Coburg
Neuanfang

Förderzentrum Coburg als ein "Ort der Liebe"

Am Mittwoch wurde am Max-Böhme-Ring das neue Förderzentrum für Kinder und Jugendliche mit Körperbehinderung eingeweiht.
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Der Chor der Heilpädagogischen Tagesstätte begrüßte die Gäste der Einweihungsfeier. Fotos: Rainer Lutz
Der Chor der Heilpädagogischen Tagesstätte begrüßte die Gäste der Einweihungsfeier. Fotos: Rainer Lutz
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Dunkel sei es gewesen und wenig einladend in der früheren Schule am Hofgarten, heißt es. Sie nennt sich noch immer so. Dabei steht sie jetzt gar nicht mehr am Hofgarten sondern auf der Bertelsdorfer Höhe. Jetzt wurde sie als Teil des neuen Förderzentrums für Kinder und Jugendliche mit Körperbehinderung eingeweiht - und das ist hell geworden und sehr einladend.
"Man merkt, dass die Kinder hier anders sind als in dem alten Gemäuer", stellte denn auch der Vorsitzende des Vereins Hilfe für das behinderte Kind Coburg, Ulrich Eberhardt-Schramm bei der Begrüßung fest. Er schilderte den Weg von der Suche nach einem geeigneten Grundstück über die Planungen bis zum Ersten Spatenstich im Jahr 2013. Jetzt, drei Jahre und 21 Millionen Euro später, freut sich wohl niemand mehr als die Kinder und ihre Lehrer und Betreuer, die künftig in den hellen und wirklich einladenden Räumen einen großen Teil ihres Tages verbringen.


Weihe durch den Landesbischof

Kein geringerer als der seiner Coburger Heimat verbundene evangelische Landesbischof von Bayern und Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, weihte das neue Haus und erbat Gottes Segen für das Förderzentrum und alle, die dort ein- und ausgehen.
Zum Thema "Lebensrecht und Würde des Menschen" zu sprechen, war ihm ans Herz gelegt worden. So baute der Geistliche seine Festrede auf einem Zitat von Kant auf, nach dem alles entweder einen Preis oder eine Würde habe. Würde sei etwas, das über jeden Preis erhaben ist. "Der Wert eines Menschen darf nie nach seinem ökonomischen Wert und Nutzen beurteilt werden", betonte Heinrich Bedford-Strohm.
Er warf einen kritischen Blick auf die Gefahr, die der Menschheit aus einer unglücklichen Verbindung zwischen den neuen und rasch wachsenden Möglichkeiten der Biotechnologie und der modernen Konsumkultur erwachsen könnte. Dabei betonte der Landesbischof, dass zu Themen wie den Grenzen, die der Gentechnologie gesetzt werden sollen, gerade in Deutschland eine wertvolle Diskussion geführt werde. Wissenschaft, Religion und Politik suchten Wege, die es erlauben, die neue Technik zu nutzen, um menschliches Leid zu mildern. Gleichzeitig werde darum gerungen, dabei die Würde und Unantastbarkeit menschlichen Lebens zu wahren.
Es blieb den Zuhörern überlassen, den gedanklichen Bogen zu schlagen, zu der Erkenntnis, dass das neue Förderzentrum einen beachtlichen Preis und Wert besitzt. Dass ihm jedoch erst die Menschen darin seine Würde verleihen. Bedford-Strohm fand dafür die Worte: "Nicht die Würdigkeit gibt den Ausschlag, sondern die Würde."
Welch hohe Würde die Kinder, Jugendlichen und ihre Pädagogen dem neuen Förderzentrum verleihen, das ließ Schülersprecher Simon Ringer spürbar werden. In wenigen Worten verstand er zu zeigen, was die Schüler an dem neuen Gebäude schätzen, wenn sie es mit dem alten "Gemäuer" vergleichen. Die Fachräume, in denen es sich viel besser lernen lässt, die Farben, die das Haus fröhlich machen, Pausenhof, Turnhalle, Toiletten und vor allem die großzügige Aula geben dem Ort eine Ausstrahlung, die nachvollziehen lässt, was Ulrich Eberhardt-Schramm meinte, als er sagte, die Kinder seien hier "anders". Signalisiert der Aufwand doch auch Wertschätzung gegenüber seinen Nutzern.


Räume mit vielen Möglichkeiten

Bei einer Führung durch das neue Förderzentrum musste sich Sabine Och, die stellvertretende Leiterin der Heilpädagogischen Tagesstätte, nicht viel Mühe geben, um deutlich zu machen, wie vorteilhaft die Einrichtung für alle pädagogischen Zwecke ausgestattet ist. Verstellbare Möbel, Hilfseinrichtungen und hervorragend ausgestattete Therapieräume stehen zur Verfügung. "Wir wollen die Kinder und Jugendlichen so gut wie möglich in die Lage versetzen, ihren Alltag später zu meistern und ein selbstbestimmte Leben zu führen", erklärt sie das Ziel des Zentrums. Das Rüstzeug dafür könnte kaum besser sein.
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