Coburg
Prozess

Für einen Drogendealer aus dem Kreis Coburg ist jetzt Schluss

Frühere Strafen konnten einen 27-jährigen Drogendealer aus dem östlichen Landkreis nicht beeindrucken. Jetzt muss er ins Gefängnis.
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Sichergestelltes N-Methylamphetamin (umgangssprachlich abgekürzt Meth oder Crystal) - dieses Rauschgift hat der verurteilte 27-Jährige im Landkreis Coburg verkauft. Nun muss der Mann, selbst drogenabhängig, vier Jahre ins Gefängnis und in eine Entziehungsanstalt. Foto: Arno Burgi/dpa
Sichergestelltes N-Methylamphetamin (umgangssprachlich abgekürzt Meth oder Crystal) - dieses Rauschgift hat der verurteilte 27-Jährige im Landkreis Coburg verkauft. Nun muss der Mann, selbst drogenabhängig, vier Jahre ins Gefängnis und in eine Entziehungsanstalt. Foto: Arno Burgi/dpa
Für vier Jahre muss ein einschlägig vorbestrafter 27-jähriger Drogendealer aus dem Landkreis hinter Gitter. Außerdem ordnete die Erste Große Strafkammer des Landgerichts Coburg unter dem Vorsitz von Christoph Gillot die Unterbringung des drogenabhängigen Mannes in eine Entziehungsanstalt an.

Der 27-Jährige hat von Anfang Januar 2014 bis zu seiner Inhaftierung im August des Jahres 2015 Betäubungsmittel in nicht geringer Menge erworben und damit gedealt. Im Keller seiner damaligen Wohnung im östlichen Landkreis bewahrte der Mann laut Anklage 200 Gramm Crystal Speed von guter Qualität und hohem Wirkstoffgehalt auf. Die Designerdroge hat der 27-Jährige zu einem Preis von bis zu 120 Euro pro Gramm an Abnehmer im Landkreis weiterverkauft.
Außerdem war er im Besitz einer Haschischtafel, baute Marihuana an und handelte mit Amphetamin.


Die Handschellen klickten

Im August des vergangenen Jahres klickten die Handschellen, seitdem sitzt der Mann in der JVA Kronach ein.
Der Beschuldigte räumte vor Gericht die Taten weitgehend ein, lediglich die Mengenangaben korrigierte er, demnach waren es keine 200 Gramm, sondern 115 Gramm Crystal Speed, die Haschischplatte habe er nicht weiterverkaufen können. "Das war minderwertig, das hat im Hals gebrannt und nach Badesalz gerochen", erklärte er.
Der Dealer gab an, dass er seit seinem 13. Lebensjahr Drogen konsumiere, er habe Cannabis von Schulkollegen in der siebten Klasse erhalten. "Ich hatte mit 150 Kilogramm starkes Übergewicht und das war was, um dazuzugehören."

Bereits im Alter von 17 Jahren habe er die ganze Palette, auch chemische Sachen, eingeworfen. Mit dem Drogenkonsum habe er seine familiären Probleme - beide Eltern seien schwer krank gewesen und mittlerweile verstorben - ausgeblendet. Seine Lieferanten wollte der Mann auf Nachfrage von Richter Gillot nicht preisgegeben, dies hätte sich strafmildernd ausgewirkt. "Dazu möchte ich nichts sagen, im Endeffekt habe ich Familie", meinte er nur.

Nicht ganz einfach gestaltete sich die Beweisaufnahme, denn zwei Zeugen, die ebenfalls aus dem Drogenmilieu stammen, erschienen erst gar nicht zum Termin. Deshalb ordnete die Staatsanwaltschaft, vertreten durch Ulrike Andersch, die Vorführung der Zeugen an. Zumindest ein Zeuge konnte aufgetrieben werden, auf die Vernehmung einer weiteren Zeugin wurde schließlich verzichtet, ein Abnehmer des Dealers machte keine Angaben, weil er sich wegen eines laufenden Verfahrens nicht selbst belasten wollte.


Flammendes Plädoyer

Staatsanwältin Andersch forderte in ihrem Plädoyer fünf Jahre und die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Rechtsanwalt Albrecht von Imhoff hielt ein flammendes Plädoyer für den Angeklagten. Dieser, sagte er, habe doch ein starkes Geständnis abgelegt. "Er ist auf eine Schiene geraten, in die er nicht gehört, er hat durchweg gearbeitet und war wegen der Krankheit seiner Eltern fix und fertig. Er hat außerdem eine Frau und ein Kind und ist therapiewillig." Von Imhoff bat die Kammer, ganz viel Gewicht in diese Punkte zulegen. Er hielt die sechs Monate U-Haft und die Unterbringung des Mannes in eine Entziehungsanstalt für eineinhalb Jahre für ausreichend.

Das Gericht folgte weitgehend der Staatsanwältin in der Urteilsbegründung. Gillot: "Sie sind 27 Jahre alt und seit 14 Jahren auf Drogenkonsum und das ist wirklich ganz tiefschürfend." Außerdem habe der Mann trotz fünf Vorstrafen nichts an seinem Verhalten geändert und sei ein Bewährungsversager. Gillot: "Das haben wir nicht allzu oft, dass sich jemand nicht beeindrucken lässt von Strafen."

Von den vier Jahren Haft muss sich der 27-Jährige für eineinhalb Jahre einer Therapie unterziehen, zwei Fachärzte aus dem Bezirksklinikum Obermain hatten einen hinreichenden Therapieerfolg prognostiziert. Gillot betonte: "Der Staat betreibt einen Riesenaufwand. Das ist Ihre letzte Chance und Sie sollten diese nutzen." Das Urteil ist rechtskräftig.
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