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Mundart

Stirbt der Coburger Dialekt aus?

Die Sprache der Coburger ist vielfältig, doch gebräuchlich ist sie längst nicht mehr überall.
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Wissen Sie was ein "Giischtaggela" ist? Es gehört zu den Lieblingswörtern von Anneliese Hübner. Die Rödentalerin ist eine der bekanntesten Mundartdichterinnen im Coburger Land und beschäftigt sich schon seit Jahrzehnten mit den heimischen Dialekten und deren Vielfalt. Vor kurzem forderte der unterfränkische Abgeordnete Georg Rosenthal im bayerischen Landtag, die Mundartforschung auch in Franken mehr zu fördern. Er berief sich unter anderem auf das Bayerische Wörterbuch und möchte ähnliche Projekte auch in Franken sehen. Von solchen Projekten, die die fränkischen Sprachen vereinheitlichen wollen, hält Hübner aber eher wenig: "So was fordern immer Leute, die von der Praxis keine Ahnung haben." Zudem gibt es schon zwei, nämlich das Ostfränkische Wörterbuch und das fränkische Dialektbuch von Eberhard Wagner.


Stää, Stee, Ste-i oder Staa?

"Fränkisch ist eine große Vielfalt", sagt sie, "es gibt aber keine Einheitsmundart". Das trifft auch auf den Coburger Dialekt zu. "Itzgründisch" wird er häufig genannt und ist Teil des unterostfränkischen Sprachraums, zu dem auch die Regionen um Schweinfurt und Würzburg gehören. Ein "Reigschlääfter" kann auf seinem Streifzug durch Coburg vier unterschiedliche Aussprachen hören. Hübner erklärt diese am Beispiel des Wortes "Stein": Im nordöstlichen Landkreis um Rödental, Neustadt und Sonnefeld spreche man den "breiten Dialekt". Dort sagen die Einheimischen "Stää", genauso wie die Sonneberger. Die Mundart kennt nämlich keine Landesgrenzen und deshalb ist das Itzgründische bis nach Südthüringen verbreitet. Die Grenze bildet erst der Rennsteig. Im mittleren und nördlichen Landkreis um Bad Rodach heißt es "Stee", im Südwesten und in Neustadt selbst "Ste-i". In Richtung Lichtenfels und Kronach und in der "Sprachinsel" Seßlach kommt dann das Oberfränkische "Staa" zur Geltung. Aber wird in Coburg nicht auch Oberfränkisch gesprochen? Nicht wirklich, erklärt Hübner, denn das Itzgründische "öffnet sich zum Unterfränkischen Richtung Haßfurt".


Dialekt vom Aussterben bedroht?

Doch wie steht es um unsere Mundart? Gebräuchlich sei sie heute hauptsächlich noch auf dem Land. "In bodenständigen, alteingesessenen Familien", sagt Hübner. Die Menschen sprechen sie zu Hause in der Familie, aber natürlich nicht in der Schule oder im Betrieb, weiß sie, "denn Sprache ist Anpassung." Anders sehe die Situation in Coburg selbst aus: "Man muss sich fragen, wie viele bodenständige Coburger es noch gibt in der Stadt", meint Hübner. Die vielen Zuzüge, etwa durch Hochschule und Industrie, würden das Sprachbild dort verändern, zu einer "fränkischen Umgangssprache", wie sie es bezeichnet. Damit meint sie, dass die Städter eher zum Hochdeutschen neigen und nur die typische Sprachmelodie erhalten bleibt.

Stirbt der Dialekt also langsam aus? "Wenn ich meine Enkel anschaue - da spricht keiner Dialekt", sagt sie. "Aber aussterben wird er sicher nicht, davon bin ich überzeugt." Es habe schon immer Zeiten gegeben, in denen die Mundart hoch geschätzt oder als "Sprache der Unterschicht" diffamiert wurde. Sie könne sich vorstellen, dass der Dialekt eher eine Sprache der Familie oder der Vereine bleibt. "Es geht sicherlich viel verloren", blickt sie in die Zukunft. Außerdem sei die Sprache generell im Wandel, etwa durch Computer- oder Mediensprache.
Das "Giischtaggela" ist übrigens ein altes Kosewort für Kinder. Früher, als es noch keine Krücken gab, hat sich die Oma immer auf ihren Lieblingsenkel gestützt, klärt Hübner auf. Eben wie auf einem Gehstock.

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