LKR Coburg
ÖPNV

Ein Anruf - und der Bus kommt im Landkreis Coburg

Der neue Fahrplan mit zahlreichen Linien, die nur noch auf Bestellung befahren werden, tritt am Donnerstag in Kraft.
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Gewinnspiel, Flyer, Landkarten, Fahrpläne - mit einer Werbeoffensive begleiten der Landkreis Coburg und der OVF am Donnerstag ihr neues Nahverkehrsangebot. Michael Busch, Esther Heckmann, Frank Schäfer, Thomas Goller und Martina Nehring (von links) sind zufrieden mit den Unterlagen, die ab sofort in allen Rathäusern und dem Stadtbus-Büro am Coburger Theaterplatz ausliegen. Foto: Berthold Köhler
Gewinnspiel, Flyer, Landkarten, Fahrpläne - mit einer Werbeoffensive begleiten der Landkreis Coburg und der OVF am Donnerstag ihr neues Nahverkehrsangebot. Michael Busch, Esther Heckmann, Frank Schäfer, Thomas Goller und Martina Nehring (von links) sind zufrieden mit den Unterlagen, die ab sofort in allen Rathäusern und dem Stadtbus-Büro am Coburger Theaterplatz ausliegen. Foto: Berthold Köhler
An dem, was außendrauf steht, wird sich nichts ändern: Nach wie vor ist der Omnibusverkehr Franken (OVF) Partner des Landkreises, was den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) angeht. Aber mit dem 1. September, dem kommenden Donnerstag, gilt der neue Fahrplan für das Coburger Land. "Eine Umstellung in dieser Größenordnung hatten wir in der Geschichte unseres Unternehmens noch nicht", machte gestern Thomas Goller, Niederlassungsleiter beim OVF, die Dimensionen für sein Unternehmen an. Die wichtigste Änderung für die Fahrgäste: Bislang schwach genutzten Verbindungen werden zwar nicht gestrichen, aber durch Rufbus-Fahrten ersetzt.


"Das ist keine Sache, vor der man Angst haben muss"



Marita Nehring, ÖPNV-Beauftragte von Stadt und Landkreis Coburg, gab sich beim Blick in den neuen Fahrplan keine großen Illusionen hin: Der Rufbus werde seine Zeit
brauchen, ehe er sich in den Köpfen der Kunden festgesetzt habe. Ein halbes Jahr, mindestens. Dabei ist die Nutzung des Angebotes gar nicht so schwer: Wer sich telefonisch anmeldet, kann schnell und sicher eine Rufbus-Linie aktivieren und damit mobil im Landkreis unterwegs sein. "Das ist keine Sache, vor der man Angst haben muss", sagte Landrat Michael Busch bei der gestrigen Pressekonferenz im Landratsamt. Und zum Beweis zückte er sein Smartphone, rief bei der OVF-Servicenummer an und hatte schon nach drei Minuten die Bestätigung per SMS, dass er am kommenden Donnerstag um 10.55 Uhr von Autenhausen nach Seßlach fahren kann - mit einem Rufbus. Der, einfach gesagt, fährt nur dann, wenn er gebraucht wird. Wenn nicht, dann nicht...


So ganz neu sind Ruf-Angebote für die Menschen im Coburger Land ohnehin nicht. Es gibt ja jetzt schon einige Ecken, in denen der Personentransport auf Bestellung funktioniert. Aber so viele Rufbus-Linien wie im Coburger Land hat der OVF noch nie mit einem Auftrag übernommen, räumte Esther Heckmann, die Marktingleiterin des Partnerunternehmens der Deutschen Bahn ein: "Ein Rufbusangebot mit einem Umfang wie im Landkreis Coburg gibt es in Oberfranken kein zweites Mal."


