Coburg
Jubiläum

Ein Halleluja für den Coburger Chor Unerhört

Das zehnjährige Bestehen feierte Antoinetta Bafas' wagemutiger Klangkörper vereint mit Klazz Brothers & Cuba Percussion.
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Antoinetta Bafas Chor Unerhört, Klazz Brothers & Cuba Percussion vereinten sich im Kongresshaus zu einem herausragenden musikalischen Unternehmen.  Fotos: Albert Höchstädter
Antoinetta Bafas Chor Unerhört, Klazz Brothers & Cuba Percussion vereinten sich im Kongresshaus zu einem herausragenden musikalischen Unternehmen. Fotos: Albert Höchstädter
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Das ist wirklich ein Chor der unerhörten Art, Antoinetta Bafas Chor Unerhört. Seit die zweifelsohne außergewöhnliche, aus Bulgarien stammende Chorleiterin und Pianistin nach Coburg kam, hat sie mit zuvor nicht möglich gehaltenen Projekten überrascht, hat sie gezeigt, wozu Laien musikalisch fähig sind, wie erfrischend es ist, die Grenzen zum Professionellen zu überschreiten. (Was nicht bedeutet, Laien Kunst abzuverlangen, die sie nicht beherrschen.)
Zum zehnjährigen Bestehen ihres aus dem Nichts geschaffenen Chores hat Antoinetta Bafas am Sonntag nicht einfach nur ein Jubiläumskonzert gegeben. Was sicher so schon beeindruckend geworden wäre angesichts der Spannbreite des Repertoires, das in diesen zehn Jahren erobert wurde. Bafas griff gleich wieder einmal forsch nach den Sternen - und holte sehr wohl einen fantastisch funkelnden, klingenden in das volle Kongresshaus: Klazz Brothers & Cuba Percussion.

Das mit dem German Jazz Award und Echo Klassik ausgezeichnete, international die großen Hallen füllende und seinerseits musikalische Grenzen überspringende Ensemble, das vor Jahren auch einmal beim Tambacher Sommer verblüffte, gab seinerseits nicht einfach ein Konzert in Coburg. Zusammen mit dem 70-köpfigen Chor beschritt man neue Wege.
Dass der Kontrabassist Kilian Forster am Schluss staunend und sich verneigend bekannte "Das haben wir nicht erwartet", war offensichtlich keine Höflichkeitsfloskel. Im Verlaufe des dreistündigen Konzertes steigerten sich die Musiker und die Sänger in einen musikalischen Rausch des Miteinanders. Und nahmen ihr hingerissenes Publikum mit.
Christian Limpert führte gewandt durch die ereignis- und kunstreiche Geschichte des Chores, vom ersten Aufruf, dem, so Antoinetta Bafas, gleich 35 Singwillige mit eher versteckten Talenten folgten, über das erste wagemutige Projekt, das Musical "Oliver", das zeigte, dass dem Ehrgeiz entsprechendes Potenzial vorhanden war, über die hinreißend aufgeführte lateinamerikanische Misa Criolla, die Carmina Burana, die Jazz-Experimente bis zur Zusammenarbeit mit dem Landestheater. Viele Höhepunkte kamen am Sonntag noch einmal zur Aufführung, mit Milen Bozhkov und Andreas Engel, Jessica Uhlig, Benjamin Hübner und Silvia Willecke als Solisten.
Intonationsrein, die Kräfte der einzelnen Stimmen geschickt einsetzend, rhythmisch auch Vertracktem gewachsen, wendig den prägnanten Akzentuierungen der Chorleiterin folgend, nicht gehetzt oder gepresst - so erlebte man den Chor quer durch ein erstaunlich weit gespanntes Programm.
Die drei Klazz Brothers Kilian Forster, Tim Hahn (Schlagzeug) und Bruno Böhmer Camacho (Piano) zusammen mit den Kubanern Alexis Herrer Estevez (Timbales) und Elio Rodrigues Luis (Congas) waren sich nicht zu schade, den Chor zu begleiten. Schnell aber umwarben sich die beiden Klangkörper, stürzten sich und einander in jazzige Flippereien. Die "schöne blaue Donau" ließ ihre Wellen plötzlich im Salsa-Rhythmus schaukeln. Händels "Halleluja" zum Schluss - einfach nur noch verrückt.
Absolut herausfordernd zudem: Der Auftritt der sehr frei stimmlich malenden Jazzsängerin Maria Markesini. Whow, dieses Abenteuer. Sich improvisierend von allem und von einander zu lösen und sich dann wiederzufinden. Was die Combo nach der Pause in einer ausführlichen Session über einen Sirtaki auch für sich alleine tat. Wie überhaupt diese hervorragenden Musiker immer wieder solistisch faszinierten. - Ach, man möchte sich jedes Stück dieses Jubiläumskonzertes im einzelnen wieder und wieder in Erinnerung rufen.
Als wäre das alles noch nicht genug gewesen, überraschte der Chor mit Ernst Jandls Gedicht "Der Blitz", das dann auch noch raffiniert umgetextet wurde auf das eigene Chorleben - zur Geburtstagsüberraschung an die Chorleiterin. "Can you feel the love tonight", der zur eigenen Hymne erkorene Song von Elton John, holte dann auch noch einen Schwung ehemaliger Mitglieder auf die Bühne. - Wovon soll ich noch erzählen? Vom schärfsten Mambo aller Zeiten, Beethovens "Ode an die Freude"? Von den Schaudern, die das Gloria aus der Misa Criolla über den Rücken jagte? Es bedurfte eines Schlummerliedes, dem zärtlichen "Der Mond ist aufgegangen", um die Leute zum Verlassen des Kongresshauses zu bewegen.

Chor Unerhört Gegründet 2006 von Antoinetta Bafas mit 35 enthusiastischen "Novizen ohne Chorerfahrung", wie es im Rückblick des Chores heißt. Bis 2011 wurde Material für verschiedene große Konzerte erarbeitet. 2009 erstes eigenes Musical "Oliver" im Kongresshaus. Als große Themen-Konzerte wurden die Misa Criolla von Ariel Ramírez, Carl Orffs "Carmina burana", Duke Ellingtons "Sacred Concert" und das Weihnachtskonzert "Navidad Nuestra" gegeben. Insgesamt wurden über 100 Stücke erarbeitet.

Klazz Brothers & Cuba Percussion verbinden Jazz und klassische Musik auf vielfältige Weise. 2003 erhielten sie für "Classic meets Cuba" und 2006 für "Mozart meets Cuba" den Echo Klassik. Weitere Nominierungen und der German Jazz Award folgten.

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