Neustadt bei Coburg
Kooperation

Die Zukunft gemeinsam gestalten

Die evangelischen Kirchengemeinden im Neustadter Kessel haben einen Kooperationsvertrag unterschrieben.
Artikel drucken Artikel einbetten
Jetzt geht's los: Die Vertreter aller Kirchengemeinden im Neustadter Kessel wollen mit einer externen Beratung herausfinden, wie sie ihre Zukunft gemeinsam erfolgreich gestalten können. Unterschrieben haben den Vertrag (von links) Ulrike Schmidt-Rothmund, Ingrid Schelhorn, Romina Rieder, Sylvia Wittmann, Eva Grempel, Jörg Herrmann, Michael Meyer zu Hörste und Susanne Greiner-Schunk. Foto: Berthold Köhler
Jetzt geht's los: Die Vertreter aller Kirchengemeinden im Neustadter Kessel wollen mit einer externen Beratung herausfinden, wie sie ihre Zukunft gemeinsam erfolgreich gestalten können. Unterschrieben haben den Vertrag (von links) Ulrike Schmidt-Rothmund, Ingrid Schelhorn, Romina Rieder, Sylvia Wittmann, Eva Grempel, Jörg Herrmann, Michael Meyer zu Hörste und Susanne Greiner-Schunk. Foto: Berthold Köhler
Klingt ganz schön dramatisch: Die evangelischen Kirchengemeinden im Stadtgebiet haben jetzt einen Vertrag unterzeichnet und damit den Weg für eine Regionalberatung durch die Gemeindeakademie Rummelsberg geebnet. Klingt dramatisch, ist aber ganz harmlos und ein Zeichen guter Zusammenarbeit, sagt Pfarrer Michael Meyer zu Hörste von der Kirchengemeinde St. Georg: "Jetzt beginnen der Weg der Weiterentwicklung der Kooperation und eine intensive Zusammenarbeit der vier evangelischen Kirchengemeinden im Neustadter Kessel, um den vor uns liegenden Herausforderungen gewachsen zu sein."

Mit ihrem gemeinsamen Vorstoß, erklärt Meyer zu Hörste, entsprechen die Neustadter Gemeinden dem Ziel, das erst vor kurzem bei der Landessynode ausgegeben wurde: Den Kirchengemeinden wurde geraten, künftig mehr in Räumen zu denken. "Meine Gemeinde, deine Gemeinde" - so ein denken sei heute nicht mehr zeitgemäß. "Unsere Gemeinde" - dieser Geist müsse einkehren. Für die evangelische Kirche in Neustadt ist Zusammenarbeit ohnehin schon lange kein Fremdwort mehr. So gibt es zwischen Neustadt (St. Georg), Haarbrücken-Ketschenbach-Thann und Fechheim schon länger einen Kooperationsvertrag. Der wurde 2012 geschlossen, als der Stellenplan der evangelischen Landeskirche Kürzungen mit sich brachte. 2020 wird es eine neue Stellenplanung geben. Da passt es gut, sich schon jetzt darauf vorzubereiten und den bestehenden Vertrag um die Kirchengemeinde Wildenheid-Meilschnitz zu erweitern.


Erst mal die Hauptamtlichen

Als Haarbrücker Pfarrerin ist Romina Rieder auch in anderen Gemeinden der Stadt unterwegs. Sie ist es gewohnt, nicht in den Grenzen ihrer örtlichen Kirche zu agieren. Doch warum nicht weiter denken? Rieder kann es sich künftig gut vorstellen, dass jede Gemeinde ihre Stärken im Verbund noch mehr zur Geltung bringen kann. Man müsse sich doch andernorts nicht um die Ausgestaltung eines Familiengottesdienstes mühen, wenn zum Beispiel in Fechheim mit seiner tollen Kirchenband schon ein solcher anstehe.

Natürlich, sagt Michael Meyer zu Hörste, stehen in erster Linie einmal die Hauptamtlichen der Kirchengemeinden im Mittelpunkt der Beratung durch die Gemeindeakademie Rummelsberg. "Wir wollen zusammenfassen, wer was zu tun hat", sagt der Leiter des Neustadter Pfarramtes. Sind diese Fakten ermittelt, müsse vielleicht nicht mehr jeder alles machen. Da fällt Jörg Herrmann (Pfarrer in Wildenheid-Meilschnitz) ein Beispiel ein: "Kindergärten bringen enormen Verwaltungsaufwand mit sich. Da muss es möglich sein, dass wir uns gegenseitig entlasten." Da stimmt ihm seine Fechheimer Amtskollegin, Ulrike Schmidt-Rothmund, zu: "Wir müssen es schaffen, unsere Ressourcen geschickt zu nutzen." Dazu gehöre es auch, sich bei Veranstaltungen gegenseitig zu unterstützen - Angst, dass einem etwas weggenommen werde, dürfe dabei aber in keiner Kirchengemeinde aufkommen.

Beispiele dafür, dass die Neustadter Pfarrer gut miteinander können, gibt es jedenfalls zuhauf. Romina Rieder verweist auf die große Bühne der Neustadter St.-Georgs-Kirchengemeinde, die sich die Haarbrücker schon einmal für ihren Weihnachtsgottesdienst ausgeliehen haben. Michael Meyer zu Hörste ergänzt, dass es in der Konfirmandenarbeit bereits lange eine erfolgreiche Kooperation zwischen Neustadt und Haarbrücken gibt. Deutlich öffentlichkeitswirksamer und nicht minder erfolgreich war der Gottesdienst zum Auftakt des Neustadter Puppenfestivals auf dem Neustadter Marktplatz. "Der war ein gutes Beispiel für gute Zusammenarbeit", erinnert Romina Rieder.

Die großen Visionen wollen und werden die Pfarrer wohl erst nach der Beratung durch die Rummelsberger Spezialisten formulieren. Eine Sache wäre nach Ansicht von Michael Meyer zu Hörste aber sicher eine große Erleichterung: ein Koordinator für die kirchliche Arbeit in den Neustadter Seniorenheimen.
Die Pfarrer aus dem Neustadter Kessel sind sich im Klaren darüber, dass manch Gläubiger Sorge um die individuelle Identität seiner Kirchengemeinde haben wird. Dass diese nur bei älteren Gemeindemitgliedern aufkommen wird, glaubt Romina Rieder aber ganz und gar nicht: "Der Wille zur Kooperation ist keine Frage des Alters."

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren