Coburg
Interimsspielstätte

Das Landestheater in Coburg erhält Zweckbau mit 353 Plätzen als Zwischenlösung

Der Traum vom "Globe" ist ausgeträumt. Aus Kostengründen entscheidet sich der Stadtrat einstimmig für eine vor allem zweckmäßige Variante.
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So könnte die "ISS spar " auf dem Anger aussehen. Grafik: Stadt Coburg
So könnte die "ISS spar " auf dem Anger aussehen. Grafik: Stadt Coburg
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Es wird eine Spar-Variante: Das Landestheater erhält als Interimsspielstätte einen Zweckbau in Leichtbauweise mit 353 Zuschauerplätzen. Dem konnte der Stadtrat am Donnerstag einhellig zustimmen, auch oder obwohl etliche Stadtratsmitglieder für sich in Anspruch nahmen, den Anstoß für die Spar-Planungen gegeben zu haben.

Doch diesen Anstoß brauchte die Verwaltung offenbar gar nicht: Denn schon im Herbst, als das Raumprogramm für die Interimsspielstätte ausgearbeitet wurde, hatte sich gezeigt, dass die vom Stadtrat gesetzte Grenze von 7,5 Millionen Euro nicht zu halten sein würde. Bestätigt wurde das durch die sogenannte Marktkonsultation: Elf Firmen hatten sich gemeldet und Skizzen sowie Kostenschätzungen für eine Interimsspielstätte am Anger vorgelegt. Dabei zeigte sich, dass die Wunschlösung, nämlich ein Rundbau ("Coburg Globe") knapp zehn Millionen Euro kosten würde.


Ohne Angerhalle geht's nicht

Ein reiner Rundbau wäre es ja noch nicht einmal gewesen: Es sind gar nicht alle notwendigen Räume darin unterzubringen, wie zum Beispiel Lagerräume für den Fundus, die Masken- oder kleinere Werkstatträume. Es hätten 108 Container neben beziehungsweise hinter dem "Globe" aufgestellt werden müssen - und dann hätten Schauspiel und Orchester immer noch keine passenden Proberäume gehabt.

So kam es dann zur sogenannten Hybridlösung, wie Peter Cosack erläuterte, Leiter des Hochbauamts der Stadt Coburg: Der hintere Teil der Angerturnhalle mit Umkleide- und Technikräumen bleibt stehen. Darin ist alles unterzubringen, was das Theater zum Funktionieren braucht. Trotzdem war der neu zu errichtende Teil mit Zuschauerraum und Bühne noch zu teuer, obwohl es ein Modulbau mit vorgefertigten Teilen sein sollte, der auch wieder abgebaut und woanders wieder aufgestellt werden kann. Es wurde eine Million Euro billiger, als die Planer den Rundbau durch einen eckigen ersetzten, und es ging noch günstiger: Cosack verwies auf das Berner Interimstheater, das mit Standard-Bauelementen auskommt. So etwas kostet noch einmal gut 1,3 Millionen Euro weniger, und als auch noch bei der Bühnentechnik abgespeckt wurde, war die Kostenvorgabe endlich eingehalten: 6,7 Millionen Euro, wobei darin 700 000 Euro für den Abriss der Angersporthalle enthalten sind.


ISS = Interimsspielstätte

Bleiben also sechs Millionen Euro reine Baukosten. Das wäre immer noch mehr gewesen als ein Eilantrag von CSU, Pro Coburg, SBC und FDP gefordert hatte: Die Kosten für die Interimsspielstätte sollten bei fünf Millionen Euro gedeckelt werden. Doch auch die genannten Fraktionen stimmten für die von Cosack vorgestellte "ISS spar". "Unser Antrag hat die Diskussion und vielleicht auch diese Lösung unterstützt", meinte Jürgen Heeb (Pro Coburg), der das fraktionsübergreifende Bündnis gegen das "Globe" geschmiedet hatte. Am vergangenen Montag war dieses Bündnis an die Öffentlichkeit gegangen. Petra Schneider (SPD) und Gerhard Amend (CSB) widersprachen: Die neuen Entwürfe seien in den vergangenen zehn Tagen im Hochbauamt entstanden "nicht erst seit Montag", betonte Schneider. "Dass es bei den knapp zehn Millionen Euro für das ,Globe‘ nicht bleiben konnte, war allen klar."

"Der Pressetermin hat das Kostenbewusstsein ins Positive gewendet", meinte dagegen Jürgen Oehm (CSU): "Wir bekommen jetzt eine vernünftige Lösung, die rechteckig und gut ist. Das entspricht den Anforderungen eines Theaters für die Umbauzeit."


Orchestergraben oder Rampe?

Das Theater kann ohne Orchesterpodium (450 000 Euro) und ohne Drehbühne (150 000 Euro) auskommen, auf eine Obermaschinerie über der Bühne hätte es in der Interimsspielstätte ohnehin verzichten müssen. Ob es in der Interimsspielstätte einen Orchestergraben geben wird, ist laut Peter Cosack noch offen: Wenn er wegfällt, muss die Bühne erhöht werden, und dann müsste womöglich eine Rampe für die Laster gebaut werden, die die Bühnenbilder anliefern. Deshalb werde dieser Punkt noch geprüft.


Das ist beschlossen, so geht es weiter

Beschluss Der Bau der Interimsspielstätte soll maximal sechs Millionen Euro kosten. Dabei wird ein Neubau in Modulbauweise für Bühne und Zuschauerraum errichtet und ein Teil der alten Angersporthalle weiter genutzt. Nicht weiter verfolgt werden die Vorschläge Tournee-Theater ohne eigene Spielstätte, Ertüchtigung der Dreifachturnhalle und Globe-Theater auf Basis eines Entwurfs der Hochschule Coburg.

Anlass Am 31. Dezember 2018 endet die Betriebserlaubnis fürs Große Haus des Landestheaters. Bis dahin muss eine Interimsspielstätte zur Verfügung stehen. Zeitgleich soll die Sanierung des Traditionshauses am Schlossplatz beginnen. Sie wird mindestens vier Jahre dauern und voraussichtlich 66 Millionen Euro kosten.

Zeitplan Die Interimsspielstätte soll von einem Generalübernehmer geplant und errichtet werden. Deshalb wird die Verwaltung nun ein entsprechendes Ausschreibungsverfahren einleiten, das bis August 2017 abgeschlossen sein soll. Ziel ist, dass der Bau bis zum Jahresende 2017 genehmigt und 2018 abgeschlossen wird.


Stimmen aus dem Theater

Intendand Bodo Busse: Mit dieser Lösung kann das Theater optimal leben. Dass sich das Globe nicht würde realisieren lassen, war für mich schon länger absehbar.

Fritz Frömming, Kaufmännischer Direktor: Ich freue mich sehr über das einstimmige Ergebnis der Abstimmung. Es zeigt, dass man gemeinsam mehr erreichen kann.

Stephan Mertl, Schauspieler: Ich bin sehr froh, dass bei der Diskussion im Stadtrat auch an die Belange der Mitarbeiter des Landestheaters erinnert wurde.


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