Leichenfund

Fünf Jugendliche sollen Obdachlosen in Coburg getötet haben

In Kürze werden die Ermittlungen gegen fünf Männer, die als Jugendliche in den 90er Jahren einen Obdachlosen getötet haben sollen, abgeschlossen sein. Dann kann Anklage erhoben werden. Die Tat liegt in jedem Fall noch innerhalb der Verjährungsfristen von mindestens 20 Jahren.
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Zwischen den Bäumen neben der Stadtautobahn hatten die Jugendlichen Mitte der 90er Jahre den getöteten Obdachlosen vergraben. Nach dem Hinweis eines Tatbeteiligten bargen Spezialisten im Februar 2014 das Skelett des Mannes.  Foto: CT-Archiv / Ulrike Nauer
Zwischen den Bäumen neben der Stadtautobahn hatten die Jugendlichen Mitte der 90er Jahre den getöteten Obdachlosen vergraben. Nach dem Hinweis eines Tatbeteiligten bargen Spezialisten im Februar 2014 das Skelett des Mannes. Foto: CT-Archiv / Ulrike Nauer
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Fünf Jugendliche aus Coburg sollen irgendwann zwischen Dezember 1995 und Februar 1997 in der Nähe der Stadtautobahn einen Obdachlosen getötet und die Leiche dann am Lauter-Ufer vergraben haben. 2014 wurden die Überreste geborgen und die Ermittlungen aufgenommen. "Auf dem Aktendeckel steht Mord", bestätigte Leitender Oberstaatsanwalt Anton Lohneis am Montag auf Nachfrage.

Doch ob es am Ende tatsächlich zu einer Mordanklage kommen wird, steht derzeit noch gar nicht fest. Infrage kämen auch Totschlag oder Körperverletzung mit Todesfolge. Offen ist momentan auch noch, wie der Mann genau gestorben ist und ob ihn nur einer der Jugendlichen getötet hat oder ob es mehrere waren. Dazu will beziehungsweise kann Lohneis derzeit noch nichts sagen.


Bei Verjährung verschätzt?

Einen der Beschuldigten, die heute alle Mitte 30 sind, plagte offenbar das schlechte Gewissen. Er ging im Februar 2014 zur Polizei und brachte den Stein ins Rollen. Am 7. Februar begannen Spezialisten an der Stelle, die ihnen der Mann genannt hatte, nach den sterblichen Überresten zu graben. Kurz darauf fanden sie ein männliches Skelett, nur wenige Meter neben dem Fuß- und Radweg, der von der Gaudlitz-Kreuzung, durch die Fußgänger-Unterführung am ehemaligen Milchhofgelände zum Kanonenweg führt.

Warum sich der Mann nach knapp 20 Jahren meldete, ist unklar. "Es kann sein, dass er sich mit der Verjährung vertan hat", mutmaßt Lohneis. Bei Körperverletzung mit Todesfolge - hier bewegt sich der Strafrahmen zwischen drei und 15 Jahren - beträgt die Frist 20 Jahre. Mord verjährt dagegen nie. Die Staatsanwaltschaft geht mindestens von Körperverletzung mit Todesfolge aus und hat Fahrlässigkeit so gut wie ausgeschlossen. Laut den Ermittlungen ist der früheste Tatzeitpunkt der 1. Dezember 1995, die 20-Jahres-Frist läuft also noch. Zudem wurde sie in dem Moment unterbrochen, als der Mann, der laut Lohneis "Tatbeteiligter" gewesen ist ("Das ist mehr als nur dabei sein!"), erstmals von der Polizei vernommen wurde.

Dass die Tat so lange zurückliegt wie auch das damalige Alter der fünf Beschuldigten, sei andererseits auch der Grund, warum keiner von ihnen in Haft sitze. Von Seiten der Kriminalpolizei seien die Ermittlungen abgeschlossen. Nun haben die Beschuldigten die Möglichkeit, durch ihre Rechtsanwälte Stellungnahmen zu den Vorwürfen abzugeben. Es sei durchaus möglich, dass das Verfahren gegen den einen oder anderen der Beschuldigten noch eingestellt werde, so der Leitende Oberstaatsanwalt.

Die Staatsanwaltschaft werde die Ermittlungen in Kürze abschließen. Anschließend kann Anklage erhoben werden. Ob der Prozess gegen die fünf Beschuldigten noch in diesem Sommer beginnen wird, konnte Lohneis allerdings noch nicht sicher sagen. Dass sich die Gerichtsverhandlung lange hinziehen wird, glaubt er indes nicht. "Ich denke nicht, dass es kompliziert wird."

Bei dem Opfer handelt es sich um einen Obdachlosen, der in Coburg in den 90er Jahren bekannt gewesen sein dürfte. Die Ermittler gehen davon aus, dass er 1956 geboren ist und aus Coburg oder Neustadt stammt. Zuletzt soll er in Meeder gelebt haben und beinahe täglich nach Coburg gelaufen sein, wo er meist an seinem Stammplatz am Parkhaus Post zu finden war.
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