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Coburg
Premiere

Ein Walzer-Traum wird wahr in Coburg

Das Landestheater hat ein ungestört klassisches "Aschenbrödel"-Ballett in der Choreografie von Mark McClain herausgebracht.
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Aschenbrödel (Nathalie Holzinger) und ihr Prinz (Federigo Frigo) vor bewältigtem Wäscheberg, den übrigens die Coburger zusammengetragen haben. Foto: Henning Rosenbusch
Aschenbrödel (Nathalie Holzinger) und ihr Prinz (Federigo Frigo) vor bewältigtem Wäscheberg, den übrigens die Coburger zusammengetragen haben. Foto: Henning Rosenbusch
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Walzer und nochmals Walzer. Und viel anderes auch noch, ja. Aber wer von Strauß- Walzern nicht genug bekommen kann, für den ist Mark McClains Tanzmärchen "Aschenbrödel" genau das richtige. Ganz in klassischer Tanzsprache belassen, erfüllt diese gut zweistündige Produktion das Herz der Ballettfreunde bis zum Überquellen.

Das Premierenpublikum im gut besetzten Haus wollte am Samstag vor Verzückung kaum mehr weichen.
Der frühere Puppenmacher der Augsburger Puppenkiste, Andreas Becker, hat wieder einmal eine Bühnenwelt erschaffen, in der sich eine liebenswerte Gesellschaft verrückt-fantasievoller Gestalten tummelt, zwischen dem düster-schrägen Haus der bösen Tante und dem leuchtenden Palast des Prinzen.

Mark McClain, assistiert von Tara Yipp, erzählt die Geschichte vom armen Aschenbrödel folgerichtig, an vielen Stellen zudem aber die Figuren tiefer tänzerisch erspürend. Witzig charakterisiert agieren Fuchs (Mariusz Czochrowski) und Ratte (Chih-Lin Chan), die (als eigene Märchenzutat) von der Fee (Eun Kyung Chung) dafür angestellt wurden, Aschenbrödel in ihrer Not beiseite zu stehen.

Mit ihrer Hilfe findet Natalie Holzinger als aus ihrer guten Seele strahlendes Aschenbrödel zu ihrem untadeligen Prinzen (Federico Frigo), der über die Bühne fliegt auf der Suche nach seiner Prinzessin, begleitet vom Prinzenfreund (Takashi Yamamoto) und dem König (Jaume Costa i Guerrero).

Die Coburger Tänzerinnen und Tänzer zeigten sich erneut auf hohem technischen Niveau und gleichzeitig fähig zu prägnanter Personengestaltung. (Die Ensembles gerieten bisweilen ein wenig wuselig). Dabei ist es wieder einmal Po-Sheng Yeh, der eine besonders markante Rolle in unvergesslicher Kennzeichnung gibt: diese skurrile Übertante (statt böser Stiefmutter) mit Riesenhaartolle. Ihr und ihren beiden Töchtern (Mireia Martinez Pineda und Yuriya Nakahata) könnte man in ihren Hänseleien, die gegen Aschenbrödel aber sehr böse ausschlagen, noch lange zugucken.


Skizzen in Coburg uraufgeführt

Besondere Aufmerksamkeit schon im Vorfeld erregte diese Ballettaufführung im Hinblick auf den Krimi um die aus der Wienbibliothek gestohlenen Strauß-Autographen. Das Ballett "Aschenbrödel" des Coburger Staatsbürgers Johann Strauß Sohn ist ja nur ein Fragment, das der Ballettdirektor der Wiener Hofoper, Joseph Bayer, aus weiteren Strauß'schen Kompositionen und durchaus eigener Feder zur Aufführungsreife brachte.

Am Samstag erklangen im Landestheater erstmals etwa 15 Minuten aus Skizzen, die 2008 dem Vorsitzenden der Johann-Strauss-Gesellschaft, dem Coburger Kapellmeister Ralph Braun, zum Kauf angeboten worden waren. Mit den Kopien, die er erhielt, arbeitete jetzt das Philharmonische Orchester des Landestheaters unter Leitung von Alexander Merzyn.

Was von all dem zu Hörenden nun tatsächlich alt und neu und von Strauß oder von Bayer in dessem Geiste ist, reizt die Fachleute. Der unermüdlich forschende Ralph Braun erklärt die verwickelten Zusammenhänge ein bisschen im Programmheft. Für Ballett- und Strauß-Freunde das Wesentliche ist jetzt, dass der Melodien- und Instrumentierungsreichtum, die heitere Ideenfülle von Johann Strauß Sohn in der Darbietung durch das Philharmonische Orchester das Landestheater erfüllt mit der nur so von Strauß kommenden Lebensleichtigkeit oder der Illusion davon.

Alexander Merzyn lässt die Musiker keineswegs in den Überschwang davon galoppieren. Es ist gerade ein Moment der Verhaltenheit, der dem unablässigen Melodienreigen immer wieder Tiefe gibt. Zum Schmelzen schön und märchenhaft verträumt beispielsweise erklingt das Vorspiel zum zweiten Teil.

Über zwei Stunden lang fügt sich ein in sich abgeschlossener Tanz an den anderen, jeweils mit Höhepunkt und markantem Finale, was das Publikum zu unablässigem Szenenapplaus bewegt. Davon wird man geradezu besoffen.

Landestheater Cobg "Aschenbrödel", Ballett von Mark McClain zur Musik von Johann Strauß Sohn. Musikalische Leitung Alexander Merzyn, Bühnenbild und Kostüme Andreas Becker, Dramaturgie Renate Liedtke.

Darsteller Natalie Holzinger, Federico Frigo, Po-Sheng Yeh , Mireia Martinez Pineda, Yuriya Nakahata, Eun Kyung Chung, Mariusz Czochrowski, Chih-Lin Chan, Takashi Yamamoto, Jaume Costa i Guerrero, Kinderballett, Statisterie. Es spielt das Philharmonische Orchester Landestheater Coburg.

Weitere Termine 20., 29., April, 4., 10., 12., Mai, 19.30 Uhr

Hintergrund "Aschenbrödel" ist ein fragmentarisch hinterlassenes Ballett (1899) von Johann Strauß Sohn (1825 - 1899), das der Leiter des Wiener Hofopernballetts, Josef Bayer, unter Verwendung von Strauß'scher Musik zur Bühnenreife brachte.
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