LKR Coburg
Jahresauftakt

Die nassen Neujahrsbräuche im Coburger Land

Die Menschen des Coburger Landes sind wahrlich keine Mimosen - in der Bad Rodacher "Therme Natur" gehen die Schornsteinfeger mit den Gästen Kneippen, in Stöppach (Gemeinde Untersiemau) stürzen sich wagemutige Zeitgenossen in die 3,2 Grad kalten Fluten des örtlichen Dorfteiches.
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Robert Kirschner aus Creidlitz und Matthias Knoth aus Dörfles nach dem Neujahrsschwimmen in Stöppach. Foto: Michael Stelzner
Robert Kirschner aus Creidlitz und Matthias Knoth aus Dörfles nach dem Neujahrsschwimmen in Stöppach. Foto: Michael Stelzner
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"Nach einer tollen Silvesternacht ist das jetzt genau das Richtige", sagt Sven Bätz, während er am Neujahrstag in Stöppach (Gemeinde Untersiemau, Landkreis Coburg) aus dem Dorfteich - der 3,2 Grad Wassertemperatur hat - steigt. Für 20 Mutige hat das neue Jahr sehr erfrischend begonnen: mit Neujahrsschwimmen des Ski- und Freizeitclubs Stöppach.

Geschwommen wird im Dorfteich des Untersiemauer Gemeindeteil es nur in Badebekleidung und ohne Neoprenanzug. Jahr für Jahr wird die Veranstaltung immer beliebter und bekannter. Vor vier Jahren fand das Schwimmen im kleinen Kreis zum ersten Mal statt - seitdem wächst die Zahl der Teilnehmer (Männer und Frauen, übrigens) von Jahr zu Jahr. Dieses Mal waren es rund 20 Teilnehmer, die nicht nur aus Stöppach, sondern aus dem gesamten Landkreis und sogar aus Thüringen kamen und sichtlich viel Spaß im kalten Nass hatten. Einige waren zum ersten mal dabei - es gab aber viele, die schon im vergangenen Jahr die Sprung ins Dorfteichwasser gewagt haben.


Summer feeling

Das Prozedere ist immer gleich: Nach und nach stellen sich die Teilnehmer am Uferrand in der Nähe der Saugstelle auf und steigen in den Dorfteich. Manche haben sich sogar einen Schwimmreifen mitgebracht. Das vermittelte schon ein wenig Sommerfeeling in der kalten Jahreszeit. Der geübte Kaltwasserschwimmer weiß aber auch: Es ist schon etwas schmerzhaft, ins kalte Wasser zu steigen und dort zu bleiben. "Aber das ist aber gerade der Reiz", sagt Stephan Westhäuser der von Anfang an dabei ist und sich schon auf das fünfte mal freut. "Im kommenden Jahr haben wir dann schon ein kleines Jubiläum". An Selbstvertrauen mangelt es den Mitgliedern des Ski- und Freizeitclubs Stöppach jedenfalls nicht: "Im Sommer kann das jeder machen. Aber wird sind schließlich Skifahrer - und da liegt es doch nahe, so etwas im Winter zu machen", stellte Sabine Engelhard fest.
Eine Erkältung oder gar schlimmere Verletzungen hat sich bisher niemand der Akteure zugezogen. Immerhin: Heuer war es ein bisschen wärmer als in den Jahren zuvor, als am Uferrand noch Schnee lag und auf dem Wasser war eine kleine Eisschicht zu sehen war.


Nicht mal den kleinen Zeh

Die meisten Schwimmer verlassen bereits nach kurzer Zeit das sehr erfrischende Nass und wärmen sich am Uferrand in den bereitgestellten Regentonnen (die mit heißem Wasser gefüllt sind) wieder auf. Es gibt aber auch Hartgesottene, die durchschwimmen den kompletten Teich: hin und zurück. Einige Mutige zieht es nach dem Aufwärmen noch mal in den Teich. "Da bekommt man ja schon beim Zusehen Gänsehaut", ruft einer der Zuschauer. Viele von denen würden nicht einmal den kleinen Zeh ins Wasser halten.


Bad Rodach: Das Glück kommt im Viererpack

Wenn so ein Start in das neue Jahr kein Glück bringt: Am Neujahrstag Punkt 14 Uhr staunen die Gäste der "Therme Natur" in Bad Rodach nicht schlecht, als ihnen vier Kaminkehrer aus dem Landkreis Coburg in voller Berufs-Ausgehmontur direkt im Badebereich einen Besuch abstatten, viel Glück im neuen Jahr wünschen und auch noch Glücksmünzen verteilen.

