In einer Ecke hauten Flüchtlingskinder auf die Pauke, der sechsjährige Bastian übte seine Treffsicherheit auf die Torwand und der 17-jährige Ramisch versuchte sein Geschick in Karate, der Spielmannszug Coburg spielte zünftig auf, an einem Tisch spielten junge Migranten Brettspiele und an vielen bunten Ständen informierten sich Menschen aller Nationalitäten: Es war ein buntes und fröhliches Treiben am Sonntag in der HUK-Arena. 57 Vereine und Institutionen aus der Region präsentierten ihre Angebote und ließen die Besucher in die Palette hineinschnuppern. Der erste Coburger "Markt der Möglichkeiten" des Stadtjugendrings in Kooperation mit der "Partnerschaft für Demokratie in der Stadt Coburg" und dem Sportverband Coburg und der Stadt Coburg zeigte allen Bürgern die Vielfalt Coburgs auf, diente der Verständigung und war rundum ein Erfolg.

Der Moderator Thomas Apfel zeigte sich "geflasht": "Bereits um 13 Uhr haben wir die Halle für Flüchtlinge geöffnet und 200 sind gekommen." Damit die Verständigung reibungslos klappte, waren auch Dolmetscher vor Ort. Auch Jürgen Heeb vom Sportverband freute sich über die wunderbare Zusammenarbeit. Die Begrüßungsrede von Coburgs Drittem Bürgermeister Thomas Nowak (SPD) wurde in Arabisch und Afghanisch übersetzt. Nein, betonte Nowak, als Krise sehe er die Flüchtlingssituation nicht, sondern als Chance. Nowak dankte den Coburgern für das große ehrenamtliche Engagement.


Der junge Syrer will sich hier eine Existenz aufbauen

Der 26-jährige Azad Mousa war mit seinen Freunden in der Halle unterwegs, er spricht fließend Englisch und versteht ein bisschen Deutsch; seit zwei Monaten lebt er in einer Gemeinschaftsunterkunft in Coburg. Er erzählte, dass er aus Syrien komme und mit dem Boot und zu Fuß nach Deutschland geflüchtete sei. Jetzt sei er froh, in Sicherheit zu sein. Die Menschen seien freundlich und hilfsbereit. "Wenn man offen auf die Menschen zugeht, dann kommt das zurück", ist er überzeugt. In sein Land könne er nicht zurück, dort in seiner Stadt sei alles zerstört. In Deutschland sehe er seine Zukunft, er wolle ein Studium beginnen und sich hier eine Existenz aufbauen sowie Kontakte mit den Einheimischen knüpfen.

Stefanie Zetzmann war in Doppelfunktion vor Ort, im Spielmannszug und bei der BRK-Bereitschaft. Sie fand die Veranstaltung rundum gut, und auch Kontakte mit den Flüchtlingen habe sie bereits geknüpft. "In Englisch funktioniert die Unterhaltung recht gut." Eine Sache musste sie los werden. "Es stört mich, dass sich die Einladung an Coburger, Neubürger und Flüchtlinge richtet und nicht einfach an alle Bürger." Damit schaffe man wieder Schubladen und das sei für die Integration nicht gut. Dies war aber der einzige Kritikpunkt, der an diesem Nachmittag anklang.


Aus Interesse da

Stefan Zimnik aus der Gemeinde Meeder berichtete, dass er aus Interesse gekommen sei. "Ich bin neugierig darauf, Menschen zu treffen, die sich für Flüchtlinge interessieren und engagieren", sagte er. Bei so einer Veranstaltung könne man sich viel besser kennenlernen als auf auf der Straße.

Auf einer Matte machte es sich unterdessen eine Gruppe Kinder bequem und lauschte einem russischen Märchen, das Frauen erzählten. Richard Reich vom Caritas-Verband von Stadt und Landkreis Coburg erklärte: "Das sind unser Stadtteilmütter, sie leisten einen großen Beitrag, denn sie sind die Türöffner." Die Frauen kämen aus Aserbaidschan, dem Libanon, Russland Afghanistan und Syrien und hülfen demnach bei der Verständigung mit den Asylsuchenden.