Es ging nicht um eine moralische Bewertung von Prostitution. Monika Gagel vom Bauverwaltungsamt erläuterte den Mitgliedern des Bau- und Umweltsenats lediglich, unter welchen baurechtlichen Voraussetzungen Wohnungsprostitution, Bordelle und bordellartige Betriebe genehmigt werden können. Und da lag in Coburg einiges im Argen. "Wir waren durch anonyme Briefe darauf hingewiesen worden, dass es an mehreren Stellen in der Stadt Prostitution in Wohnhäusern gibt." Es seien Beschwerden von Nachbarn, Mitbewohnern und Hausverwaltungen, aber auch von Betreibern genehmigter Etablissements, ehemaligen Betreibern, Prostituierten und Konkurrenten eingegangen.
"Seit 2002 die Prostitution per Gesetz als Gewerbe freigegeben wurde, gibt es keine sittliche Bewertung mehr", sagte Monika Gagel. Dennoch: Es gibt baurechtliche Vorgaben, die einzuhalten sind. Denn Prostitution werde allgemein als eine dem Wohnen gegenüber störanfällige, gewerbliche Nutzung angesehen und bedürfe deshalb der Genehmigung. Prostitution gelte nicht als freiberufliche Tätigkeit.
Bordelle und bordellartige Betriebe sind in reinen und allgemeinen Wohngebieten nicht zulässig. Auch in sogenannten Mischgebieten haben sie nichts verloren. In der Kernstadt hingegen sind sie erlaubt, sofern keine wesentlich Störung von ihnen ausgeht oder ihre Einrichtung durch einen Bebauungsplan nicht ausgeschlossen wird. In Gewerbegebieten sind sie generell zulässig. Ähnlich sieht es bei der Wohnungsprostitution. Auch sie ist in Wohngebieten nicht erlaubt, in Mischgebieten aber zulässig. Hier müsse der Einzelfall geprüft werden.
Unter diesen Voraussetzungen machten sich die Mitarbeiter des Bauverwaltungsamtes an die Arbeit. Sie recherchierten im Internet und tauschten ihre Informationen mit dem Ordnungsamt und dem Einwohnermeldeamt aus. "Große Unterstützung erhielten wir von der Polizei", lobt Monika Gagel. Schließlich das Ergebnis: 15 Betriebe waren nicht genehmigungsfähig. Die Nutzung für die Prostitution wurde formlos oder förmlich untersagt, je nach konkretem Fall. Im vergangenen Jahr gab es zudem zehn Bußgeldverfahren, bei denen 20 825 Euro eingefordert wurden. Derzeit laufen noch zwei Einsprüche gegen die Entscheidung . Es gab acht formlose Anträge, zwei Vorbescheidsanträge und sechs planungsrechtliche Anfragen zum Thema Prostitution.
Derzeit existieren in Coburg drei genehmigte Bordelle oder bordellartige Betriebe: in der Dieselstraße, im Kanonenweg und im Eichhofweg. Genehmigte Wohnungsprostitution findet nach der Erkenntnis des Bauverwaltungsamts nur noch in drei Wohnungen in der Creidlitzer Straße statt. Monika Gagel räumt aber ein, dass es da auch eine Dunkelziffer geben kann. "Die Betriebe brauchen keine Gewerbegenehmigung"
Und welche Möglichkeiten gibt es aus baurechtlicher Sicht, gegen Prostitution in der Stadt vorzugehen? "Wir haben das Instrument des Sperrbezirksverordnung", erläutert Monika Gagel. Seit 1972 gilt das Bahnhofsviertel als Sperrbezirk. Außerdem sei eine Steuerung über ein Be bauungsplanverfahren möglich.