Coburg
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Die Glücksministerin in Coburg

Gina Schöler hat aus einem Studentenprojekt ein Ministerium gemacht. Was da genau dahinter steckt, erzählt sie am Mittwoch und möchte bei den Coburgern den Entdeckergeist wecken...
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Sie nennt sich eine Detektivin der kleinen Dinge: Gina Schöler.
Sie nennt sich eine Detektivin der kleinen Dinge: Gina Schöler.
Wie wird man vom passivem Erdulder und strikten Planer zum optimistischen und glücklichen Gestalter des Lebens? Am heutigen Mittwoch kommt die Glücksministerin Gina Schöler an die Hochschule Coburg. Sie wird ihre Kampagne "Ministerium für Glück und Wohlbefinden" vorstellen und von ihren Aktionen, Ideen und Begegnungen der letzten drei Jahre erzählen.

Tageblatt:Wie kommt man auf die Idee, ein Glücksministerium ins Leben zu rufen?
Gina Schöler: Das Projekt hat seine Ursprünge an der Hochschule Mannheim, Fakultät für Gestaltung. Ende 2012 bekamen wir, damals eine Gruppe von neun Masterstudenten, die Aufgabe, mit unseren kreativen und kommunikativen Fähigkeiten eine Kampagne zu skizzieren, die innerhalb der Gesellschaft einen Wertewandel anstößt, gestaltet und begleitet.
In Zeiten von Unsicherheit und Ungleichheit sollte den Menschen eine Art inspirierende Plattform geboten werden, auf der man gemeinsam erarbeiten kann, in welcher Gesellschaft wir leben möchten und was wir für ein gutes und glückliches Leben brauchen. In der Ideenphase sind wir auf Bhutan gestoßen und haben uns vom Bruttonationalglück inspirieren lassen. So ist die freche Metapher des Ministeriums entstanden, anhand der wir die multimediale Kampagne aufgezogen haben.

Was steckt konkret dahinter?
Das Ministerium für Glück und Wohlbefinden ist ein unabhängiges und interaktives Kunstprojekt, was in Form einer multimedialen Kampagne mit verschiedenen, kreativen und alltagsnahen Aktionen und Angeboten die Menschen motivieren und inspirieren möchte, sich mal wieder einige wichtige Fragen zu stellen und dahingehend aktiv zu werden: Was macht mich glücklich und was kann ich dafür tun oder ändern?
Aus dem Studentenprojekt entstand die Masterarbeit von Daniel Clarens und mir und seit Anfang 2014 habe ich daraus meinen Beruf gemacht, da das Thema mich vollkommen mitreißt und ich die Kampagne samt gemeinnützigem Part weiterführen möchte.

Was möchten Sie damit bewegen? Erhoffen Sie sich ein Umdenken? Gibt es einen Stufenplan - Schritte zum Glück...?
Das Ziel ist es, als Impulsgeber die Menschen zu erreichen und sie mit vielen interaktiven und spielerischen Aktionen einzuladen, sich mal wieder mit dem persönlichen - und somit auch mit dem gesellschaftlichen - Glück auseinanderzusetzen. So merken sie schnell, dass es nicht nur Sinn, sondern auch Spaß macht, sich experimentell dem eigenen Glück zu nähern.
Und wenn die Leute nur einen ganz kleinen positiven Impuls bekommen und etwas an ihrer Haltung oder am Verhalten ändern, dann kann schon Großes geschehen. Oft merken sie schnell, dass es gar nicht schwer ist, sich auf seine ganz eigene Suche nach dem Glück zu machen und dass es viel öfter da ist, als wir es denken. Man muss es nur wahrnehmen. Und genau dieses Bewusstsein ruft das Ministerium für Glück und Wohlbefinden in vielen verschiedenen Varianten hervor.
Einen Stufenplan gibt es nicht. Das Thema ist so individuell wie jeder von uns selbst. Die Suche nach dem Glück ist ein bisschen wie ein Labyrinth. Man weiß nie genau, wann man wo ankommt. Manchmal verirrt man sich, kehrt um, probiert einen neuen Weg aus. So merken wir aber, dass der Weg das Ziel ist und dass es eben nicht darum geht, irgendwo anzukommen, sondern dass das Glück oft direkt vor unserer Nase darauf wartet, entdeckt zu werden.
Aber es geht eben darum, den ersten Schritt zu machen, mutig zu sein, sich aufzumachen und den Entdeckergeist zu wecken.

