Coburg
Kunstsammlungen

Flora, Circe und Medea auf der Veste Coburg

Als seltenen Glücksfall bezeichnet Direktor Klaus Weschenfelder den Erwerb von Henry Cros Wachsrelief "Die drei Zauberinnen".
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Henry Cros (1840 - 1907): "Die drei Zauberinnen", 1881, Relief, farbiges Wachs mit Einlagen aus farbigem Glas und Ergänzungen in Ölmalerei, 48 cm x 33 cm x 6 cm.  Foto: Kunstsammlungen
Henry Cros (1840 - 1907): "Die drei Zauberinnen", 1881, Relief, farbiges Wachs mit Einlagen aus farbigem Glas und Ergänzungen in Ölmalerei, 48 cm x 33 cm x 6 cm. Foto: Kunstsammlungen
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Was genau es zu bedeuten hat, ist schwer zu sagen, aber erstens ist das so bei den Symbolisten und zweitens passt das neu erworbene Kunstwerk auf der Veste bestens in das historische Ambiente des Fürstenbaus: ein seltenes Wachsrelief des französischen Symbolisten Henry Cros (1840-1907), "Die drei Zauberinnen", das aber womöglich erst "Das Horoskop" hieß, was aber auch nicht erklärt, warum hier die Göttin der Blüte, Flora, Circe und Medea versammelt sind und was sie treiben.

Entzückend sind die drei jedenfalls, gefunden hat sie der Direktor der Kunstsammlungen, Klaus Weschenfelder, auf der Kunstmesse in Maastrich, und das Kunstwerk ist das einzige dieser Art, das in Deutschland ausgestellt werden kann. Die drei Frauen sind in der burgundischen Mode des Spätmittelalters gekleidet und befinden sich in einer intimen höfischen Szene von rätselhafter Bedeutung.

Henry Cros war dem Symbolismus im literarisch-künstlerischen Pariser Salon von Nina de Callias (1843 - 1884) verbunden. Bei dem Modell für Edouard Manets Gemälde "Dame mit dem Fächer", verkehrten zahlreiche Literaten und Wissenschaftler. Man befasste sich mit mittelalterlichen Stoffen und interessierte sich für die Mode jener Zeit.

Henry Cros war besessen von der Idee, farbige Skulpturen zu schaffen und suchte in der Plastik des späten Mittelalters und der Renaissance nach Vorbildern. Darüber hinaus experimentierte er mit der Farbfotografie und entwickelte seit den 1880er Jahre die Technik der Mehrfarb-Schmelzglastechnik (Pâte de Verre), um farbige Skulpturen und Reliefs in dauerhaftem Material umsetzen zu können.

Das Relief "Die drei Zauberinnen" gehört zu den wenigen, zwischen 1869 und 1882 entstandenen großen Wachsreliefs von Henry Cros. Neben den in gleicher Technik geschaffenen Portraits zeichnen sich die thematischen Reliefs durch die Verbindung von einem "gelehrten, einfühlsam interpretierten Historismus" (Jean-Luc Olivié) mit der lebendigen Rückbesinnung auf stilistische und technische Elemente alter Kunst aus.


Eine künstlerische Brücke

Die Neuerwerbung wird im Fürstenbau der Veste präsentiert. Sie fügt sich dort in die historistischen Raumfassungen des ab 1909 von dem Berliner Architekten Bodo Ebhardt für den letzten regierenden Herzog von Coburg, Carl Eduard, gestalteten Ambientes, erklärt Klaus Weschenfelder. Im Bestand der Kunstsammlungen schlägt das Relief eine Brücke zwischen der von Joseph Graf Deym von Stritez (1752 - 1804) aus farbigem Wachs geschaffenen Portraitbüste von Prinz Josias von Sachsen-Coburg-Saalfeld aus dem Jahr 1794 und den Pâte-de-Verre-Arbeiten von Henry Cros aus den 1890er Jahren. Ergänzt wird das Thema durch das Portraitrelief der Tänzerin Cléo de Mérode (1875 - 1966) von Georges Despret (1862 - 1952) in gleicher Technik.

Mit den drei Zauberinnen könne das anhaltende, im 19. Jahrhundert neu belebte Interesse der Kunst an farbiger Plastik in verschiedenen Materialen mit vorzüglichen Beispielen veranschaulicht werden, so Weschenfelder. ku/C.H.


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