arbeitsplätzen abgebaut wurde. "Es ist richtig, dass es arbeitsmarkttechnisch im Moment eine Nullnummer ist", sagte er. Mittelfristig plane man jedoch, die Mitarbeiterzahl auf 80 zu erhöhen. Aktuell, so Stefan Sander, habe das Neustadter Werk mit 3000 Quadratmetern Produktionsfläche die Kapazitätshöhe erreicht. Als ein "ganz besonderes Unternehmen", bezeichnete OB Rebhan das Münchner Unternehmen. "Für Neustadt ist es wichtig, mittendrin und nicht nur dabei zu sein. Wir sind stolz, dass Neustadt als Standort für Technologien der Zukunft ausgewählt wurde", betonte das Stadtoberhaupt.

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