Drei Jahre Vorbereitungszeit


Dass das neue ÖPNV-Konzept für den Landkreis nach drei Jahren Vorbereitungszeit nicht vom ersten Tag an reibungslos funktionieren wird, weiß auch Michael Busch: "Es wird am Anfang sicher mal hier und da haken." Der OVF bekommt derzeit den Termindruck zu spüren: Die zwölf von ihm bestellten nagelneuen Busse im Wert von zweieinhalb Millionen Euro bringt der Hersteller nicht bis Donnerstag her - sieben kommen am 9. September, fünf weitere wohl erst unmittelbar nach dem Start des Schuljahres. Dennoch zeigte sich Thomas Goller optimistisch: "Unsere Mitarbeiter sind hoch motiviert."


Die völlig neu strukturierten Busverbindung bringen für manche Teile des Coburger Landes deutliche Verbesserungen mit sich. Weidhausen und Untersiemau werden zum Beispiel ab sofort stündlich angefahren - das gab es bislang noch nicht. Neu auch: Die OVF-Busse kehren wieder in die Seßlacher Altstadt zurück! Und dies dauerhaft, auch wenn die neue Haltestelle am Markt derzeit noch ein bisschen provisorisch ausschaut. Man wolle erst einmal schauen, ob die Bürger den Standort annehmen, erklärte Goller. Für die Fahrt in die Altstadt musste der Linienbetreiber erst eine Sondergenehmigung einholen, weil die modernen OVF-Busse 3,20 Meter hoch sind. Das sind 20 Zentimeter mehr, als auf dem Schild für die Höhenbegrenzung stehen. "Aber bei Schrittgeschwindigkeit kommen wir durch", sagte Goller mit einem Schmunzeln.


Bloß nicht gleich ausflippen

Ein bisschen Geduld sollten die Bus-Passagiere in den ersten Tagen aber schon mitbringen. Und sollte mal eine Verbindung ganz und nicht klappen, dann wünscht sich der Landrat einen "konstruktiven Umgang" der Passagiere mit dem Startschwierigkeiten. Das soll heißen: Beim OVF Franken und die Probleme benennen - aber nicht gleich durch die Decke gehen.


Auch das ist neu beim ÖPNV im Landkreis Coburg


Freie Fahrt Bei den "Nahentdeckertagen" sind vom 1. bis 4. September sämtliche Fahrten - bei Rufbussen allerdings nur im Rahmen der beschränkten Kapazitäten - kostenlos. Dazu gibt es auch ein Gewinnspiel, bei dem es unter anderem auch eine Jahreskarte für den ÖPNV zu gewinnen gibt.

Wochenend-Ticket Insbesondere für Familien gedacht ist das Angebot, dass Erwachsene für fünf Euro einen Samstag oder Sonntag sämtliche Nahverkehrsangebote im Landkreis Coburg nutzen können.
Rufbus Wer das Angebot nutzen möchte, muss seinen Fahrtwunsch spätestens bis eine Stunde vor Linien-Start unter der Telefonnummer 09561/3550535 oder unter www.fahrtwunschzentrale.de anmelden. Fahrten, die vor 8 Uhr starten, müssen bereits am Vortag bis spätestens 17.30 Uhr angemeldet werden.

Spätangebote Einige Linien bieten ab sofort Spätfahrten an - unter anderem am Wochenende von Coburg (Abfahrt: 23.38 Uhr) über Scheuerfeld bis nach Seßlach.
Nur im Landkreis Aufgrund gesetzlicher Vorgaben, erklärte Frank Schäfer (ÖPNV-Beauftrager beim Landkreis Coburg), war es dem Landkreis nicht möglich, Buslinien über die Landkreisgrenzen hinaus auszuschreiben. Dennoch sind oder kommen bald landkreisübergreifende Verbindungen ins Angebot: nach Hildburghausen oder in den Landkreis Haßberge. Durchgängig gültige Fahrscheine können dafür erst in vier Wochen ausgedruckt werden. Bis dahin müssen sich die Kunden mit zwei Fahrscheinen behelfen.
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