Coburg
Sanierung

Neuer Altar: Fünf in Eins für Coburgs Stadtkirche

Wandlungsfähig, teilbar und als Einheit präsentiert sich der neue Altar der Stadtkirche St. Moriz - ein Werk des Bildhauers Werner Mally aus München.
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Der neue Altar mit verschobenen Elementen. Fotos: Simone Bastian
Der neue Altar mit verschobenen Elementen. Fotos: Simone Bastian
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Mitte? Welche Mitte? Der Chor von St. Moriz hat eine andere als das Langhaus. Der Altar soll sich aber am Langhaus orientieren, dem Ort, wo die Gemeinde versammelt ist. Deshalb dirigiert Sibylle Fugmann den Bildhauer Werner Mally und Schreiner Hermann Feckl etwa einen Meter nach rechts. Sibylle Fugmann leitet für die Stadt die Sanierung der Kirche St. Moriz. Noch ist sie nicht fertig - am Epitaph laufen letzte Arbeiten, im Altarraum liegt ein Band aus Spanplatten als Platzhalter für die Steine, die dort noch hineinkommen sollen.

Aber der Altar steht. Allerdings nicht unverrückbar: "Der Altar soll dazu einladen, die nicht geometrische Mitte immer wieder neu zu suchen und jenseits rationaler oder messbarer Größen neu zu ermitteln", heißt es in der Beschreibung. Vier der fünf Teile sind auf Rollen gelagert, geräuschlos schiebt Werner Mally einen der quaderförmigen Hocker beiseite.

Fünf Teile, sowohl einzeln als auch in der Gesamtheit voller Symbolik. Der T-förmige untere Tisch, unter den sich die zwei Quader schieben lassen wie Hocker, steht für den griechischen Buchstaben Tau, das Kreuzsymbol. Er erinnert aber auch an die ursprüngliche Altarform, einen Stein mit einer Platte darüber. Auf diesem T liegt ein Winkel auf - das einzige Teil, das nicht auf Rollen gelagert ist, aber auch das leichteste.

Auch das hat Symbolik: Der Winkel braucht immer den Halt des Altars, um stehen zu bleiben, auch, wenn er darüber hinausragen kann. Über all dem wölbt sich ein weiterer winkelförmiger Tisch, massiv und 300 Kilogramm schwer. Alle Teile sind aus Ahornbohlen verleimt, die in unterschiedlichen Schattierungen schimmern und farblich exakt zu den Bodenplatten und den Stufen zum Chor passen.

Während die Hölzer des Altars (oder der Altäre?) waagrecht liegen, sind sie beim Ambo, dem Lesepult, senkrecht geführt. Die Holzfarben sind der einzige Schmuck, flankiert wird die kompakte Stele von einem weiteren Winkel, der sie halb umhüllt. Begeistert fährt Pfarrerin Gertrud Göpfert mit den Händen über das Holz. Anders als der Altar hat das Lesepult seinen festen Platz. "165 Zentimeter von der Säule", sagt Sibylle Fugmann. Die Beleuchtung des Altarraums ist darauf abgestimmt.


Liturgie finden

Wie die Gemeinde mit dem beweglichen Altar umgeht, "müssen wir noch überlegen", sagt Gertrud Göpfert. Eine Idee war (und ist), dass sich die Gemeinde beim Abendmahl um den Altar versammeln soll. Aber wie soll er dann dastehen? Alle fünf Teile so eng wie möglich zusammengeschoben, oder eher wie ein Ausziehtisch mit verschieden hohen Ebenen? Das wird vom Anlass und der Lesung des jeweiligen Gottesdienstes mit abhängen. "Die Gemeinde muss dafür eine Liturgie finden", sagt Pfarrerin Göpfert.

Werner Mally hat den Altar entworfen, gebaut hat ihn Hermann Feckl, Schreiner aus Hohenpolding in Niederbayern. "Es ist ihm gelungen, den Hölzerwechsel so zu schaffen, dass es wie aus einem Guss wirkt. Das finde ich wunderbar", schwärmt Mally. Beide, der Bildhauer und der Schreiner, haben schon öfter zusammengearbeitet. Hermann Feckl freilich beschreibt sich als "ganz normalen Schreiner", der alles herstellt, was so gefragt wird, "von der Wiege bis zur Küche". Nun eben einen Altar.

Zwei Stücke zur Ausgestaltung des Kirchenraums fehlen noch: St. Moriz wird ein Vortragekreuz erhalten und einen neuen Halter für die Osterkerze. "Bis zur Osternacht sind sie da", verspricht Mally. Dann will die Gemeinde feierlich von der Salvatorkirche zurückkehren in ihre Hauptkirche. Die Osterkerze wird zurück gebracht, vor St. Moriz lodert ein Osterfeuer, und ein sechsjähriger Junge lässt sich taufen.


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