Neustadt bei Coburg
Schule

G8 oder G9 - was wird das Neustadter AG?

Acht Jahre Gymnasium oder neun - die Zeichen stehen auf Reformkurs. Aber es sind viele Fragen offen und das führt zu Verunsicherung auf allen Seiten.
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SymbolbildFoto: dpa
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Es sind zunächst die Eltern heutiger Viertklässler, die verunsichert sind. Im Mai müssen sie entscheiden, ob ihr Kind - passende Noten vorausgesetzt - ein Gymnasium besuchen soll oder nicht. Dazu wüssten sie gern, ob es dann eines mit acht Jahrgangsstufen (G8) oder mit neun (G9) wäre. Ursula Kick-Bernklau ist Schulleiterin am Neustadter Arnold-Gymnasium. Sie bekommt diese Frage in letzter Zeit oft gestellt. Beantworten kann sie sie aber nicht.
"Wirklich Auskunft geben können wir nicht", stellt sie fest. Für 2018 soll eine Reform an den Gymnasien in Bayern greifen. Wie sie aussehen soll, das ist Gegenstand eines Entscheidungsprozesses, der gerade voll im Gange ist. Schüler, Eltern und Lehrer sind in die Dialogphase eingebunden, an deren Ende eine politische Entscheidung stehen muss.


Schwierige politische Lage

"Das ist eine schwierige politische Situation", findet Coburgs Landrat Michael Busch (SPD). Das Arnold-Gymnasium ist das einzige in der Obhut des Kreises. Aber eines von fünf Gymnasien in Stadt und Land. Für den Kreis als Sachaufwandsträger spielt auch die Frage eine Rolle, wer am Ende mögliche Kosten trägt. Die Staatsregierung hat 2004 im Hau-Ruck-Verfahren das G8 eingeführt. 2011 verließen die letzten G9-Abiturienten die Schulen, gemeinsam mit den ersten G8-Absolventen.
Jetzt, so vermutet Busch, spüre man in München immer mehr Widerstand gegen das als "Turbo-Abitur" verrufene G8, möchte zurückrudern, traue sich aber nicht, das in einem Beschluss umzusetzen. Der Versuch mit der "Mittelstufe plus" als G9 durch die Hintertür habe wohl Interesse an der längeren Gymnasialzeit belegt.
Er fürchtet nun, dass die Entscheidung am Ende den einzelnen Schulen überlassen wird und fände das "politisch falsch". Denn, was wäre, wenn zwar das G9 wieder käme, jede Region aber die Vorgabe bekäme, ein Gymnasium mit dem G8 weiterhin vorzuhalten. "Wer soll das dann machen?", fragt der Landrat.
"Solange es eine klare Lösung gibt, haben wir am AG keine Probleme", sagt stellvertretender Schulleiter Jochen Dotterweich. Er meint damit die Entscheidung für entweder das G8 oder das G9. Sollte die Entscheidung so aussehen, dass jede Schule beides anbieten muss, dann werde es sowohl organisatorisch als auch räumlich schwierig. Werde die Entscheidung am Ende den Schulen überlassen, dann könnten sie diese nicht treffen, ohne Details zu kennen, die sich mit der jeweiligen Variante verbinden, betont Ursula Kick-Bernklau. Sie hofft vor allem, dass eine Grundsatzentscheidung getroffen wird, ehe Anfang Mai die Schüler für das Schuljahr 2017/18 angemeldet werden müssen. Wie sollen Eltern sonst entscheiden, ob das Gymnasium die richtige Schule für ihr Kind ist?


Breite Auswirkungen

Die weitere Entwicklung an den Gymnasien betrifft nicht sie allein. So haben etwa die Grundschulen gerade einen neuen Lehrplan (plus) eingeführt. Der ist extra auf einen möglichen Übertritt an das heutige G8 abgestimmt. Würde wieder komplett zum G9 zurückgekehrt, geschähe der umgekehrte Fall, wie nach der Einführung des G8. 2011 wurden zwei Jahrgänge gleichzeitig mit dem Gymnasium fertig. Mit einer Rückkehr zum G9 würde dafür ein sehr ausgedünnter Jahrgang für die Wirtschaft oder den Einstieg an die Unis aus Bayern zu erwarten sein. Auch auf die Realschulen könnte es Auswirkungen geben. Sie hatten nach der Einführung des G8 mehr Schüler bekommen, weil Eltern ihre Kinder dem erhöhten Druck und vermehrtem Unterricht am Nachmittag, den sie erwarteten, nicht aussetzen wollten.


Klare Forderungen

Schule und Landkreis sind vorerst zum Warten verurteilt. Ihre gemeinsamen Forderungen sind klar. Die bayerische Staatsregierung muss eindeutige Entscheidungen treffen und darf diese nicht auf die Gymnasien oder Kommunen vor Ort abwälzen.
In das neue Modell sollen unabhängig von der Ausbildungsdauer bewährte Module des G8 (wie Intensivierungsstunden, Seminarbetrieb und so weiter) sinnvoll eingekoppelt werden.
Der neue Lehrplan muss auf die entsprechende Form des Gymnasiums angepasst werden.
Die Details müssen den Gymnasien und Bildungspartnern zeitnah kommuniziert werden, so dass ausreichend Vorbereitungszeit für Umstellungen bleibt.
Die geforderte klare Entscheidung kann für den Landrat auch gern lauten: Wir sehen, dass noch viel Klärungsbedarf besteht und lassen uns daher noch ein Jahr mehr Zeit, um die Reform der bayerischen Gymnasien vorzubereiten. Dass eine Entscheidung der Staatsregierung auch eine Finanzierung durch die Staatsregierung erfordert, steht für Busch fest.
Ursula Kick-Bernklau wünscht sich vor allem, dass endlich einmal Ruhe in der Bildungslandschaft einkehrt. Da wird sie wohl noch ein wenig warten müssen.

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