Coburg
Erfolg

Ernestinum sahnt doppelt ab

Die Klassen 10d und 7d des Coburger Gymnasiums belegten beim Schülerwettbewerb der Bundeszentrale für politische Bildung jeweils erste Plätze. Dafür werden sie nun mit Klassenreisen nach Paris beziehungsweise Bonn belohnt.
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Für die Klasse 10d war der Sieg beim Wettbewerb für politische Bildung eine echte Überraschung. Die Schüler hatten einen Fotoroman (ganz oben) zum Thema "Designer-Drogen" entwickelt. Fotos: Katja Nauer
Für die Klasse 10d war der Sieg beim Wettbewerb für politische Bildung eine echte Überraschung. Die Schüler hatten einen Fotoroman (ganz oben) zum Thema "Designer-Drogen" entwickelt. Fotos: Katja Nauer
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"Das gab es in 45 Jahren noch nie", sagt Hans-Georg Lambertz. "Das ist das erste Mal, dass eine Schule zwei Hauptpreise gewonnen hat. Aber die Leistung war einfach da." Lambertz ist der Leiter des Schülerwettbewerbs, den die Bundeszentrale für politische Bildung in Bonn jährlich auslobt. Er steht an diesem Donnerstag vor der Klasse 10d im Gymnasium Ernestinum und freut sich diebisch, dass die Überraschung geglückt ist.
Lehrer Norbert Berger und seine Klasse sind baff, denn erst eine Stunde zuvor stand Lambertz vor der Klasse 7d und beglückwünschte ebenfalls Berger und seine 25 Schüler zum ersten Preis in ihrer Altersklasse. Als der Tross aus Bonn dann zusammen mit Rektor Bernd Jakob auch in der zehnten Klasse eintrifft, rechnet niemand mehr damit, dass auch sie zu den Siegern des Wettbewerbs gehören.

Frenetischer Jubel

Doch so ist es: Beide Klassen gehören zu den
glücklichen Gewinnern des ersten Preises. Die Klasse 6d darf dafür im Juni nach Bonn fahren, die Schüler der 10d starten eine Woche zuvor nach Paris. Der Jubel ist entsprechend laut in der 22-köpfigen 10. Klasse, die auch ihren Lehrer frenetisch beklatscht. Der Startschuss für das Projekt fiel Anfang des Schuljahres 2014. Seitdem waren beide Schulklassen in je eine Aufgabe eingebunden, die sie dem Heft der Bundeszentrale entnommen haben. Im Dezember mussten die Ergebnisse abgegeben werden.
"Designer-Drogen" hieß das große Thema in der 10. Klasse. Die Schüler produzierten einen Fotoroman über den Lebensweg eines Abhängigen. Ihr 17-jähriger Klassenkamerad Tarek Legat stellte sich als "Fotomodell" zur Verfügung - in der Disco, im Krankenwagen, im Krankenhaus, bei der Polizei und im Gericht. "Wir haben uns richtig viel Arbeit gemacht", sagt zweiter Klassensprecher Adrian Müller - auch außerhalb der Unterrichtszeiten.
Die jüngeren Schüler stürzten sich ebenso emsig in ihre Aufgabe: Sie dokumentierten den Reiseweg eines Baumwoll-T-Shirts von der Herstellung bis zum Verkauf in Deutschland und fertigten ein großes Plakat dazu an. Damit setzten sie sich gegen 300 Konkurrenten durch.

"Riesenaufwand" betrieben

"Ein wichtiges Kriterium bei der Bewertung ist die Authentizität", erläutert Lambertz. "Die Wortwahl und die Aufmachung muss zum Alter der Schüler passen." Bei immerhin 2750 eingesandten Beiträgen weiß der Leiter des Wettbewerbs ein Team von rund 100 erfahrenen Lehrern hinter sich: "Das ist ein Riesenaufwand." In einem zweistufigen Jury-Verfahren werden schon einmal 25 bis 30 Prozent der besten Einsendungen herausgefiltert. In einer letzten Sitzung wird schließlich entschieden. "Dieses Jahr hatten wir 50 000 Teilnehmer", informiert Lambertz. Er lässt es sich nicht nehmen, zu jedem Preisträger persönlich zu fahren, und legt damit mehr als 4500 Kilometer zurück. Seit 45 Jahren veranstaltet die Bundeszentrale den Wettbewerb, an dem sich nicht nur deutsche Schulen, sondern auch Schulen in Österreich, Südtirol und im deutschsprachigen Bereich Belgiens und unterschiedliche Schulformen beteiligen - "alle mit gleichen Chancen", wie Lambertz betont.
Immer wieder ist der Wettbewerbsleiter begeistert, zu welch intensiver Auseinandersetzung die Klassen im Stande sind. Das Projekt habe das Ziel, dass die Schüler ihr Thema selbst entdecken und dabei organisiert strukturieren - aus eigenem Antrieb heraus. "Wir zeichnen keine Arbeit aus, die durch den Geistesblitz eines einzelnen Schülers entstanden ist", betont Lambertz. "Uns geht es um die Mitarbeit der ganzen Klasse."
Für Norbert Berger jedenfalls war es eine gelungene Überraschung. Der Studiendirektor nimmt seit 25 Jahren teil und weiß, wie der Wettbewerb "tickt". Wohl auch deshalb gehören seine Klassen jedes Jahr zu den Preisträgern. Bisher gab es allerdings erst zweimal eine Klassenreise, berichtet er. Dass seine Schüler jetzt damit gleich zweimal an der Reihe sind, findet Berger "fast schon peinlich".
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