Die Mannen um Bezirkskaminkehrermeister und -bevollmächtigten Moritz Schmidtlein (er stammt aus Bad Rodach) setzen damit eine Tradition fort, die sie vor rund 20 Jahren in den 90ern ins Leben gerufen haben. Die Gäste freuen sich und erwidern herzlich die Neujahrsgrüße.

Stine Michel, seit September eine neue Geschäftsführerin der "Therme Natur", lässt es sich deshalb nicht nehmen, die im Volksmund Schlotfeger genannten Brandschutzexperten zu begrüßen und gemeinsam mit ihrem Stellvertreter, Tim Hübner, durch das Themalbad zu führen und über Neuigkeiten zu informieren. Das Ganze wird von einem kleinen Besucher ebenso staunend und mit neugierigen Blicken verfolgt wie von den Badegästen: Der sieben Monate alte Nico Wolf, Sohn von Kaminkehrer Lars Kesch, jedenfalls scheint fasziniert zu sein vom Auftreten der Männer in Schwarz. Vielleicht schon ein Zeichen für seine künftige Berufswahl? Seine Eltern würde das bestimmt freuen...


Eine alte Geschichte

Die Kaminkehrer Moritz Schmidtlein, Lars Kesch (Coburg), Otto Norbert Grußka und Eiko Norman Grußka (beide Rödental) verweisen bei ihrem Besuch in Bad Rodach darauf, dass Ziel ihres Besuchs sei, mit persönlichen Gesprächen den Kontakt zu den Badegästen zu festigen und die Ernsthaftigkeit ihrer Wünsche für das kommende Jahr zu unterstreichen: "Wir werden im Volksmund schließlich auch mit Glücksbringern verglichen", erklärt Moritz Schmidtlein. Dies bekräftigt Otto Norbert Grußka, indem sich er kurz vor dem Start der Runde durchs Thermalbad erst einmal noch eine Prise Schnupftabak gönnt.
Hintergrund des Vergleichs mit Glücksbringern ist laut Moritz Schmidtlein die Tätigkeit, die über Jahrhunderte das Berufsbild der Kaminkehrer bestimmte: Das Kehren von Schornsteinen. Moritz Schmidtlein: "Damit wurden Brände verhindert, und das ist als Glückssymbol bis heute hängengeblieben."


Jetzt nur noch eine Rede

Die Runde führt die Kaminkehrer und ihren Tross vom Kneippbecken im Außenbereich über das Rundbecken, den Saunabereich bis zum Hauptbecken im zentralen Gebäude, wo sie ein letztes Mal (für dieses Jahr) Grüße übermitteln und Glücksmünzen verteilen. "Dort halte ich eine kleine Rede, und dann haben wir es schon geschafft!", ermuntern Moritz Schmidtlein seine Kollegen.
Die brauchen die Ermunterung aber gar nicht, sondern scherzen mit den Badegästen drauflos und halten hier und da ein Schwätzchen. Die einzige Frage, die unter den Schlotfegern am Freitag nicht geklärt werden kann, ist die: Wer hat den ältesten Zylinder auf dem Kopf? Dass dies aber an diesem Neujahrstag gar nicht so wichtig ist, bekräftigen sie gleich darauf, als sie Bitte von Therme-Natur-Geschäftsführerin Stine Michel erfüllen, auch ihren Mitarbeitern ein Quäntchen Glück mit auf den Weg zu geben. "Das", versichern alle Vier, "geht auf jeden Fall in Ordnung".


Die Öffnungszeiten der Therme Natur

Öffnungszeiten: Bis einschließlich Donnerstag, 6. Januar, hat das Bad Rodacher Thermalbad verlängerte Öffnungszeiten jeweils von 9 bis 23 Uhr (Sauna ab 10 Uhr). Erst ab dem Freitag, 8. Januar, gelten dann wieder die regulären Öffnungszeiten: montags bis donnerstags und sonntags jeweils bis 21 Uhr, freitags und samstags bis 23 Uhr.

Gäste-Info: Sie ist am Sonntag, 3. Januar, den ganzen Tag geschlossen.
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