Coburg
Einweihung

Die Kohary-Gruft in der Coburger Kirche St. Augustin ist saniert

Ein kostbares kulturelles Erbe, die Kohary-Gruft in St. Augustin, ist saniert. Es rankt sich eine große Adelsgeschichte um diese Begräbnisstätte.
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Domkapitular Norbert Jung segnet die renovierten Räume in der Krypta von St. Augustin.Foto: Martin Koch
Domkapitular Norbert Jung segnet die renovierten Räume in der Krypta von St. Augustin.Foto: Martin Koch
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Mit der Wiedereinweihung der Kohary-Gruft am vergangenen Sonntag ist die Gesamtsanierung der römisch-katholischen Stadtpfarrkirche St. Augustin einen weiteren großen Schritt vorangekommen. Bereits im März dieses Jahres wurden die eigentliche Kirche sowie Nebengebäude und Außenanlagen ihrer Bestimmung übergeben. Die Segnung der Räume im Untergeschoss der St.-Augustin-Kirche nahmen Domkapitular Norbert Jung aus Bamberg und der Coburger Dekan Roland Huth vor.

Prof. Helmut Kollo, Kirchenpfleger von St. Augustin, wies in seiner Begrüßung darauf hin, dass die Sanierung der Kohary- Gruft im Geiste der Bauzeit und weitgehend authentisch erfolgt sei, während die neue Gestaltung der Pfarrkirche darüber eine in der Gegenwart verankerte klare Formensprache verzeichne.
Kollo zitierte das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege: "Die neugotische Kirche mit ihrer bis in die Ausstattung hinein sehr gut erhaltenen fürstlichen Gruft ist aus künstlerischen und historischen Gründen von überregionaler, europäischer Bedeutung und prägt das kulturelle Erbe der Bundesrepublik Deutschland mit."


Fördergelder flossen aus mehreren Töpfen

Prof. Kollo dankte dankte den beteiligten Handwerkern und Baunternehmen sowie dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege für die Unterstützung bei den Sanierungsmaßnahmen. Die entstandenen Kosten gab er mit rund 300 000 Euro an. Zur Finanzierung haben unter anderem das Erzbistum Bamberg, die Oberfrankenstiftung, die Bayerische Landesstiftung, die Stadt Coburg und der Förderverein Bauhütte St. Augustin Coburg beigetragen. Die Auflistung ist natürlich unvollständig. "Die Pfarrei St. Augustin wird sich auch weiterhin um den Erhalt der Bausubstanz, der Grablegen und des Inventars sorgen", versicherte der Kirchenpfleger. "Wir wollen unser kostbares kulturelles Erbe an die folgenden Generationen weitergeben."

Ehrengäste bei den Einweihungsfeiern waren auch Maria Carolina Freiin von Baratta-Dragono und weitere Familienangehörige aus der Nachkommenschaft der einstigen Linie Sachsen-Coburg und Kohary. Freiin Maria Carolinas Mutter Josefine Maria Anna Leopoldina von Sachen-Coburg und Gotha ist bislang als letzte Angehörige der Familie im Jahr 1997 in der Kohary-Gruft beigesetzt worden.


Aufschlussreicher Festvortrag

Magister Günter Fuhrmann aus Wien wies in einem Festvortrag vor der eigentlichen Einweihung der Krypta auf den Werdegang des Hauses Kohary und die Verbindung mit dem Haus Sachsen-Coburg und Gotha hin. Es gebe zwei verschiedene Legenden zum Ursprung der Grafen Kohary, die aber bis in die Zeit des heiligen Königs Stephan I., des ersten Königs des Landes, hinweisen. Fuhrmann beschrieb den Aufstieg der Grafen Kohary im engen Zusammenhang mit dem Geschlecht der Habsburger, Habsburg-Lothringen war bis 1918 das Königshaus von Ungarn. Koharys schafften es unter den Habsburgern bis in die ungarische Staatsspitze als Vizekanzler.

Die Eheschließung von Maria Antonia Kohary und Prinz Ferdinand Georg von Sachsen-Coburg und Saalfeld im Jahr 1816 führte zur Verbindung beider Familien. Das Herzogtum und die Familie Sachsen-Coburg seien durch zahlreiche Erbteilungen damals sehr verarmt gewesen, dafür sei aber die Familie Kohary sehr vermögend gewesen. "Ein Landbesitz von 150 000 Hektar, 40 Schlösser, Bergwerke und Industrieanlagen", sagte Fuhrmann. "Das Barvermögen wird mit 20 Millionen Goldfranken angegeben, ein mehrfacher Euro-Milliardenwert." Der Reichtum eines Ehepartners und die Armut des Bräutigams müssen ja kein Widerspruch sein. Es soll eine echte Liebesheirat und später eine glückliche Ehe gewesen sein. Letzten Endes sprang für den Schwiegervater Franz Josef Kohary des Coburger Prinzen eine "Beförderung" heraus, der Graf wurde zum Fürsten erhoben. Er war allerdings auch der erste und letzte Fürst Kohary. Maria Antonia war das einzige überlebende Kind. Mit dem Tod von Fürst Franz Josef waren die Koharys im Mannesstamm erloschen.


Ebenbürtige Prinzessin

Aus der Komtesse Maria Antonia wurde eine dem Prinzen Franz Ferdinand von Coburg ebenbürtige Prinzessin, und weil das in ungarischen Adelskreisen notwendig war, wurde der vormals evangelisch-lutherische Prinz aus dem Stammland der Reformation römisch-katholisch. Zar Ferdinand von Bulgarien, der wohl prominenteste Leichnam in der Unterkirche von St. Augustin, ist der Enkel von Maria Antonia und dem Coburger Prinzen Ferdinand Georg. Magister Fuhrmann wies noch auf die Verbindungen der Koharys mit dem portugiesischem Königshaus Sachsen-Coburg-Braganza und dem brasilianischem Kaisertum hin.
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