Coburg

Schubert trifft Mahler in Coburg: diese ewige Sehnsucht nach Glück

Als Konzertabend mit Rezitation kombinierte das dritte Programm des Coburger Festivals "Klanggrenzen" Gustav Mahler mit Franz Schubert.
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Konzertabend im Zeichen von Mahler und Schubert: Martin Emmerich, Fabian Wankmüller, Andreas Hilf und Heiner Reich (von links) gestalteten das dritte Programm des Festivals "Klanggrenzen" im großen Saal von St. Augustin. Foto: Jochen Berger
Konzertabend im Zeichen von Mahler und Schubert: Martin Emmerich, Fabian Wankmüller, Andreas Hilf und Heiner Reich (von links) gestalteten das dritte Programm des Festivals "Klanggrenzen" im großen Saal von St. Augustin. Foto: Jochen Berger
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Friedrich Rückerts Verse bilden die Brücke - die Brücke zwischen zwei Komponisten, die gut 60 Jahre trennen und die dennoch manches Verbindet. Die Sehnsucht nach dem Glück, das manchmal unvermutet nahe scheint und doch unerreichbar bleibt. Beide haben sie Gedichte des viele Jahrzehnte in Neuses bei Coburg lebenden Poeten und Orientalisten Rückert vertont - Franz Schubert und Gustav Mahler.


Eine Mahler- und Schubertiade bildete den dritten Baustein des vom Aramis-Trio organisierten Kammermusik-Festivals "Klanggrenzen". Zwischen Mahlers frühem Klavierquartett-Fragment und Schuberts spätem B-Dur-Klaviertrio spannte sich der vokal-instrumentale Bogen. Das Aramis-Trio mit dem Coburger Landestheater-Konzertmeister Martin Emmerich, dem Cellisten Heiner Reich und dem Pianisten Fabian Wankmüller präsentierte dabei im großen Saal des Pfarrzentrums St. Augustin in wechselnder Besetzung einen Konzertabend mit Rezitation.


Frederik Leberle, Schauspieler am Landestheater, stellte dazu mit klarer, prägnanter Diktion einige Abschnitte aus Peter Härtlings Buch "Schubert" vor - eine poetische Annäherung an ein Komponistenleben, das wie im Zeitraffer verlief. Nur 31 Jahre blieben Schubert zwischen Wiege und Bahre, zwischen Kindheit und Jugend im Schulhaus und der Unsicherheit eines ungeschützten Komponistenlebens. 31 Jahre, in denen Schubert Hunderte von Liedern schrieb, dazu Sinfonien und Streichquartett, Klaviersonaten und Singspiele, Opern und Messen.

In der szenischen Deutung von Schuberts "Winterreise" in der Fassung von Hans Zender hatte sich der junge Tenor David Zimmer in der soeben zu Ende gegangenen Spielzeit am Landestheater als überaus eindringlich agierender Schubert-Interpret erwiesen. Bei vier ausgewählten Rückert-Liedern bewies er zu Fabian Wankmüllers sensibler Klavierbegleitung sein Gespür für einfühlsam textbezogene Gestaltung.



Faszinierend gerieten dann fünf Rückert-Lieder Gustav Mahlers in der interessanten Bearbeitung für Klavierquartett und Tenor. Gemeinsam mit dem Bratschisten Andreas Hilf zauberte das Aramis-Trio eine bemerkenswerte Fülle an Klangfarben aus dieser Kammermusik-Fassung. Passend dazu gestaltete David Zimmer den Tenor-Part ebenfalls fein differenziert in der Farbgebung.
Der zweite Teil nach der Pause war dann Schuberts Klaviertrio B-Dur vorbehalten. Dem Aramis-Trio gelang eine Deutung, die deutlich werden ließ, wie nahe bei Schubert vermeintliche Fröhlichkeit am Rand des Abgrunds sich bewegt. Kein Wunder, dass sich das Publikum mit begeistert ausdauerndem Beifall bedankte.

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