Wie wollen Sie die Coburger glücklicher machen?
Die Coburger sind herzlich eingeladen, heute zum Filmabend an die Hochschule Coburg zu kommen. Hier schauen wir gemeinsam den Film "Speed - Auf der Suche nach der verlorenen Zeit", diskutieren über dieses Thema und die Zuschauer bekommen zudem noch einen kleinen Einblick in die Kampagne des Ministeriums.
Am nächsten Tag, Donnerstag, gibt es für Studierende und Mitarbeiter einen Tagesworkshop von meinem Kooperationspartner Jochen Gürtler (Business Coach und Design Thinker) und mir. Der Workshop heißt "redesign YOU - Das eigene Glück finden und gestalten"; redesign YOU ist ein interaktives Workshopformat, welches sich mit vielen bunten Aktionen und Aufgaben dem Glück widmet.
Mit der kreativen Herangehensweise des Design Thinking und dem persönlichen Thema Glück werden die Teilnehmer intensiv eingebunden, um sich den eigenen Antworten, Werten und Visionen zu nähern.
Wir arbeiten mit viel Spaß und Interaktion daran, vom passivem Erdulder und strikten Planer zum optimistischen und glücklichen Gestalter des Lebens zu werden. Mit den Methoden aus dem Design Thinking, dem systemischen Arbeiten, der humanistischen Psychologie und der Gestaltarbeit binden wir Herz und Verstand ein und lassen Raum für Aktion, Bewegung, echte Begegnung und Stille. In diesem Workshop wird mit Leichtigkeit, Achtsamkeit, Aktion, Humor und Freude das persönliche Glück greifbar und erlebbar gemacht.

Welche Rolle spielt beim Glück
- die Arbeitszeit?

Wir verbringen unheimlich viel Zeit mit Arbeit. Von daher ist es sehr wichtig, dass uns die Beschäftigung Spaß macht und am besten mit Sinn erfüllt. Wertschätzung und ein gesunder Teamgeist fördern das Glück am Arbeitsplatz. Zudem sollte es immer auch einen gesunden Ausgleich zur Arbeitszeit geben. Es ist die Kunst, eine Balance zu finden zwischen Gas geben und auf die Bremse treten...
- die Familie/Freunde
Generell spielt das soziale Umfeld eine sehr große Rolle. Freunde und Familie geben Sicherheit und Halt, spenden Zuneigung und man erlebt freudige Augenblicke zusammen. Man sollte aber auch immer auf seinen Bauch hören, welche Menschen einem gut tun und welche weniger.
- das Geld
Ein gutes Einkommen gibt Sicherheit. Bis zu einem bestimmten Grad macht Geld wirklich glücklicher oder zufriedener. Ab einer gewissen Einkommenshöhe hat es aber keinen besonderen Einfluss mehr, dann kann es sogar belastend wirken.
- die Gesundheit
Laut der Studie The How of happiness von Sonja Lyubomirsky beeinflussen zu 50 Prozent die Gene das persönliche Glück(sempfinden). Zehn Prozent sind äußere Einflüsse wie Einkommen oder auch Gesundheit und ganze 40 Prozent liegen in unseren Händen: Umgang mit uns und anderen, unsere Haltung, Gedanken, Aktivitäten und unser Verhalten.

Wie lautet Ihre ganz persönliche Definition von Glück?
Ich freue mich immer, wenn ich die Dinge und Ideen, die ich innerhalb der Kampagne bearbeite, auch persönlich umsetzen kann. Das ist bei meinem Arbeitsalltag als Glücksministerin nicht immer leicht - gerade, wenn es um Entschleunigung geht. Ich tanze gerne auf vielen Hochzeiten und da tut es mir gut, auch mal wieder einen Gang runterzuschalten. Meine ganz persönliche Lieblings-Definition ist: Glück ist Wohlbefinden, dessen man sich bewusst ist.
Ich nehme gerne mit allen Sinnen wahr: riechen, schmecken, fühlen. Da draußen wartet so viel Schönes und ich bin leidenschaftlich gerne Detektivin der kleinen Dinge und es macht Spaß, andere darauf aufmerksam zu machen.

Die Fragen stellte Christiane Lehmann.


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