Neustadt bei Coburg
Gericht

Die Pistole an den Kopf gehalten

Mit vorgehaltener Waffe zwang ein Sonneberger die Mitarbeiterin einer Spielothek in Neustadt zur Herausgabe von 500 Euro. Seine ehemalige Freundin langte für ihn in die Kasse ihres Arbeitgebers und täuschte dafür einen Raubüberfall vor. Der Mann stand nun in Coburg vor dem Landgericht.
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Er hielt der Angestellten einer Neustadter Spielothek eine - angeblich ungeladene - Kaltgaspistole an den Kopf, überreichte ihr einen roten Stoffbeutel und verlangte mit den Worten "Geld her!" die Herausgabe der Kasseneinnahmen. Der 29-jährige Mann aus Sonneberg, der bei dem Raubzug rund 500 Euro erbeutete, war mit Tuch und Kapuze maskiert. Die junge Angestellte leidet noch heute unter der Tat, die sich kurz vor drei Uhr in der Nacht zum 22. Februar 2014 in einer Neustadter Spielothek ereignete.

"Immer war das Bild da, wo er mir die Waffe rangehalten hat", sagte die Frau, die ihre Anstellung aufgeben musste, weil sie seitdem nachts nicht mehr alleine arbeiten kann. Aus Rücksicht auf ihre psychische Gesundheit wurde ihre Zeugenaussage auch nicht im Gerichtssaal aufgenommen, sondern per Video übertragen.


Ehemalige Lebensgefährtin mit angeklagt

Für diese und weitere Taten stand am Montag der 29-jährige Sonneberger vor der ersten Großen Strafkammer des Landgerichts. Mit auf der Anklagebank saß die ehemalige Lebensgefährtin des Mannes, eine 31-Jährige aus Hannover. Die Frau arbeitete als Servicekraft in einer Neustadter Spielothek, die der Angeklagte öfters besuchte. Dort verspielte er an drei aufeinanderfolgenden Abenden im Dezember 2014 sein Geld. Um weiterspielen zu können, sollte ihm die Frau mit Bargeld aushelfen. Sie entnahm daraufhin insgesamt rund 800 Euro Bargeld aus der Kasse ihres Arbeitgebers.

Weil der Sonneberger das Geld jedoch nicht wie versprochen zurückzahlen konnte und damit der Fehlbetrag aufgefallen wäre, vereinbarten die beiden, einen Raubüberfall vorzutäuschen. Am 15. Dezember um 5.25 Uhr rief die Frau die Polizei: Ein großer korpulenter Mann russischer Herkunft habe sie mit einem Messer überfallen, berichtete sie. Tatsächlich fingierte ihr Exfreund den Überfall und stahl dabei weitere 800 Euro.

Deshalb musste sich der Sonneberger, der zurzeit in der Justizvollzugsanstalt in Kronach einsitzt, nicht nur wegen schwerer räuberischer Erpressung, sondern zudem wegen Unterschlagung in sieben Fällen und der Vortäuschung einer Straftat verantworten.


"Das war der größte Fehler meines Lebens", gestand die Neustadterin unter Tränen.

Der Tod seiner Mutter habe bei ihrem Lebensgefährten zu einschneidenden Veränderungen seiner Persönlichkeit geführt, sagte sie. Er habe nicht mehr arbeiten können und sei "total abgerutscht".
Die Frau hat ihn schließlich verlassen: "Seine Alkoholsucht hat alles kaputt gemacht", sagte sie. Weil der Mann seine Schulden nicht pünktlich zur Kassenprüfung habe zurückzahlen können und sie Angst gehabt habe, ihre Arbeit zu verlieren, habe sie mitgemacht und den Überfall vorgetäuscht. Danach habe sie ihren Kollegen "nicht mehr in die Augen gucken" können.

"Ich habe mir die Kanne gegeben, um den Kopf frei zu kriegen", sagte der Angeklagte, der in vollem Umfang ein Geständnis ablegte. Der Grund für den Überfall, den er alkoholisiert begangen haben will, sei Geldnot gewesen, erklärte der Mann, der zurzeit arbeitslos ist.


Bundeszentralregister mit acht Vorstrafen

Insgesamt acht Vorstrafen verzeichnete das Bundeszentralregister, darunter Fahren ohne Fahrerlaubnis, Diebstahl und schwere Körperverletzung. Im Jahr 2013 wurde der Sonneberger außerdem verurteilt, weil er seine ehemalige Lebensgefährtin, die als Mitangeklagte auf der Anklagebank saß, mit der Faust geschlagen hatte.
Ein Spezialist der Polizei erklärte, ein Schuss aus der Pistole, die der Mann bei dem Überfall benutzt hatte, könne lebensbedrohliche Verletzungen verursachen, vor allem, wenn sie auf Auge oder Hals abgefeuert würde. Zum Führen sei außerdem der Große Waffenschein nötig. Facharzt Christoph Mattern, der die psychiatrische Begutachtung des Angeklagten vorgenommen hatte, bescheinigte dem Thüringer eine psychische Abhängigkeit vom Alkohol und eine unsichere Persönlichkeitsstruktur. Zusammen mit seinem Crystal-Meth-Konsum sei vorhersehbar, dass der Angeklagte wieder straffällig werde. Mattern sprach von einem "Straftatmuster" und empfahl dringend eine Langzeittherapie.


Viereinhalb Jahre Gefängnis

Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten. Außerdem ordnete es die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Die ehemalige Lebensgefährtin erhielt eine Freiheitsstrafe von sieben Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.
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