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Coburg
Landestheater Coburg

Die Körper der verführten Seelen in Coburg

Ein Tanzabend im Großen Haus des Landestheaters Coburg fasziniert mit unterschiedlichen Körpersprachen in den Choreografien von Demis Volpi, Young Soon Hue und Mark McClain. DasPremierenpublikumwar hingerissen. Landestheater CoburgEin Tanzabend im Großen Haus fasziniert in unterschiedlichen Körpersprachen mit den Choreografien von Demis Volpi, Young Soon Hue und Mark McClain.Landestheater I Ein Tanzabend im Großen Haus fasziniert in unterschiedlichen Körpersprachen mit den Choreografien von Demis Volpi, Young Soon Hue und Mark McClain.Landestheater I Ein Tanzabend im Großen Haus fasziniert in unterschiedlichen Körpersprachen mit den Choreografien von Demis Volpi, Young Soon Hue und Mark McClain.
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Verführung ist das zentrale Thema des großen Tanzabends im Landestheater, im erotischen Sinne in Demis Volpis "Hypnotic Poison", die gesellschaftliche in Form von Konsum und Erfolgsstreben bei Young Soon Hue.  Fotos: Henning Rosenbusch
Verführung ist das zentrale Thema des großen Tanzabends im Landestheater, im erotischen Sinne in Demis Volpis "Hypnotic Poison", die gesellschaftliche in Form von Konsum und Erfolgsstreben bei Young Soon Hue. Fotos: Henning Rosenbusch
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Verlockt, verführt, verloren. Wie funktioniert dieser Mechanismus, der vernunftbegabte Wesen wie den Menschen der Macht anderer verfallen lässt? Der den geduldigen Fischer in die Arme von Goethes "feuchtem Weibe" treibt? Halb zog sie ihn, halb sank er hin. Und ward nicht mehr gesehn. - Da taucht der Tänzer Federico Frigo zur Nixe Chih-Lin Chan ins tief in den Bühnenboden eingelassene Wasserbecken. Und taucht ab. Ein schrecklich-schöner Moment im neuen großen Tanzabend des Landestheaters Coburg, der drei halbstündige Choreografien von zwei namhaften Gastchoreografen und dem heimischen Ballettchef Mark McClain präsentiert.

Der konnte dank seiner guten Beziehungen zum Stuttgarter Ballett, dem er ja selbst entstammt, den jungen Hauscho reografen Demis Volpi mit seinem so herausfordernden wie unter die emotionale Haut gehenden Stück "Hypnotic Poison" für Coburg verpflichten. Das am Ende des Abends vollkommen hingerissene, aber zahlenmäßig viel zu kleine Premierenpublikum tauchte über die prägnanten und vielfach überraschenden Bewegungsprachen der Körper bei Volpi wie später dann bei Young Soon Hues Stück "Contrast" tief in die Gründe der menschlichen Seele. Warum waren am Samstag zu so spannendem Tanztheater so wenig Besucher gekommen?

Zeichenhaft aus dem Dunkel

Die Kompositionen der amerikanischen Avantgarde-Sängerin Diamanda Galás treiben bei Volpi in aberwitzigem, irgendwann kreischendem Gelächter, in obsessiv gesteigertem Sirenengesang oder in Trommelrhythmen die Körper in den Abgrund der Begierde und der Täuschung. Volpi lässt die Paare dazu in pa ralleler, immer wieder auseinanderstrebender Führung zeichenhaft durchs Dunkel ziehen.

Das Stück der rund um den Globus geschätzten südkoreanischen Choreografin Young Soon Hue, die 2012 schon einmal in der Coburger Reithalle zu erleben war, zeigt in seinem atemberaubenden Tempo, seiner technischen Raffinesse und mitreißenden Expressivität den Irrsinn unseres veräußerlichten Lebensstils. In einer Flughafen-Szenerie hetzen die Menschen durcheinander, jeder gefangen in seinen verdrängten Sehnsüchten. Die treibende Minimalmusic von John Adams bringt die solistisch immer wieder beeindruckende Coburger Ballettkompanie jetzt auch zu bis dahin kaum gesehener synchroner Perfektion.

Blick dann, im Kontrast, ins Innere der Gehetzten, wenn das Ensemble, entkleidet von allem Äußerlichen und konzentriert auf die bloßen Körper, zu intensiven Pas de deux findet. Jedes aus der Komposi tion "Uoon 1" von Alva Noto und Ryuichi Sakamoto ersteigende Bewegungsbild erscheint skulptural ausgeformt, man möchte jeden Moment festhalten.
Mark McClaines im Jahr 2000 in Leipzig uraufgeführtes Stück "Bewitches, Bothered & Bewildered - benannt nach einem Titel von Ella Fitzgerald - lässt die Tänzerinnen der Coburger Company in unterschiedlich charakterisierenden Solos und dem vertrauten, eher im Klassischen bleibenden Tanzstil McClains den endlosen Liebesverstrickungen nachspüren, zu melancholischen Jazzsongs, von Nina Simon, Billie Holiday und anderen.

Landestheater Coburg "Hypnotic Poison" - Tanzabend mit Choreografien von Demis Volpi, Mark McClain und Young Soon Hue. Mit Eriko Ampuku, Chih-Lin Chan, Eun Kuyng Chung, Natalie Holzinger, Laurent Sargent/Kozue Tashiro; Jaume Costa Guerro, Federico Frigo, Adrian Stock, Po-Sheng Yeh, Takashi Yamamoto.

Weitere Vorstellungen am 13., 18., 20., 29. März, 19.30 Uhr im
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