Coburg
Flüchtlingsstrom

Die Coburger Not-Betten stehen bereit

200 Asylbewerber muss Coburg im Rahmen des Notfallplans behelfsmäßig für vier bis sechs Wochen unterbringen. Die Unterkunft ist hergerichtet, doch ob die ersten Bewohner am Dienstag oder Mittwoch kommen, wusste am Montag noch niemand so sicher.
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Die Stadt verfügt über zahlreiche Feldbetten, weil die früher für die Übernachtungslager bei den Pfingstkongressen des Coburger Convents gebraucht wurden. Es sind so viele, "dass es auch für den Landkreis noch reicht", sagt Ordnungsamtsleiter Kai Holland. Foto: Simone Bastian
Die Stadt verfügt über zahlreiche Feldbetten, weil die früher für die Übernachtungslager bei den Pfingstkongressen des Coburger Convents gebraucht wurden. Es sind so viele, "dass es auch für den Landkreis noch reicht", sagt Ordnungsamtsleiter Kai Holland. Foto: Simone Bastian
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Die Stadt ist darauf vorbereitet, dass am Dienstag die ersten 50 von 200 Flüchtlingen eintreffen, die in der früheren BGS-Sporthalle untergebracht werden sollen. So viel konnte Dritter Bürgermeister Thomas Nowak (SPD) am Montag mit Sicherheit sagen. Alles andere war zu diesem Zeitpunkt mehr oder weniger offen. Am Dienstag sollten die ersten Flüchtlinge ankommen, aber sicher werden das die Verantwortlichen von Ordnungsamt und Sozialreferat erst wenige Stunden vorher erfahren.

Ist das Wann geklärt, bleibt die Frage, wer kommt. "Wir sind auch auf Kinder und Jugendliche eingerichtet", betonte Nowak. Denn vor allem für Kinder will die Stadt Aktivitäten organisieren. Dass das gelingen wird, ist Nowak sicher: "Es haben sich Verbände, Vereine und Einzelpersonen angeboten", berichtet er. Die E-Mail-Adresse coburghilft@coburg.de wurde zwar erst am Montag freigeschaltet, aber viele Hilfswillige meldeten sich schon am Wochenende bei Nowak direkt.

Aber: "Wir wissen noch nicht, was passiert - wir werden ad hoc entscheiden müssen, wenn die Menschen da sind", sagte Nowak. So habe die türkische Ditib-Gemeinde ihre Unterstützung angeboten, aber die habe natürlich nur Sinn, wenn auch Menschen dieser muslimischen Glaubensrichtung kommen. Aber egal, ob es in der Mehrheit alleinreisende Männer sind oder Familien mit Kindern: "Wir wollen dafür sorgen, dass die nicht nur hier sitzen", sagte Nowak. Die Asylbewerber dürfen sich frei im Stadtgebiet bewegen und erhalten den Coburg-Pass, der ihnen Vergünstigungen gewährt.

Spenden zu Hilfsorganisationen

Was Kleider-, Spielzeug- oder Sachspenden angeht, bittet Nowak darum, diese bei den Kleiderkammern, der Caritas oder dem Verein "Hartz & Herzlich" abzugeben. "Wir wissen noch nicht, was wir brauchen und wann wir es brauchen." Das gelte auch für ehrenamtliche Hilfe.

Für alles andere hat die Stadt so gut wie möglich vorgesorgt, mit Hilfe von Feuerwehr (80 Freiwillige mit 450 Einsatzstunden, sagte Stadtbrandrat Ingolf Stökl) und Technischem Hilfswerk. Diese Organisationen bereiteten die Halle vor, stellten ein Essenszelt auf. Das Bayerische Rote Kreuz stellte die 200 Betten in die Halle und wird beim Empfang der Ankömmlinge helfen, wenn jedem ein Bett zugeteilt wird. Außerdem hat das BRK schon für drei Samstage Arztsprechstunden organisiert. Und: "Das erste warme Essen kriegen sie von uns", sagt Kreisbereitschaftsleiter Wolfram Krause.

Danach sollen die Bewohner selbst bei der Essensausgabe und anderen nötigen Arbeiten in der Halle helfen. Der Zaun um die Halle herum soll den Bewohnern etwas Privatsphäre verschaffen. Die Hausmeister der BGS-Sporthalle werden von 7 bis 22 Uhr vor Ort sein, ein Sicherheitsdienst deckt den Rest der Zeit ab.

Rechnen mit bis zu sechs Wochen

Nowak geht davon aus, dass die Unterbringung vier bis sechs Wochen dauert. Deshalb habe sich die Stadt auch bemüht, dass alle 200 Plätze auf einmal belegt werden, um die Halle möglichst nicht über die Schulferien hinaus zu blockieren. Die Nutzung der Sporthalle als Notunterkunft betreffe vor allem den HSC, der dort trainiere, erläuterte Sportamtsleiter Eberhard Fröbel.

Der Landkreis musste Ende Februar Flüchtlinge in seine Notunterkunft in der Neustadter Frankenhalle aufnehmen. Deren Aufenthalt war nach knapp drei Wochen wieder zu Ende. Derzeit sei noch nichts dahingehend bekannt, dass der Landkreis in den nächsten Tagen ebenfalls Flüchtlinge im Rahmen des Notfallplans aufnehmen müsse, betonte Thomas Nowak.

Die ehemalige BGS-Kaserne wird jedenfalls nicht so schnell als Unterkunft für Asylbewerber zur Verfügung stehen. Sie gehört noch dem Bund. "Vielleicht kann sich die Bundesregierung überlegen, ihre Immobilie für eine nationale Aufgabe zu ertüchtigen", sagte Nowak. Die Stadt werde dort jedenfalls nicht investieren. Sie sei in erster Linie für die Integration der Fremden zuständig, betonte der Sozialbürgermeister. "Das Problem der Unterbringung von Asylbewerbern kann auch durch nationale Stellen gelöst werden."

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