Neustadt bei Coburg

Die Welt im Miniformat

Die neue Sonderausstellung im Museum der deutschen Spielzeugindustrie trägt den Titel: "Was heißt denn hier klein?"
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So fängt alles an: Günter Rohn bestückt eine Vitrine mit Gegenständen, die am Anfang bei der Entwicklung einer Figur gebraucht werden - Wachsmodelle und Gussformen. Foto: Berthold Köhler
So fängt alles an: Günter Rohn bestückt eine Vitrine mit Gegenständen, die am Anfang bei der Entwicklung einer Figur gebraucht werden - Wachsmodelle und Gussformen. Foto: Berthold Köhler
Sie ist klein, die Welt der Figuren der Firma Preiser, die auch in Neustadt eine Zweigstelle hat. Bei einem Maßstab von 1:408 schrumpft der Jumbojet auf Fingergröße, die Menschen daneben kann man nur noch mit der Lupe identifizieren. "Viel Arbeit und Kreativität", sagt Museumsleiter Udo Leidner-Haber, "steckt hinter diesen Figuren", die von heute an in ihrer gesamten Bandbreite bei einer Sonderausstellung im Museum der deutschen Spielzeugindustrie am Hindenburgplatz zu sehen sind.


Über ein Dutzend Dioramen sind im Raum für die Sonderausstellungen zu sehen. Sie zeigen das quirlige Vorfeld eines Bahnhofes, einen Flohmarkt, ein Rockkonzert. Und, wie passend zum derzeitigen Gastspiel in Coburg, auch das Gelände des "Circus Krone". Udo Leidner-Haber war schon beim Aufbau der Anlagen begeistert von der Detailtreue bei jeder Figur: "Hier wirkt nichts statisch, alles ist in Bewegung." Deshalb sind Preiser-Figuren nicht automatisch nur Teil
von Modelleisenbahnen, erklärt der Museumsleiter. Auch bei Architektenmodellen seien Miniaturen gefragt, um dort eine gewisse Lebendigkeit hineinzubringen.


Preiser hat zwar seit der Firmengründung seinen Stammsitz in Steinsfeld bei Rothenburg ob der Tauber, aber eine Verbundenheit mit Neustadt gibt es schon. Die Spielfiguren, die einst in der Hausser-Fabrik hergestellt wurden, sind so etwas wie "große Verwandte" der Preiser-Figuren. "Wir verwenden sogar alte Hausser-Formen", sagt Günter Rohn, der gemeinsam mit Lutz Drenkard die Sonderausstellung aufgebaut hat. Angefangen hat Paul M. Preiser mit handgeschnitzten Figuren aus Lindenholz, erst Mitte der 60er Jahre kam Kunststoff-Spritzguss auf.


"Die meisten Figuren kommen von uns"

Das Museum profitiert davon, dass Preiser mit seinen Figuren immer auf Fachausstellungen wie der Nürnberger Spielwarenmesse zu Gast ist. Die dort eingesetzten Ausstellungs-Dioramen machen auch den Großteil der Neustadter Präsentation aus. Wer noch mehr Preiser-Figuren sehen will, dem empfiehlt Rohn einen Besuch von Deutschlands größter Modellbahnanlage in Hamburg: "Die meisten Figuren, die dort zu sehen sind, kommen von uns."


Alle Aspekte der Spielzeugindustrie zeigen


Dass es diesmal keine Puppen in einer Sonderausstellung sind, ist für den Museumsleiter eine ganz selbstverständliche Sache: "Wir sind ja kein Puppenmuseum, sondern ein Industriemuseum." Da gehöre es zur üblichen Bandbreite, alle Aspekte der Spielzeugindustrie zu zeigen. Und das nicht nur mit szenischen Darstellungen, sondern auch mit Infotafeln und Vitrinen, in denen die Herstellung der Modellfiguren anschaulich dargestellt wird. Dabei lernt man nie aus: "Spritzling" heißt die kleine, unlackierte Figur, wenn sie aus der Form kommt.


Zeit, sämtliche Figuren der Dioramen zu zählen, hatte Günter Rohn bislang noch nicht. Aber, klar: Bei den großen Szenen macht es die Masse. So gibt es eine Zirkus-Darstellung, die ausschließlich auf Messen zu sehen ist. Sie hat weit über 1000 Figuren. Wer in Neustadt die Dioramen ganz genau anschaut, wird an verschiedenen Stellen vermeintlich deplatzierte Figuren erkennen. Sie gehören zu einem Suchspiel, das sich Udo Leidner-Haber für die Sonderausstellung ausgedacht hat. Ein pädagogisches Begleitprogramm, einen Figuren-Verkauf sowie Zusatzveranstaltungen rund um die Ausstellung wird es ebenfalls geben.

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