Berlin

Deutsche Geschichte als gelungene Gratwanderung

Wie die Tragikkomödie "Es war einmal in Deutschland" im "Berlinale Special" überzeugt.
Artikel drucken Artikel einbetten
"Es war einmal in Deutschland": Szene mit Antje Traue und Moritz Bleibtreu  Foto: GermanyIGC Films/Fabrizio Maltese
"Es war einmal in Deutschland": Szene mit Antje Traue und Moritz Bleibtreu Foto: GermanyIGC Films/Fabrizio Maltese
+2 Bilder
"Es war einmal in Deutschland", der gestern Abend präsentierte erste "große" deutsche Film im Programm der 67. Internationalen Filmfestspiele in Berlin, erzählt eine schwierige Geschichte: die der Juden, die auch nach Ende des Zweiten Weltkrieges erst einmal in Deutschland geblieben sind. Ein Thema, das es im kommerziellen Kino mehr als schwer haben dürfte. Gut, dass es da Filmfestivals gibt. Da sieht man solche Sachen. Und manche davon finden im Anschluss daran sogar doch den Weg ins reguläre Kino.


Wobei man natürlich sagen muss, dass "Es war einmal in Deutschland" gewiss kein kleines, verkünsteltes Low-Budget-Produkt ist. Moritz Bleibtreu spielt die Hauptfigur; Regie führte der gebürtige Münchner Sam Garbarski, der vor genau zehn Jahren mit "Irina Palm" der Rock-Ikone Marianne Faithfull eine der schönsten Frauenrollen der Berlinale-Geschichte bescherte.


Tragikkomödie

Das ebnete seinem neuen Werk den Weg in die Reihe "Berlinale Special", einer Berlinale-Programmsparte, die im legendären Friedrichstadt-Palast ausdrücklich großen Raum für große Premieren bietet.


"Es war einmal in Deutschland" ist eine Tragikkomödie - ein Genrebegriff, der viel zu oft überstapaziert wird. Denn Tragik und Komödie zusammen zu bringen, schaffen nur ganz wenige Filme. Gar allzu oft geht diese Gratwanderung schief. Garbarski ist sie gelungen. Moritz Bleibtreu spielt den jüdischen Wäschehändler David, der im Frankfurt des Jahres 1946 mit einer Handvoll tief traumatisierter KZ-Insassen wieder einen schwungvollen Wäschehandel aufbaut. Sie tun dies insbesondere, indem sie die Deutschen - ein mutiger Spagat, den der Film mit dem richtigen Augenzwinkern schafft - auch mal ein bisschen übers Ohr hauen. Ein bisschen nur, aber man muss ja überleben. Und das in einem Land, in dem Menschen leben, die die Ausrottung der Juden zum Volksziel ausgerufen hatten.


Leichtigkeit ohne Kitsch

Sam Garbarski schafft es in seinem Film, der unglaublich belastenden Situation der Juden im Nachkriegsdeutschland eine gewisse Leichtigkeit zu verleihen, ohne in Kitsch abzugleiten. Parallel zum jüdischen Wirtschaftswunder mit weißer Wäsche zieht sich ein zweiter Handlungsfaden, in dem David alleine im Mittelpunkt steht. Eine betörend schöne US-Nazijägerin heftet sich an Davids Fersen, weil es Anhaltspunkte gibt, dass er mit den Nazis kooperiert haben könnte. Und mehr noch: Der Wäschehändler aus gutem Hause soll sogar zu Adolf Hitler an den Obersalzberg gerufen worden sein. Was für eine abenteuerliche Geschichte.


"Es war einmal in Deutschland" ist weder was zum Schenkelklopfen, noch schwer dahin leidendes Gefühlskino. Der Film, den "X-Filme" im April in die deutschen Kinos bringen wird, sucht sich seinen eigenen Weg irgendwo zwischen allen Genres.


Der junge Karl Marx

Diesen Hang zur Inkonsequenz muss man (und wird man bei der Berlinale) nicht zwingend als gut empfinden, aber unterhaltsam ist der Streifen ohne Einschränkung. Und damit ein guter Auftakt für "Berlinale Special".
Was da noch kommt in dieser Programmreihe, darf mit Spannung erwartet werden. August Diehl ("23", "Inglourious Basterds") wird mit "Der junge Karl Marx" zum x-ten Mal in den Versuch eines authentischen deutschen Historienschinkens geschickt - da war nicht jeder solche Film gut, der in Berlin zu sehen war. Und ein Publikumserfolg meist schon gar nicht.


Erfolgversprechender klingt da, dass Spaniens Altmeister Fernando Trueba und Penelope Cruz in der Komödie "The Queen of Spain" wieder einmal zusammenarbeiten.


Das taten sie schon 1992 im Oscargewinner "Belle Epoque" - einem damals bei der Berlinale gefeierten Film, der heute als der Anfang der großen Karriere von Penelope Cruz gilt. Na, wenn das keine guten Voraussetzungen sind.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren