Als unvorstellbar bezeichnete es Dekan Andreas Kleefeld, dass es auch heute noch Menschen gibt, die der nationalsozialistischen Ideologie des Dritten Reichs anhängen. Dass auch in der Gegenwart Menschen von Neonazis an Leib und Seele verletzt und getötet werden. Und all das unter den Augen des Verfassungsschutzes. Bei einer kurzen Andacht in der Morizkirche sagte er: "Hier bei uns soll sich jeder sicher und willkommen fühlen." Dekan Roland Huth und Christl Grünberg sprachen Gebete.


Schweigemarsch




Zur Andacht und zum Schweigemarsch hatten die Stadt, das evangelisch-lutherische Dekanat Coburg, die altkatholische Gemeinde und das evangelische Bildungswerk Coburg eingeladen. Damit wurde des ersten Sammeltransports jüdischer Mitbürger aus Coburg in ein Konzentrationslager gedacht. Der erste Transport startete am 27. November vor 70 Jahren. Mit Lichtern in der Hand zogen die Teilnehmer des Schweigemarsches von der Morizkirche zum Steinweg. Dort wurden vor dem Haus Nummer 16 zwei neue Stolpersteine für die jüdischen Brüder Leo und Heinrich Zeilberger verlegt.


Deportation ins KZ Dachau überlebt




In dem Gebäude lebten die Zeilbergers und betrieben im Erdgeschoss ein Modehaus. Schon in den 20er Jahren wurden sie angegriffen und zusammengeschlagen, die Schaufenster ihres Ladens zertrümmert. Im März 1933 holte man die Brüder früh aus ihren Betten, brachte sie in die Prügelstube und misshandelte sie. Im Mai kamen sie ins KZ Dachau. Sie überlebten, flüchteten 1937 nach Palästina, Heinrich später weiter in die USA. Beide sind bereits tot.


Patenschaften für Stolpersteine



"Leo und Heinrich Zeilberger schafften es, rechtzeitig aus Coburg wegzugehen. Den 37 Coburger Bürgerinnen und Bürgern, die Opfer der Deportationen wurden, gelang es nicht", stellte Oberbürgermeister Norbert Kastner (SPD) fest. Die Namen der Opfer wurden vor Ort verlesen.
Die Patenschaft über die zwei neuen Stolpersteine haben der Stadtverband von Bündnis 90/Die Grünen sowie Kathrin und Kai Freisler übernommen. Über 50 solcher Steine gibt es inzwischen. Die Biografien der Menschen, denen sie gewidmet sind, finden sich im digitalen Stadtgedächtnis.